Intensive Zusammenarbeit bei Gefahrstoffunfall

Feuerwehren absolvieren Einsatzübung auf Betriebsplatz von Wintershall

Nach der Bergung aus dem Gefahrenbereich wurde „Kalle“ von den Atemschutzträgern der Feuerwehr Drentwede versorgt.

Bockstedt - Von Hartmut Weber-Bockhop. Starke Rauchentwicklung, Leckage an einem Tank und drei vermisste Personen: Das war die brenzlige Ausgangslage einer groß angelegten Einsatzübung, die am Dienstagabend auf einem Betriebsgelände von Wintershall in Bockstedt über die Bühne ging. Dabei waren etwa 60 Feuerwehrkräfte aus der Samtgemeinde Barnstorf im Einsatz.

Unternehmen und Feuerwehren wollten erproben, ob die abgesprochenen Vorgehensweisen zum Betreten von Betriebsplätzen eingehalten werden und ob die Vorgänge reibungslos ablaufen. Darüber hinaus spielte die Koordination zwischen den einzelnen Kräften eine entscheidende Rolle. „Für die Feuerwehren ist es wichtig, genau diese Zusammenarbeit zu trainieren, um im Ernstfall vorbereitet zu sein“, betonte Jens Woita, Leiter der Betriebsfeuerwehr von Wintershall und zugleich Mitglied der Ortsfeuerwehr Drentwede.

Jens Woita und sein Kollege Björn Richter hatten auf dem Platz am Rüssener Heerweg ein realitätsnahes Szenario für die Kameraden der Betriebsfeuerwehr und der beteiligten Ortsfeuerwehren ausgearbeitet. Zur Demonstration setzten die Ausrichter eine Nebelmaschine ein, die sichtbar den Qualm im Betriebsgebäude simulierte. Die verletzten Personen wurden von Dummy-Puppen verkörpert. Sie mussten im Laufe des simulierten Gefahrstoffunfalls aus verschiedenen Situationen gerettet werden.

Das Krisenteam von Wintershall und die teilnehmenden Wehren wurden gegen 18.30 Uhr per Sirene oder Meldeempfänger alarmiert. Die Freiwillige Feuerwehr Bockstedt mit Ortsbrandmeister Holger Barmbold war schnell zur Stelle. Sie wurde von Anlagenmeister Jan Renzelmann eingewiesen. Zur Brandbekämpfung legten die Einsatzkräfte eine Schlauchleitung vom Hydranten. Im nächsten Moment kam der Befehl: „Wasser marsch!“.

Im weiteren Verlauf übernahm Gemeindebrandmeister Guido Schruth die Einsatzleitung. Er forderte den Einsatzleitwagen aus Barnstorf zur Koordination der einzelnen Aufgaben an. Schließlich mussten hier Helfer aus mehreren Orten an einem Strang ziehen. Neben den Feuerwehren aus Bockstedt, Drentwede, Wohlstreck und Eydelstedt kam auch der Gefahrstoffzug Diepholz zum Einsatz.

„Höchste Priorität hat die Menschenrettung“, erklärte der Gemeindebrandmeister am Rande der Übung. Ein Atemschutz-Trupp aus Drentwede drang in die verqualmten Räume vor und holte „Kalle“ heraus. Ein weiterer Trupp kümmerte sich unter größten Vorsichtsmaßnahmen um eine Person ganz in der Nähe der beschädigten Tanks. Ein Rettungstrupp der Betriebsfeuerwehr begab sich auf das Dach eines Betriebsgebäudes, fixierte die Person auf einer Trage und seilte sie mit Hilfe der Kameraden ab. Bei rund 90 Kilogramm schweren Puppe beileibe keine leichte Aufgabe.

Einen schweren Job hatte auch der Gefahrstoffzug Diepholz. Schon das Anziehen der speziellen Schutzanzüge war eine Herausforderung, die nur mit Hilfestellung gelang. Sobald die Stiefel richtig saßen, zeigte der Daumen nach oben. Zwei Trupps begaben sich auf die Suche nach Leckagen und beseitigten diese provisorisch mit ihren Hilfsmitteln. Nach dem Einsatz wurden die „kontaminierten“ Männer in einem Auffangbecken mit Schrubbern und Wasser gereinigt. Das war eine schweißtreibende Arbeit für die Beteiligten.

Nach etwa 90 Minuten war die Einsatzübung beendet. Die Feuerwehren begannen umgehend mit dem Aufräumen. Die gebrauchte Schläuche, Atemschutzflaschen und Schutzanzüge wurden noch am selben Abend gegen neues Material aus der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Wehrbleck getauscht. Diese Maßnahme fand allerdings nicht auf dem Betriebsgelände von Wintershall statt, sondern beim Gerätehaus der Feuerwehr Drentwede, wohin sich ein ganzer Tross auf den Weg machte.

Das vorläufige Resümee der Organisatoren fiel positiv aus. Jens Woita sprach von einer gut gelaufenen Übung. Auch Gemeindebrandmeister Guido Schruth stellte fest: „Diese komplexe Übung hat den Feuerwehren einiges abverlangt. Kleinigkeiten müssen verbessert werden, ansonsten wurden die Ziele erreicht“. Ein ausdrückliches Lob gab es für die gute Zusammenarbeit der Einsatzkräfte.

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