Vorsitzender über finanzielle Herausforderungen

Igel holt Unternehmen ins Boot

Um die Arbeit zu finanzieren, setzt der Verein auf die Unterstützung der heimischen Wirtschaft. Vorsitzender Johann Knake (l.) hat Steffan Irmler aus Drebber als Förder-Unternehmer gewinnen können. Foto: Igel
+
Um die Arbeit zu finanzieren, setzt der Verein auf die Unterstützung der heimischen Wirtschaft. Vorsitzender Johann Knake (l.) hat Steffan Irmler aus Drebber als Förder-Unternehmer gewinnen können.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Die Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) hat sich bei ihrer Vereinsgründung 1989 auf die Fahne geschrieben, einen ganzheitlichen Gesundheitsbegriff zu fördern.

Diesem Ziel sehen sich die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte auch heute noch verpflichtet. Doch die vielfältigen Angebote unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses in Barnstorf sind mit erheblichen Kosten und Risiken verbunden. Im Interview spricht Vorsitzender Johann Knake über die Finanzsituation des Vereins, die Abhängigkeit von Fördermitteln und neue Ideen, wie die Einrichtung dauerhaft gesichert werden soll.

Herr Knake, zurzeit veranstalten viele Vereine ihre Jahreshauptversammlung und machen einen Kassensturz. Wie steht es um die finanzielle Situation Ihrer Organisation?

Grundsätzlich ist unser Verein gut und solide aufgestellt, auch wenn wir durch Maßnahmen und Veränderungen in den letzten zwei Jahren vor einige Herausforderungen gestellt wurden. Allerdings gibt es auch Risiken hinsichtlich der Zukunft einiger Projekte. Diese zu minimieren oder zu beseitigen, ist aktuell eine der wichtigsten Aufgaben im Vorstand.

In welchen Bereichen liegen die finanziellen Herausforderungen?

Aus wirtschaftlicher Sicht sind das hauptsächlich das Mehrgenerationenhaus mit Hauswirtschaft und die Freiwilligenagentur. In der Krebsberatungsstelle zeichnet sich auf der politischen Ebene eine dauerhafte Lösung ab, sodass wir hier optimistisch in die Zukunft blicken können. Aber auch im Casino Interkulturell im Hülsmeyer-Park konnten wir aus finanziellen Gründen längst nicht das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben und was erforderlich ist.

Ganz konkret, wie hoch ist der Finanzbedarf, von dem wir hier sprechen?

Der Gesamthaushalt des Igel liegt im mittleren sechsstelligen Bereich. Auch wenn heute der größte Teil davon aus öffentlichen Fördermitteln gedeckt wird, bleibt für den Verein als Träger all unserer Maßnahmen ein erheblicher Finanzbedarf. Zudem muss man berücksichtigen, dass staatliche oder kommunale Förderungen oftmals zeitlich begrenzt und als Anschubfinanzierung zu verstehen sind. In dieser Zeit ist es wichtig, an die „Zeit danach“ zu denken und die Finanzierung über andere Quellen langfristig zu sichern.

Ist es angesichts der angespannten Situation überhaupt möglich, Rücklagen zu bilden, um neue Projekte anzustoßen?

Finanziert aus eigenen Mitteln, gibt es derzeit kaum Freiräume. Vielmehr sind wir bemüht, die aktuellen Projekte abzusichern und zu verstetigen. Möglichkeiten für neue Maßnahmen gibt es aber dennoch. Wir sind natürlich immer bemüht, für unsere Bedarfe neue Fördertöpfe zu finden. Beispielsweise haben wir im vergangenen Jahr das Projekt „Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz“ aufgenommen, das im Rahmen des Mehrgenerationenhaus-Projektes zusätzlich mit bis zu 15 000 Euro pro Jahr vom Bund gefördert wird.

Wie ist es Ihrem Verein bisher gelungen, den hohen Kostenaufwand zu bewältigen?

In erster Linie durch kostenbewusstes und verantwortliches Handeln aller „Igelaner“. Zudem wird durch den ehrenamtlichen und unentgeltlichen Einsatz engagierter Bürger einiges kompensiert. Nicht zu vergessen ist aber auch die Hilfe und Unterstützung unserer Kommune. Alle weiteren finanziellen Mittel, die der Verein als Träger unserer Angebote aufbringen muss, generieren sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen sowie Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb.

Können Sie auch in Zukunft auf die Förderung durch Bund, Land und Kommune bauen?

Ja. Wir sind sicher, auch weiterhin Fördermittel aus der öffentlichen Hand zu erhalten. Allerdings sind das eben häufig zeitlich befristete Förderungen, wie das zum Beispiel beim Mehrgenerationenhaus der Fall ist. Hier ist derzeit eine Förderung durch das Bundesprogramm über das Jahr 2020 hinaus noch nicht gesichert.

Wie wollen Sie den Finanzmittelbedarf langfristig decken?

Indem wir es schaffen, mehr unabhängige Unterstützung zu erhalten, die nicht aus öffentlichen Fördertöpfen kommt. In dem Zusammenhang muss man sich die Frage stellen, wer neben den betroffenen Bürgern in unserer Region, denen wir vielfältige Hilfen in allen Lebenslagen „von der Wiege bis zur Bahre“ anbieten, von unseren Angeboten profitiert. Das sind heimische Betriebe und Unternehmen, denen wir daher eine Mitgliedschaft als Förder-Unternehmen anbieten.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Förder-Unternehmen“?

Wir verstehen darunter in erster Linie juristische Personen, und hier Firmen und Einrichtungen mit Beschäftigten. Förder-Unternehmen sind ordentliche Mitglieder im Igel und haben damit satzungsgemäß alle Rechte und Pflichten in unserem gemeinnützigen Verein.

Um welche Summen handelt es sich dabei?

Den Mindestbeitrag für Förderunternehmen haben wir bewusst mit 300 Euro pro Jahr niedrig gehalten, damit auch klein- und mittelständige Betriebe uns unterstützen können. Höhere Beiträge sind natürlich möglich und frei wählbar. Der Mindestbeitrag für natürliche Personen und Mitglieder beträgt übrigens nur 50 Euro pro Jahr.

Und welche Vorteile hat das finanzielle Engagement für die Unternehmen selbst?

Wir verstehen uns als Sozialpartner hiesiger Unternehmen und Einrichtungen. Diese haben gegenüber ihren Mitarbeitern ja auch eine soziale Verantwortung. Wir unterstützen sie dabei, indem wir für unsere Region maßgeschneiderte Angebote vorhalten, die sie selbst nicht leisten können oder die nicht schon von anderen Einrichtungen angeboten werden. Wir Vorstandsmitglieder haben daher in diesem Jahr damit begonnen, unsere Angebote heimischen Unternehmen vorzustellen und eine Fördermitgliedschaft anzubieten.

Und wie ist die Resonanz?

Die ersten Reaktionen sind absolut positiv. Es gibt schon die ersten Förder-Unternehmen bei uns. Die Firma Irmler aus Drebber und die Firma Autec aus Twistringen haben sofort den Aufnahmeantrag unterzeichnet.

Kann auch der normale Bürger etwas tun, um den Verein zu unterstützen?

Ja, natürlich. Da gibt es einige Möglichkeiten. Mit einer „persönlichen“ Mitgliedschaft oder auch einer Spende kann uns jeder sehr gerne finanziell unterstützen. Aber auch „Zeitspenden“ durch ehrenamtliches Engagement in unseren Projekten sind herzlich willkommen!

Weitere Informationen unter www.igel-barnstorf.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Zwei Jahre nach Einsturz: Neue Brücke in Genua eingeweiht

Zwei Jahre nach Einsturz: Neue Brücke in Genua eingeweiht

Das Pixel 4a hat mehr Power - aber noch kein 5G

Das Pixel 4a hat mehr Power - aber noch kein 5G

Haushaltgeräte gebraucht kaufen

Haushaltgeräte gebraucht kaufen

Wie werde ich Metalltechniker/Metalltechnikerin?

Wie werde ich Metalltechniker/Metalltechnikerin?

Meistgelesene Artikel

Strohmuseum öffnet am 2. August seine Türen

Strohmuseum öffnet am 2. August seine Türen

Release vertagt Jubiläums-Events

Release vertagt Jubiläums-Events

Große Leidenschaft für kleine Schiffe

Große Leidenschaft für kleine Schiffe

„Bienenfreundlicher Landwirt“ Baustein für Artenschutz

„Bienenfreundlicher Landwirt“ Baustein für Artenschutz

Kommentare