Sechs Bürger der Samtgemeinde Barnstorf stellen ihr Ehrenamt vor

„Ich mache weiter, bis ich zusammenbreche“

Ortsbrandmeister Reimund Alsdorf erklärt den jungen Kameraden die Funktionsweise eines Notstromaggregates.

Barnstorf/Drebber - Von Jannick Ripking. Seit sie 15 ist engagiert sie sich in der Freiwilligenarbeit. Damals bei der Friedensbewegung. Heute ist Elke Oelmann ehrenamtliche Bürgermeisterin im Flecken Barnstorf. Kerstin Gieseke hat vor anderthalb Jahren den Vorsitz beim Barnstorfer Ortsverein des DRK von Hannelore Menkens übernommen – unentgeltlich. Und auch die Freiwillige Feuerwehr muss auf die vielen ehrenamtlichen Mitglieder zählen können, wissen Drebbers Ortsbrandmeister Reimund Alsdorf sowie Till Wilke und Jannes Bremermann, die erst kürzlich in die Ortsfeuerwehr Drebber eingetreten sind.

Was macht die Faszination Ehrenamt aus? Heute, am internationalen Tag des Ehrenamtes, stellt unsere Zeitung sechs Bürger der Samtgemeinde Barnstorf und ihre Beweggründe, ein Ehrenamt auszuüben, sowie die damit verbundenen Aufgaben vor.

Motivation

Laut einer Befragung des deutschen Freiwilligensurveys leistete 2014 in Deutschland ungefähr jeder Dritte ehrenamtliche Arbeit. Elke Oelmann ist sich sicher, einen Grundfür ehrenamtliches Engagement zu kennen: „Das Ehrenamt gibt mir, emotional gesehen, sehr viel. Ich erfahre immer wieder Zuspruch von Kollegen und Leuten aus Barnstorf, die meine Arbeit als Bürgermeisterin wertschätzen. Das motiviert mich.“ Allerdings sei es genauso wichtig, mit Spaß bei der Sache zu sein und hinter dem, was man tut, zu stehen. „Wenn diese Arbeit nur noch eine Belastung ist, dann sollte man auch aufhören. Ich möchte keine von denen sein, die nicht merken, wann Zeit ist, aufzuhören“, meint die dreifache Familienmutter.

Hannelore Menke – auch nach Ausscheiden aus dem Vorstand weiter für das DRK aktiv – schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Mir macht es einfach Spaß mit Menschen umzugehen und ihnen zu helfen.“ Ihre Nachfolgerin Kerstin Gieseke erinnert sich: „Ich habe schon immer gerne im Hintergrund gearbeitet und dabei versucht, etwas Gutes zu tun.“ Insbesondere, wenn sie bei Blutspendeterminen für das DRK aktiv ist, merke sie, dass sie das gern tut: „Blutspenden machen mir immer viel Spaß, aber am Ende des Tages merkt man auch wie anstrengend das ist.“

Till Wilke und Jannes Bremermann sind ganz neu in der aktiven Abteilung der Feuerwehr Drebber. Die 17-Jährigen freuen sich darauf, anderen Menschen zu helfen, indem sie bald Brände löschen und bei Verkehrsunfällen anpacken. „Die Hauptsache ist, dass es Spaß macht“, meint Wilke, während Bremermann sagt: „Die Feuerwehrtechnik hat mich schon immer interessiert.“ Reimund Alsdorf freut sich darüber, dass durch neue, junge Leute frischer Wind in die Ortsfeuerwehr Drebber kommt.

Die Kameradschaft sei das große Plus der Feuerwehren. „Wir sind noch in der Eingewöhnungsphase. Die Älteren Kameraden erklären uns alles, wenn wir Fragen haben“, stellt Wilke fest. Bremermann ergänzt: „Man muss sich auf jeden verlassen können. Das ist hier der Fall.“

Verantwortung

Die Aufgaben in den verschiedenen Ehrenämtern sind mindestens genauso unterschiedlich wie die Persönlichkeiten der Menschen, die sie ausüben. Kerstin Gieseke gibt zu, dass sie sich nach der Amtsübernahme die Frage gestellt hat, ob sie all ihre neuen Aufgaben überhaupt schafft. Aber durch die gute Organisation innerhalb des Ortsvereins gehe vieles „einfach so von der Hand“. Zu ihren speziellen Aufgaben im Vorstand gehört die Organisation von Veranstaltungen des Vereins: „Wir kümmern uns um Spielenachmittage mit Kaffee, haben jetzt eine Fahrt zum Weihnachtsmarkt organisiert und wir sind natürlich auch für die Blutspende verantwortlich.“ Aber auch das Finanzielle müsse Gieseke im Auge behalten, damit der DRK-Ortsverein seine Gemeinnützigkeit behält. „Die meisten Erlöse kommen aus unserem DRK-Shop Kreuz und Quer, und die werden dann wieder gemeinnützlich eingesetzt“, erklärt sie.

Auch die Neuakquise von Mitgliedern fällt in ihren Aufgabenbereich. Dafür seien einige Aktionen geplant, obwohl der Barnstorfer Ortsverein immer mal wieder neue Mitglieder dazugewinne. „Im Vergleich zu anderen Gruppen stehen wir in Barnstorf noch ganz gut da“, freut sich Gieseke. Nichtsdestotrotz sei der ausbleibende Nachwuchs ein kleines Problem des Deutschen Roten Kreuzes.

Bei der Feuerwehr dürfen Till Wilke und Jannes Bremermann noch nicht bei Einsätzen mithelfen. Dazu fehlt ihnen noch die nötige Ausbildung. Vorrangig haben Ortsbrandmeister, Gruppen- oder Zugführer eine große Verantwortung, erklärt Reimund Alsdorf. Sie seien dafür zuständig, dass alle Feuerwehrmänner und -frauen während eines Einsatzes und danach gesund sind und bleiben: „Meine oberste Devise lautet, dass alle wieder heil nach Hause kommen. Meine größte Angst ist bei jedem Einsatz, dass irgendetwas passiert.“

Elke Oelmann hat als ehrenamtliche Bürgermeisterin seit 2012 neben diverser Verwaltungsarbeit auch eine repräsentative Funktion inne. „Ich gehe zu Festen, Eröffnungen und Geburtstagen. Das ist nicht immer dienstverpflichtend“, merkt sie an, „aber die Leute erwarten auch, dass ich man sich zeigt. Das verstehe ich und das mache ich auch gerne.“

„Pro Woche bin ich ungefähr acht bis zehn Stunden unterwegs“, schätzt Elke Oelmann und dabei sind die vielen Vorbereitungs- und Recherchestunden, die sie meist zuhause am eigenen Schreibtisch erledigt, nicht einbegriffen. „Ich habe auch noch einen Job“, fügt sie an. „Das vergessen viele.“ Da stellt sich die Frage, wie ein Ehrenamt überhaupt mit dem eigentlichen Beruf kombinierbar ist. Oelmann, hauptberuflich Lehrerin an der Christian-Hülsmeyer-Schule in Barnstorf, sieht das locker: „Kontakte, die ich als Lehrerin habe, kann ich manchmal nutzen, um mich als Bürgermeisterin einzubringen und umgekehrt.“ Ihr ist aber sehr wichtig, dass sie ihrem Beruf als Lehrerin immer gerecht wird. Deswegen könne es schon vorkommen, dass sie Termine als Bürgermeisterin absagen muss, aber „größtenteils bekomme ich das gut organisiert“.

Als Rentnerin hat Hannelore Menke das Problem nicht mehr. Umso mehr freue sie sich auf ihre Arbeit beim DRK, weil „ich es gewohnt bin, etwas zu tun zu haben“. „Ich mache so lange weiter, bis ich zusammenbreche“, ergänzt die Rentnerin in Diensten des DRK als scherzhafte Drohung.

Öffentliche Resonanz

Als Bürgermeisterin steht Elke Oelmann in der Öffentlichkeit. „Ganz zu Anfang, als ich gewählt wurde, musste ich erst einmal durchatmen“, erinnert sie sich. In diesem Moment wurde ihr die Verantwortung und das öffentliche Interesse an ihrer Person zum ersten Mal so richtig bewusst. In Absprache mit ihrer Familie entschloss sie sich die neue Aufgabe anzugehen. Sie bereut die Entscheidung nicht: „Auch wenn ich ins kalte Wasser geworfen wurde, macht mir die Arbeit Spaß.“

Mit öffentlichen Anfeindungen gegen ihre Person hatte Oelmann indes noch nicht zu kämpfen: „Ich wurde noch nie beschimpft oder beleidigt.“ Auch die beiden DRK-Damen berichten von durchweg positiver öffentlicher Resonanz: „Wir fühlen uns wohl. Die Leute kaufen zum Beispiel gerne bei unserem Shop ein.“ Kerstin Gieseke habe, seit sie beim DRK ist, so richtig gemerkt, wie schön es sei, wenn Leute Dankbarkeit zeigen. „Wenn es keine Resonanz gäbe, dann würde ich wohl irgendwann den Spaß verlieren“, meint Menkens.

„Im großen Ganzen wissen die Bürger, was sie an der Feuerwehr haben“, stellt Ortsbrandmeister Alsdorf fest. Das mache er daran fest, dass die Wehrleute besonders von direkt Betroffenen immer wieder Lob, Anerkennung und Dank ausgesprochen bekommen. Trotzdem komme es hin und wieder vor, dass sich Anwohner beschweren. Wenn des Nachts das Martinshorn aufheult, zum Beispiel. Hannelore Menkens vom DRK hat dafür wenig Verständnis: „Manchmal weiß man erst, wie wichtig Hilfe ist, wenn man sie braucht.“

Alle sechs sind sich sicher, dass sie nicht nur Zeit und Arbeit in das Ehrenamt investieren, sondern, dass sie dadurch auch sehr viel zurückbekommen. Sei es Zuspruch der Bevölkerung, die Kameradschaft, Interessenerweiterung oder der reine Spaß an der Sache.

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