Uwe Oswald will mit einmaligen Kunstwerk zum Nachdenken anregen

„Ich habe keine Antworten“

Bezug zum Ort: Uwe Oswald hat im Wandbild auch die Hunte und den Gemüseladen aufgegriffen.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. An der Skulptur „Drinnen und Draußen“ führt kein Weg vorbei. Vor einem Jahr im Barnstorfer Ortskern vom Uwe Oswald erschaffen, haben die Bürger inzwischen reichlich Zeit gehabt, sich ein Bild von dem Kunstwerk zu machen. Inzwischen sind auch das dazugehörige Wandbild inklusive Sitzbank und Beleuchtung fertiggestellt. „Jetzt ist dieses Ensemble so, wie wir es uns vorgestellt haben“, erklärt Bürgermeisterin Elke Oelmann bei der feierlichen Einweihung.

Im Kreise von Vertretern aus Politik, Verwaltung, Treffpunkt Kultur und Sponsoren stieß die Bürgermeisterin des Fleckens Barnstorf auf das vollendete Kunstwerk an. Dabei machte die Mitinitiatorin und Befürworterin des Projektes keinen Hehl daraus, dass das Ensemble auf geteiltes Echo in der heimischen Bevölkerung stößt. „Manche finden es super, andere fragen, was soll das denn?“ Diese Frage kam auch in der kleinen Feierstunde auf, aber der anwesende Künstler hielt sich mit Deutungen zurück.

„Ich habe keine Antworten“, sagte der Bildhauer und Maler, der vor einigen Jahren den Anstoß für das Objekt gegeben hatte. Er vertritt die Auffassung, dass Kunst im ländlichen Raum zum Nachdenken anregen und auch einen Bezug zur Örtlichkeit haben sollte. „Jeder kann sich selber einen Reim daraus machen. Ich kann nur Fragen stellen und dazu anregen, sich Gedanken zu machen“, erklärte der 65-jährige Barnstorfer.

Die Menschen sollten ins Gespräch kommen, etwa über den Sinn des drei Meter hohen Tores und die große Kugel. Sie stehen im Mittelpunkt der Installation, umgeben von fünf zum Teil voneinander getrennten Figuren. Wer ist hier drinnen, wer ist draußen? Eine Fragestellung mit Bezug zum großen Thema Zuwanderung, aber auch zu ganz persönlichen Schicksalen, wie der Künstler feststellt. Viele Menschen seien der Situation ausgesetzt, dass sie Fremde kennen oder vielleicht selbst schon einmal fremd gewesen seien.

Das Wandbild am benachbarten Gebäude greife die Illusion der Skulptur auf, so Oswald weiter. Die Perspektive verändere sich, abhängig von den jeweiligen Standpunkten des Betrachters. Die Kugel falle aus dem Bild heraus und durchbreche die Mauer. Die Staffelei liege noch bereit und erwache den Eindruck, dass das Bild noch nicht ganz fertig sei. Man könne also lange darauf gucken, ohne dass man fertig werde und alle Zusammenhänge erkenne. „Das Spiel kann sich in die Länge ziehen“, sagte der Künstler schmunzelnd.

Es sei eine ziemlich einmalige Situation, dass zwei verschiedene Werke in Dialog treten würden, so der Künstler, der in den vergangenen Jahrzehnten schon zahlreiche Werke im öffentlichen Raum erstellt hat. Und dennoch ist die Kombination von Malerei und Skulptur an einem gemeinsamen Platz eine Premiere und zugleich Herausforderung. „Es soll ein Streit entstehen zwischen den einzelnen Positionen“, so die Zielsetzung.

„Es war eine Aufgabe, viele zu überzeugen, dass es das wert ist“, sagte Oelmann und spielte damit auf die Finanzierung des Objektes an. Die Idee des Bildhauers war es, dass sich die Kunst selbst finanziert. Durch den Verkauf von 99 Radierungen, jeweils zum Preis von 99 Euro, sollten die Kosten gedeckt werden. Ein sehr hoch gestecktes Ziel, wie Oswald rückblickend feststellen musste. Bisher wurden nun knapp 50 Exemplare verkauft.

Um die Kosten der Skulptur in Höhe von 15 000 Euro zu decken, konnte die Kommune in Kooperation mit dem Heimatverein Samtgemeinde Barnstorf mehrere Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft, eine Spende der Friedrich-Plate-Stiftung sowie einen Zuschuss des Landschaftsverbandes Weser-Hunte gewinnen. Letzterer beteiligte sich auch an dem Wandbild, das noch einmal Kosten von etwa 8 000 Euro verursacht. Unterm Strich wird die Kommune etwa 8 000 Euro aus dem eigenen Haushalt beisteuern müssen.

Gut möglich, dass sich der Eigenanteil durch die aktuelle Ausstellung im Rathaus reduziert. Oswald will 20 Prozent der Einnahmen an die Gemeinde geben. Seine Malereien, Zeichnungen und Skulpturen sind noch bis zum 22. November zu sehen. Anders das Objekt im Ortskern. Es bleibt den Barnstorfern dauerhaft erhalten. Und es könnte noch besser zur Geltung kommen, wenn die Ortsumgehung fertiggestellt sei und mehr Ruhe im Kreuzungsbereich einkehre, so die Auffassung von Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers. Für ihn steht schon jetzt fest: „Das ist ein Highlight für Barnstorf!“

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