Musikalische Lesung mit Martin Heckmann und Jürgen Schöffel in Rechtern

Den Humor von Horst Evers im Gepäck

Wie im Varieté-Theater leuchteten die Lampen auf den kleinen Tischen bei der Lesung auf der Diele von „Hibbelers“. Der Bremer Schauspieler Martin Heckmann las hier aus dem Buch von Horst Evers „Für Eile fehlt mir die Zeit“. Fotos: Brauns-Bömermann

Rechtern - Von Simone Brauns-bömermann. Da sage noch einmal jemand: „Hier auf dem Land ist doch abends nichts los!“ Es ist zwar dunkel, der Wolf kann theoretisch die Straße kreuzen, aber umso mehr laden die Lichter in den Häusern ein. So wie an diesem Abend in Rechtern auf der Diele des Hofes Hibbelers zur musikalischen Lesung des Bremer Schauspielers Martin Heckmann und des Musikers Jürgen Schöffel. Die zwei Künstler waren der Einladung des heimischen Kulturvereins „Stadt Land Fluss“ gefolgt und waren sehr gespannt, was sie auf der Diele erwartete.

Der Name des Vereins war an dem Abend Programm: Aus der „Stadt“ kamen Heckmann und Schöffel – im Gepäck das Buch von Kultautor Horst Evers, der nicht physisch, aber mit seinem brillanten Humor anwesend war. „Land“ stand für den Austragungsort der musikalischen Lesung und der „Fluss“ Hunte floss unbeeindruckt von dem Treiben ganz in der Nähe weiter.

Wie Heckmann auf die Idee kam, Evers zu lesen, erläuterte er vor seinem Auftritt: „Ich habe vor zehn Jahren das Buch geschenkt bekommen und war so beeindruckt davon, dass ich im Verlag anfragte, ob ich daraus lesen darf.“ Ein klares „Nein, der Autor liest nur selbst“ kam als Antwort. Resignation machte sich breit bei Heckmann, zu schön wäre es gewesen, die trockenen, tiefgründigen und pragmatischen Weltanschauungen von Evers zu spielen.

Als Evers die Agentur wechselte, habe er Glück gehabt, die „Rampensau“-Agentur hatte nichts gegen die Lesung. „Ich suchte jetzt noch einen guten Musiker, der mich flankiert.“ Den fand er mit Jürgen Schöffel bei „Roland“, dem Betreiber der Kneipe Paganini in Bremen. „Jürgen ist Dein Mann“ hatte Roland gesagt und es stimmte.

Nun standen die Zwei in Rechtern dort, wo Holzstapel den Nachschub für den Gussofen garantierten, die Stalltüren und Futtergitter von der Vergangenheit auf der Diele erzählten. Der Blick in die große Diele präsentierte das gelungene Cross-Over zwischen Vergangenheit und Heute, zwischen Stadt und Land. Wie im Varieté-Theater leuchteten auf den Tischen kleine Lampen, die Weine funkelten in den polierten Gläsern. Kultur und Spaß an guter handgemachter Musik waren versprochen.

Aus der angekündigten Stunde Lesung wurden zwei; mit Zugabe und Groove zur Musik mit Text vor und nach der Lesung und ohne bei den Zwischenmusiken. „Da darf ich nur instrumental, ohne Text“ schalkte Gitarrist Schöffel.

Für die, die den Inhalt des Buches „Für Eile fehlt mir die Zeit“ des Wahlberliners und aus Hüde-Evershorst stammenden Gerd Winter kannten, war der Besuch eine Bereicherung. Denn die Geschichten, halb gelesen, halb gespielt, von Heckmann erhielten eine neue Ebene.

Er gab den von Evers gewählten Charakteren, die Aura, die sonst hinter schwarzen Lettern ein Schattendasein fristen.

Wenn beispielsweise Onkel Herbert mit seinem Opel Rekord, den ganz großen Bahnhof in Diepholz für Evers wahr macht und Heckmann Onkel Herbert brillant als halb taub und ohne Zähne spielt.

Oder wenn das nervige Paar aus dem Zug streitet und sie die Geschichte von Evers auf dem Laptop beendet, während er das stille Örtchen besucht. Evers Geschichten sind voller Sprachwitz mit Bodenhaftung, wer ihn im Theater der Stadt Diepholz selbst hörte, erlebte schön Höhenflüge, wer bei Heckmann lauschte und schaute, fand die Variation dazu. Die Songs lieferte der Mann in den braunen Boots, die schon viel sahen von der musikalischen Welt: Feinster Blues, Rock und „Life is to short“-Feeling“ und den Stones nach Abstimmung als Zugabe. „Hey, das hätte ich nicht gedacht“, kommentierte Schöffel, der „atmosphärisch, Beatles, sogar Schlager oder Stones anbot. „Wow, noch eine Geschichte?“ fragte Heckmann nach und lieferte eine mit dem Fazit von Evers „Wunder sind immer schön. Und bestimmte Wunder macht man selbst.“

Ungewöhnlich auch das Autogramm von Heckmann in Evers Buch für Rita Horstmann aus Neu-Eydelstedt – eben über vier Ecken.

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