„Solidarische Landwirtschaft“

Gemüseanbau in Donstorf: Der Hollerhof soll im Frühjahr starten

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Auf einem Feld in Donstorf hat Hildegard Stubbe im vergangenen Jahr einen verheißungsvollen Probelauf unternommen. Ihr Enkelkind Luka ist neugierig auf das Gemeinschaftsprojekt und will sogar mit anpacken. Im Frühjahr soll es auf dem Hollerhof in die Vollen gehen.

Donstorf - Von Gerhard Scheland. Dicke Bohnen, Feldsalat und Fenchel, Pastinaken, Porree und Radieschen, Staudensellerie, Wurzelpetersilie und Zwiebeln: Das sind nur neun von mehr als 50 Gemüsesorten, die Hildegard Stubbe künftig jedes Jahr auf einer rund 6 600 Quadratmeter großen Ackerfläche in unmittelbarer Nähe ihres Hofes in Donstorf anbauen will.

Dabei handelt es sich um keinen gewöhnlichen Prozess. Hinter der Arbeit steckt die Umsetzung einer „Solidarischen Landwirtschaft“ (Solawi). Getragen wird das in unseren Breiten eher unbekannte Konzept von einem eigens für die Trägerschaft gegründeten Verein. Annähernd 30 Interessierte aus Donstorf und Umgebung haben sich zum Jahresbeginn im Clubraum des Gasthauses Hibbeler in Rechtern versammelt, um den Hollerhof aus der Taufe zu heben.

Bei der Gründungsversammlung wurde trotz guter Vorbereitung mehrere Stunden über die im Entwurf vorliegende Satzung diskutiert und über den Kooperationsvertrag zwischen dem Verein und Hildegard Stubbe beraten. Bei den Wahlen wurde Bodo Sebald als Vorsitzender auserkoren. Sein Stellvertreter ist Jürgen Gück. Carmen Flug verwaltet die Finanzen, während Michael Röder das Amt des Schriftführers bekleidet.

Gemeinsam den Anbau planen

Im Rahmen der Versammlung machten die Initiatorin noch einmal klar, was hinter dem gemeinschaftlichen Projekt steckt: „Solidarische Landwirtschaft heißt, gemeinsam den Gemüseanbau zu planen und dabei zu überlegen, was für die Kostendeckung notwendig ist und wie das einmal wöchentlich geerntete Gemüse auf die Abnehmer verteilt werden kann.“ 

Die Vereinsmitglieder können jederzeit helfen, wenn sie möchten. Gleiches gilt für alle anderen Aufgaben: Verteilung des Gemüses oder spezielle Arbeiten wie beispielsweise das Einmachen von Sauerkraut. „Alle können sich einbringen, müssen es aber nicht“, ließen die Beteiligten mehrfach durchblicken.

Der Vorstand des neuen Vereins (v.l.): Bodo Sebald, Carmen Flug, Michael Röder und Jürgen Gück.

Die Vertreter der „Solidarischen Landwirtschaft“ im Südteil der Samtgemeinde Barnstorf eint das Ideal, „ein Stückchen Erde so zu bewirtschaften, dass die Bodenfruchtbarkeit möglichst gesteigert wird, eine große Artenvielfalt gedeihen kann und sich Tiere und Menschen von dem Ertrag ernähren können.“ 

Die Nutzer wollen nach eigenem Bekunden erleben, wo und wie das Gemüse angebaut wird. Sie möchten Wirsing, Brokkoli und Chinakohl in der Vegetationszeit frisch vom Feld beziehen und sind bestrebt, lange Transporte, Verpackungsmüll und Überschüsse zu vermeiden. 

„Das ist das Herzstück unserer Solawi. Damit ermöglichen wir dem Hollerhof eine völlig andere Art des Wirtschaftens“, heißt es in den verabschiedeten Selbstverwaltungshinweisen. Schritt für Schritt solle versucht werden, nach den bestehenden Möglichkeiten eine Kostendeckung zu erreichen.

Bieterrunde als wichtiges Element

Eine wichtige Bedeutung kommt der Bieterrunde zu. Dort wird ab dem nächsten Jahr das Budget vorgestellt und beraten. Mit der vorangegangenen Absichtserklärung sichert sich jeder Interessent die Teilnahme an der Bieterrunde. Alle Mitglieder bieten geheim für ihren Ernteanteil eine Summe, die sich am Richtwert orientieren kann. So wird das Budget nach Selbsteinschätzung solidarisch aufgebracht.

Wichtiger Bestandteil der Solidarität ist für die Verbraucher, etwaige Ernteausfälle mitzutragen. Die Gemeinschaft teilt sich die Ernte und verlangt nicht, dass jedes Gemüse zu jeder Zeit vorrätig ist. Das ist zugleich der ökologische Aspekt des Projektes. Es wird von den Nutzern akzeptiert, was Witterung und Jahreszeit hergeben, wobei die breite Palette der angebauten Sorten dafür sorgt, dass Gemüse verfügbar sein wird. Mit der Gemüselagerung und dem geschützten Anbau ist eine ganzjährige Auslieferung möglich.

20.000 Euro müssen aufgebracht werden

Um schon in wenigen Wochen handlungsfähig zu sein, muss eine bereits aufgestellte Kalkulation erfüllt werden. In dem schriftlichen Kostenvoranschlag sind die reinen Produktionskosten auf knapp 17. 000 Euro und die Investitionskosten auf 3. 000 Euro festgesetzt. „Damit müssen 20.000 Euro aufgebracht werden, aber das schaffen wir“, zeigten sich die potenziellen Nutznießer des besonderen Gemüseanbaus und der für viele noch ungewohnten Vermarktung des Frischgemüses überzeugt.

Mit ihrer Unterschrift haben sich die bisherigen Interessenten verpflichtet, monatlich zwischen 40 und 70 Euro für das gemeinsame Projekt aufzubringen. Wegen der Dringlichkeit ist der Zahlungsmodus klar geregelt. Sollten bis Mitte des Jahres aus Mitgliedsbeiträgen und zinslosen Darlehen von Interessierten noch 3 500 Euro mehr zusammenkommen, könnte schon in Kürze mit dem Bau eines Folientunnels begonnen werden.

Nach Demeter-Richtlinien wirtschaften

„Der ist Voraussetzung für den Tomatenanbau und für die Jungpflanzenanzucht, mit der wir im Februar starten wollen. Ohne Tunnel wird es keine Tomaten und kein Frühgemüse geben“, erläuterte Stubbe. Sie will nach Demeter-Richtlinien wirtschaften und mit der jährlichen Ernte den Bedarf von 40 bis 50 Anteilen decken. Der Betrieb soll nach Bio-Richtlinien zertifiziert sein.

Nach einem verheißungsvollen Probelauf im vergangenen Sommer soll das Projekt im Frühjahr richtig Fahrt aufnehmen. Wer noch in dieser Saison einsteigen möchte, kann das bis Ende Januar tun. Als Ansprechpartnerin steht Hildegard Stubbe zur Verfügung (Tel. 05442/8057635).

www.solawi-hollerhof.de

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