Keine Gottesdienste in Drebber: Superintendent Marten Lensch reagiert auf Entscheidung

„Hohes Maß an Verantwortung“

Auf das gemeinsame Singen wird in den Gottesdiensten verzichtet. Stattdessen wird ganz aerosolfrei mit den Händen „gesungen“, wie hier beim Tauferinnerungsgottesdienst in St. Nicolai in Diepholz.
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Auf das gemeinsame Singen wird in den Gottesdiensten verzichtet. Stattdessen wird ganz aerosolfrei mit den Händen „gesungen“, wie hier beim Tauferinnerungsgottesdienst in St. Nicolai in Diepholz.

Drebber / Diepholz – „Unsere Kirchen und Gemeindehäuser bleiben geschlossen“ – angesichts der Corona-Pandemie haben die Kirchenvorstände aus Jacobidrebber und Mariendrebber einen vierwöchigen „Lockdown“ beschlossen (wir berichteten). Superintendent Marten Lensch äußert Verständnis für diese Entscheidung, sieht aber auch gute Gründe, an der Feier der Gottesdienste festzuhalten.

Die seit Montag gültige Corona-Verordnung des Landes bringe tiefgreifende Einschnitte in das gesellschaftliche Leben mit sich, heißt es in einer Mitteilung aus der Superintendentur. Neben der Einschränkung persönlicher Kontakte sind Restaurants geschlossen und auch kulturelle Veranstaltungen oder viele sportliche Aktivitäten sind zunächst einmal für den gesamten Monat November nicht erlaubt.

Während jedoch im ersten Lockdown auch nahezu alle kirchlichen Aktivitäten verboten waren, dürfen jetzt einige kirchliche Veranstaltungen und insbesondere die Gottesdienste weiterhin stattfinden. Aus Solidarität mit den vom Lockdown besonders betroffenen Betrieben haben sich die Kirchengemeinden Mariendrebber und Jacobidrebber dazu entschieden, sich diesem Lockdown anzuschließen und in den nächsten Wochen auch keine Gottesdienste zu feiern. Alle anderen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz werden jedoch weiterhin am Sonntag ihre Kirchen für die Gläubigen öffnen – mit allen Einschränkungen, die in dieser Zeit geboten sind: Es gelten die bekannten Abstandsgebote, der Mund-Nase-Schutz muss den ganzen Gottesdienst über getragen werden, auf Gemeindegesang wird verzichtet und die Verantwortlichen sind gehalten, die Gottesdienste kurz zu halten, so dass die Infektionsgefahr deutlich minimiert ist.

„Solidarität mit Schwächeren ist ein wichtiges Motiv christlichen Handelns,“ betont der Superintendent in der Mitteilung. „Vor diesem Hintergrund kann ich die Beschlüsse der Kirchenvorstände der Gemeinden in Drebber gut nachvollziehen. Dennoch gibt es auch sehr gute Gründe, an der Feier der Gottesdienste festzuhalten: Die Gottesdienste sind nicht Selbstzweck, sondern sie dienen dazu, in dieser besonderen Zeit, die viele Menschen ängstlich und einsam werden lässt, Trost zu spenden, Hoffnung zu geben und das Vertrauen auf die Begleitung durch Gott zu stärken.“ Und die stellvertretende Superintendentin Ilka Strehlow, Pastorin in Barnstorf, ergänzt: „Es ist eine gesellschaftliche Verantwortung, dass wir in Notzeiten gemeinsam beten.“ So seien die Gottesdienste im ganz wörtlichen Sinne Seelsorge, führt Lensch weiter aus. „Wir wollen und werden die Menschen nicht allein lassen!“ Einen Überblick über die meisten Gottesdienste, die im Kirchenkreis stattfinden, finden sich auf der Homepage: www.kirchenkreis-diepholz.de.

Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers stehe in engem Kontakt mit den Behörden im Land Niedersachsen und passe regelmäßig ihre Handlungsempfehlungen für die Kirchengemeinden an die jeweils gültige Corona-Verordnung an. Daran orientieren sich die jeweiligen Kirchenvorstände und setzen die Empfehlungen in Hygienekonzepten um. Hier gebe es einen gewissen Spielraum, so dass sich die Beschlüsse der einzelnen Kirchenvorstände unterscheiden – wie zum Beispiel bei den Gottesdiensten. „Dass Kirchenvorstände zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, ist nicht verwunderlich – im Gegenteil: Es ist eine Selbstverständlichkeit in einer pluralen Gesellschaft“, stellt Lensch fest. „Keiner der Beschlüsse wird leichtfertig gefasst, sondern jeder Beschluss drückt das hohe Maß der gesellschaftlichen und kirchlichen Verantwortung aus, die die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher wahrnehmen.“

Neben den gottesdienstlichen Angeboten ist die Kirche auch an anderen Orten für die Menschen da. So sind beispielsweise die Pastorinnen und Pastoren weiterhin für Seelsorgegespräche zu erreichen. Der Konfirmandenunterricht findet analog, digital oder mit anderen Medien statt. „Wir achten darauf, den Kontakt zu den jungen Leuten nicht zu verlieren. In dieser extremen Zeit ist es besonders wichtig, dass die Jugendlichen auch eine Möglichkeit haben, ihre Fragen zu stellen und Sorgen loszuwerden. Darüber hinaus haben wir als Kirche einen Bildungsauftrag, den wir wahrnehmen wollen.“

Viele Angebote, die zur Zeit des ersten Lockdowns in den Gemeinden entstanden sind, wie beispielsweise der Gottesdienst in der Tüte oder auch digitale Andachten, werden fortgeführt, so die Mitteilung, damit auch die Menschen, die nicht in den Gottesdienst kommen möchten oder können, auf andere Weise Zuspruch erhalten. Ganz besonders für die Advents- und Weihnachtszeit werden sich die einzelnen Kirchengemeinden und der Kirchenkreis besondere Aktionen oder Angebote überlegen. Schließlich laufen in den Kirchengemeinden die Planungen für die Weihnachtsgottesdienste auf Hochtouren. Viele Gottesdienste werden voraussichtlich unter freiem Himmel stattfinden.  sr/art

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