Vom Geheimtipp zur Trendfrucht

Hof Reeßing baut in Eydelstedt mit Aronia-Beere regionale Rarität an

Premiere gelungen: Zum ersten Mal konnte Lukas Reeßing vom Hof Reeßing in Eydelstedt im vergangenen Jahr Aronia-Beeren ernten.
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Premiere gelungen: Zum ersten Mal konnte Lukas Reeßing vom Hof Reeßing in Eydelstedt im vergangenen Jahr Aronia-Beeren ernten.

Eydelstedt – Sie ist dunkel-violett, im Biss etwas fester, herb-aromatisch und mit ihren vielen Vitaminen äußerst gesund: die Aronia-Beere. Nach der ersten verhaltenen Ernte im vergangenen Jahr hofft der Hof Reeßing in Eydelstedt in dieser Saison auf einen stärkeren Ertrag. Die Entscheidung darüber wird die Witterung in der Hand haben.

„Fünf Jahre zuvor angebaut, durften wir uns im letzten Jahr über eine gute erste Ernte mit kleinen Abstrichen freuen“, erzählt Lukas Reeßing. Der Junglandwirt ist froh, dass sich die Pflanzen auch in der hiesigen Region zu Hause zu fühlen scheinen. Fünf Jahre dauere es, bis die Sträucher eine erste Ernte tragen. Von insgesamt fünf angebauten Hektar lieferten nun zwei Hektar bereits Ertrag. „Einen Teil gibt es im Sommer frisch gepflückt im Hofladen oder über unseren Vermarkter. Auch einen Selbstpflücktag wie im vergangenen Jahr werden wir in 2021 wieder anbieten“, sagt der Junglandwirt, der diese Sonderkultur auf der Bioschiene anbaut. Das Gros der Ernte werde jedoch maschinell eingefahren und gehe in die Saftproduktion. „Als reiner Aronia-Saft und als Aronia-Apfel-Saft mit 80 Prozent Aronia und 20 Prozent Apfelanteil“, erläutert Reeßing, der von der letzten Ersternte noch einige Saftlaschen bereithält. Zu Saft werden die Beeren in einer Kelterei in der Umgebung verarbeitet.

Die dunkle Aronia-Beere ist eine vielfältige Vitaminbombe.

Er hoffe, dass es mit dem Wetter jetzt stetig aufwärts gehe. „Letztes Jahr waren es die späten Nachtfröste, die unsere Ernte geschmälert haben.“ Die Schneemassen und Minustemperaturen im zweistelligen Bereich in der ersten Februar-Hälfte hätten den Pflanzen jedoch nicht zugesetzt. „Aronia wird auch in Russland angebaut, daher kennen die Pflanzen solche Temperaturen. Erst wenn die Triebe und jungen Blüten ausschlagen und dann kommt nochmal Frost, ist das der Ernte nicht zuträglich.“

Der Weg bis zur ersten Ernte im vergangenen Jahr sei weit gewesen, erläutert Reeßing. „Denn große Trockenheit lieben die Sträucher nicht gerade.“ So habe man insbesondere im vorletzten Sommer, als noch keine Ernte auf dem Programm stand, reichlich wässern müssen. Zudem müssten die Pflanzen minimal biologisch gedüngt werden, und auch eine Entfernung von wachsendem Unkraut müsse man bis zur Ernte immer vornehmen.

Die meisten Aronia-Beeren werden auf dem Hof Reeßing maschinell geerntet.

„Doch es lohnt sich, wir merken, dass die Nachfrage nach dieser Frucht kontinuierlich steigt“, so Reeßing weiter. Die Apfelbeere habe sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zu einer immer stärker nachgefragten Trendfrucht gewandelt. Es gebe viele Produkte mit Aronia-Zusätzen, doch die frischen Beeren als solche seien recht spärlich zu bekommen. „Auch wir sind meines Wissens der einzige Hof in der Region, der die Aronia-Beere anbaut“, sagt Lukas Reeßing.

Wegen ihres Vitaminreichtums und der Antioxidantien werde die Beere bei verschiedenen Krankheiten wie beispielsweise Bluthochdruck empfohlen. „Beides wirkt sich sehr positiv auf das Immunsystem aus. Das ist gerade jetzt in Coronazeiten besonders wichtig“, so Reeßing. Doch lediglich 100 Milliliter Saft solle man pro Tag maximal zu sich nehmen. „Mehr ist nicht gut. Das kann durch die vielen Vitamine und Antioxidantien die Darmflora durcheinander bringen“, weiß der Experte.

Die Aronia-Beere

Aronia (Apfelbeere) kannten schon die Indianer und nutzten die kleinen, unscheinbaren Beeren für die langen Winter. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Nordamerika und wurde bereits von den dortigen Ureinwohnern hoch geschätzt. Vor mehr als 100 Jahren fand sie den Weg nach Mitteleuropa und nach Deutschland. Inzwischen wird Aronia weltweit angebaut. Weil die Beere so viele wichtige Vitalstoffe enthält, gewinnt sie als heimische Frucht immer mehr Liebhaber. Die dunkel-violette Aronia-Beere wächst in schweren Dolden an robusten Sträuchern. Die Früchte der Apfelbeere sind äußerst reich an Vitaminen, Farb- und Mineralstoffen sowie Gerbsäuren. Vor allem aber hat die Beere Polyphenole, die nicht nur gut für das Immunsystem sind, sondern sie wirken sich auch regulierend auf Blutdruck und Blutzuckerspiegel aus. Diese Inhaltsstoffe sind für die extreme dunkelblaue Färbung verantwortlich. Außerdem gelten Polyphenole als antioxidativ, antikanzerogen, antimikrobiell und antithrombotisch. All diese positiven Eigenschaften bleiben auch in den verarbeiteten Produkten enthalten, da Hitze Polyphenole nicht zerstört. Viele kleine Blüten überziehen die Aronia-Sträucher im Mai – der Auftakt für die Reifung des immer beliebter werdenden Superfoods. Von da an bilden sich die unzähligen gesunden Früchte, die ab August pur, als Saft oder Zusatz in anderen Produkten zu genießen sind.

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