Hobbyfotograf Heinz Fessel erinnert an Jubiläumsfeier des Fleckens Barnstorf

Da werden Narren neidisch

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„Ich würde lieber ohne Mikrofon sprechen“, meinte Heinz Fessel. Doch die etwa 60 Gäste wollten ihn laut hören, wenn er Erläuterungen zu den Bildern gab.

Von Simone Brauns-Bömermann . Was ist schöner, als gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen, Namen zu sortieren, Gesichter zuzuordnen und dabei ins Plaudern zu kommen? So geschehen am Dienstagabend im gut besuchten Ratssaal des Barnstorfer Rathauses. Etwa 60 Bürger waren gekommen, um sich von Hobbyfotograf Heinz Fessel ins Jahr 1990 entführen zu lassen. Damals feierte der Flecken Barnstorf sein 1100-jähriges Bestehen.

„Wir haben eine ganz Woche lang gefeiert“, erinnerte sich Fessel. Er und seine inzwischen verstorbene Ehefrau hatten damals nonstop fotografiert. Das sollte sich nun, gut 25 Jahre später, für die Öffentlichkeit auszahlen. Schön war es, wenn die Besucher im Ratssaal liebevoll schmunzelten über die vielen Veränderungen im Laufe der zweieinhalb Jahrezehnte. Etwas leiser wurden hingegen die Töne, wenn eine abgebildete Person nicht mehr lebte.

Für seinen Vortrag über die Festwoche hatte Fessel sechs Filme digitalisiert, vornehmlich mit Bildern von dem damaligen Festumzug, der durch den Ort bis zum Sportplatz führte, wo sich alle Wagen am Festzelt trafen. Beim Anblick der rund 180 Einzelbilder wurde schnell klar: „1100 Jahre hat nicht jeder Ort auf dem Buckel.“ Das hatten sich damals wohl auch die Vertreter der Gemeinde gedacht und etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Das Ergebnis war eine großartige Festwoche mit zahlreichen Aktivitäten und eben dem Festumzug, der auf kreative Weise mit mindestens 70 Wagen umgesetzt wurde.

Da konnte sogar das Narrenvolk neidisch werden. Einige Wagen fielen schöner und kreativer aus, als die des Kölner Karnevals, denn sie hatten kein kurzlebiges Motto, sondern lebten von einer engen Verbundenheit zum Flecken Barnstorf und den Nachbargemeinden. So manches Mal musste Fessel den Zeigefinger ruhen lassen, bevor er zum nächsten Bild weiter klickte. Oder wie Bibliothekarin Christiane Roth einwarf: „Herr Fessel, nehmen Sie doch bitte den Zoom!“ Gesagt, getan: Die bekannten Gesichter auf den Aufnahmen wurden noch näher herangeholt.

Im Kollektiv der Besucher klärten sich offene Fragen zu Personen, die man vielleicht auf den ersten Blick nicht gleich kannte. Das mag hier und dort auch an Frisuren und Kleidung gelegen haben. Schließlich war es eine Zeit, wo Bundfaltenhosen und Glockenröcke „in“ waren, Sporthosen noch recht knapp ausfielen und Shirts ordentlich in der Hose steckten.

Die ganze Samtgemeinde Barnstorf hatte sich damals präsentiert – von Firmen und Vereinen über Institutionen bis hin zur Verwaltung. Die Anzahl der Wagen zeigte sehr deutlich, auf wie vielen Vereine so eine Samtgemeinde schauen kann. Ob Fischerei- oder Reitvereine, Schützen- und Sportvereine, Landfrauen, Siedler, Kartenspieler, Pufferbäcker, Rotkreuzler, Viehvermarkter oder Jäger: Die Vielfalt war enorm. Ganz besonders hatte sich die Mitarbeiter aus dem Rathaus mit ihrem Wagen aufs Korn genommen: „Amtscircus“ stand in großen Lettern auf dem bunten Bauwagen. Die Erläuterung war einfach: „Lieber eine Verwaltung als gar keinen Circus“, meinten die mitmarschierenden Angestellten und Beamten.

„Ein Wahnsinn, was die da alles so auf die Beine gestellt haben. Es wurden keine Mühen und Kosten gescheut“, lautete ein Kommentar aus dem Publikum. Für die Besucher des kostenlosen Vortrages war die Arbeit von Fessel eine schöne Reise in die nahe Vergangenheit. Die „Erinnerungsschubladen“ wurden stimuliert. Was gäbe es wohl für Erzählstoff, wenn es weiter und weiter in die Geschichte zurückginge?

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