Volker Meyer mit Plakette des Nabu ausgezeichnet

„Hier sind Schwalben willkommen“

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Volker Meyer (links) freut sich sehr über die Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ vom Nabu-Ortsverein Barnstorf. Ludger Schomaker überreichte die Plakette „Hier sind Schwalben willkommen“.

Drebber- Von Simone Brauns-Bömermann. Volker Meyers gepflegter Garten mit Teich, Kirschbaum, akkurat geschnittener Feldahornhecke und Gartenlaube an der Hoopener Straße 36 in Drebber räumt mit einem Vorurteil auf: Tier- und Vogelfreundliche Grundstücke müssen nicht wild und „ungepflegt“ sein.

Am Hauseingang des passionierten Naturfreundes hängt demnächst die Plakette mit dem Schriftzug „Hier sind Schwalben willkommen“. Vorsitzender der Ortsgruppe des Nabu (Naturschutzbund) Barnstorf, Ludger Schomaker, überreichte Plakette und Urkunde bei einem Treffen in Meyers Zuhause.

„Meine Tochter hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man diese Plakette beantragen kann“, erzählt Volker Meyer, während die Hintergrundmusik das Zwitschern der Rauchschwalbenpaare ist, die bei ihm zur Untermiete wohnen. Als Ludger Schomaker ihm die Plakette zeigt, die im Zuge des Projektes „Schwalben willkommen“ – seit 2012 vom Nabu und der Bingo-Umweltstiftung gefördert – verliehen wird, sagt Meyer: „Das freut mich wirklich sehr, meine Arbeit wird so auch offiziell honoriert.“

Volker Meyer startet seinen Rundgang über das knapp 3000 Quadratmeter große Siedlungshausgrundstück mit zwei Nebengebäuden und tiefem Gartenstück zwischen Hoopener Straße und Im Poggenfleth. „Insgesamt brüten noch acht Rauchschwalbenpaare bei uns.“ Wo, das zeigen die eleganten Gleiter Schomaker selbst, wenn sie in die Nester unter der Traufe am Haupthaus, an den Giebel des Stallgebäudes oder in den Kellereingang segeln. Dann zeigt Volker Meyer im alten Schweinestall, der jetzt als Holzschuppen fungiert, einen eigenen Raum für ein Schwalbenpaar: „Die gleiten durchs offene Fenster und nisten hier ungestört“, so der Vogelfreund. Den kleinen Raum hat er mit Folie ausgelegt und lässt das Fenster einfach Tag und Nacht offen.

Kein Problem mit Kotflecken

Bei Familie Meyer sind die Vögel eben willkommen – auch, wenn sie Kotflecken auf Steinen hinterlassen. „Da spritze ich einmal mit dem Wasserschlauch rüber, dann stimmt es wieder“, sieht es Meyer: „Man bekommt doch so viel mehr durch die Anwesenheit der Tiere.“

Inzwischen ist der Rundgang im Gartenstück, was früher das Selbstversorger- oder Pottstück war, angelangt. „Auch an der Gartenlaube nistet ein Pärchen“ und in der Gartenlaube liegen die Bildabzüge des Naturfotografen. Makroaufnahmen von sich paarenden Regenwürmern, einer Schleiereule, Rehen am nahen Waldsaum, einem Turmfalken und natürlich unzählige von seinen Schwalbenfreunden. „Alle Bilder, die Sie hier sehen, habe ich vom Grundstück aus gemacht.“ Offensichtlich ist das Grundstück die Parkallee für Tiere. Gepflegt mit kurzem Rasen, geschnittener Hecke, blühend, bietet es Raum für Mensch und Tier nebeneinander. „In der Feldahorn-Hecke brüten Zaunkönig und Stieglitz. Ich passe immer auf mit dem Schneiden, nur außen, damit nichts an Dichtheit verloren geht“, erläutert der Hausherr. Und ein wenig Wehmut schwingt mit, wenn er an den Herbst denkt: „Dann sammeln sich alle meine Schwalben noch einmal auf dem First und weg sind sie gen Süden.“

„Man muss die Natur sehen“

Auf dem Grundstück leben noch eine Schleiereule, Teichmolche und allerlei anderes Kleingetier. Meyer hat eine pragmatische Antwort auf sein Engagement: „Man muss die Natur sehen, sonst sieht man nix“.

Aber auch er lebt im direkten Spannungsfeld zwischen intensiver Landwirtschaft und seinem Kleinod und Herz für Tiere. Gegenüber stehen industriell gezogene Kartoffelpflanzen in Monokultur. „Schaue ich aber Richtung Hunte-Waldsaum erblicke ich auch mal einen Eisvogel“, freut er sich.

Meyer liebt seinen Garten und seine Schwalben, ihn stört nichts an den Mitbewohnern, die das Ende des Winters verkünden und mit ihrem Gezwitscher gute Laune vermitteln. Jahrhunderte lang gehörten die Flugkünstler und Langstreckenzieher ganz selbstverständlich in jedes Dorf, auf jeden Bauernhof und in jede Stadt. Schwalben gelten als Kulturfolger und haben sich an die Menschen angepasst. Sie tauschten ihre ursprünglichen Brutplätze an felsigen Steilküsten gegen einen Platz im Stall oder an der Hauswand ein.

Der Nabu verfolgt mit der Vergabe der Plakette „Hier sind Schwalben willkommen“ und der Urkunde an die Hausbesitzer, die Schwalben an oder in ihrem Haus beherbergen zwei Ziele: Förderung der Akzeptanz für Schwalbenkolonien und den aktiven Artenschutz.

Bei Meyers finden die Schwalben auch nach ihrer Rückkehr aus Afrika im nächsten Jahr ihre Wohnungen wieder vor, das verspricht der naturverbundene Drebberaner.

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