Dr. Helmut Schröder berichtet in seinem Buch über seine Parkinson-Erkrankung

„In keinem Fall resignieren“

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Gemeinsam haben sie ein Buch geschrieben, das Betroffenen und ihren Angehörigen Mut machen soll: Dr. Helmut Schröder und seine Frau Tamara.

Barnstorf - Dr. Helmut Schröder ist 67 Jahre und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Langenhagen. Bis vor elf Jahren arbeitete er als Oberarzt an der dort ansässigen Klinik. Mit 49 Jahren bekam er die Diagnose Morbus Parkinson. Nun hat er ein Buch über sein Leben mit der unheilbaren Krankheit geschrieben, das er am Sonntag, 12. November, von 14 bis 16 Uhr im Rathaussaal in Barnstorf vorstellen wird. In einem Interview mit der Kreiszeitung schildert er unter anderem, wie es war, vom Arzt zum Patienten zu werden. Die Fragen stellte Julia Kreykenbohm.

Können Sie den Moment beschreiben, als Sie die Diagnose Parkinson bekamen? Was haben Sie gedacht beziehungsweise gefühlt?

Dr. Helmut Schröder: Da ich selber vom Fach bin, hatte ich schon sehr früh den Verdacht eines Morbus Parkinson mit linksseitigem Beginn. Die Alternative wäre ein Hirntumor gewesen, da war mir Parkinson doch noch etwas lieber. Aber es war trotzdem ein scheußliches Gefühl, an einer noch nicht heilbaren, degenerativen Krankheit des Zentralnervensystems zu leiden. Ich hatte typische unspezifische Frühsymptome wie Riechstörungen und vegetative Beschwerden. Schließlich kamen die Bewegungsstörungen dazu, wie Ungeschicklichkeiten mit der linken Hand.

Wie ging es nach der Diagnose weiter?

Schröder: Nach der Diagnose und Überwindung des ersten Schocks habe ich mit meinem Chefarzt gesprochen. Ich wurde schnell mit ihm einig, dass ich unter Erleichterungen meiner beruflichen Aufgaben dann noch fünf Jahre weiterarbeitete und dann in den Ruhestand gehen musste.

Wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert?

Schröder: Mein Leben hatte sich nach fünfzehn bis sechzehn Jahren Parkinson insofern völlig verändert, dass ich auf tägliche Hilfen im Alltag durch meine Frau angewiesen war, besondes in den sogenannten Off-Phasen, das sind unangenehme, reglose Zustände mit fast völliger Bewegungsunfähigkeit, bis hin zu sogenanntem „Freezing“, dem Einfrieren sämtlicher Bewegungen. Nachdem ich vor eineinhalb Jahren die Hirnsonde, den sogenannten Hirnschrittmacher bekommen habe, geht es mir erfreulicherweise deutlich besser. Ich bin wieder ganz selbständig und weitgehend unabhängig von meiner Frau geworden.

Sie wollen Menschen dazu motivieren, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Warum halten Sie das für wichtig?

Schröder: Selbsthilfegruppen sind sehr zu empfehlen, weil sie dort im Austausch mit Mitpatienten auf gegenseitiges Verständnis stoßen und Hilfen zur Bewältigung der Krankheit bekommen.

Was ist Ihre Botschaft für all die Menschen, die vielleicht gerade die Diagnose Parkinson bekommen haben?

Schröder: Meine Botschaft, gerade an Neuerkrankte ist: In keinem Fall resignieren! Es gibt immer wieder bessere Phasen und neue Möglichkeiten der Hilfe. Es ist eben eine Achterbahnfahrt. Das Buch habe ich mit meiner Frau gemeinsam geschrieben, sie hat ihre Perspektive als betreuende Ehefrau beschrieben.

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