Aktuelle Kernfrage im Sprachcamp für junge Flüchtlinge und Migranten

Heimat: Ein Ort oder ein Gefühl?

Barnstorf - Insgesamt 33 junge Menschen aus dem Landkreis Diepholz beteiligten sich am Oster-Sprachcamp, das zum zweiten Mal im Welthaus in Barnstorf stattfindet. Die Flüchtlinge und Migranten sind zwischen 14 und 19 Jahre alt, viele sind erst seit kurzem in Deutschland. In einem fremden Land, fern von ihrer Heimat. Aber was ist eigentlich Heimat? Dieser Frage gehen die Teilnehmer während ihrer zweiwöchigen Arbeit auf den Grund.

Bei der Suche nach Antworten waren auch die Bürger aus der Region gefragt, erklärt Michael Röder vom Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB), der das Sprachcamp in Barnstorf begleitet. Die Akteure wollten von den Einheimischen gerne wissen: „Was ist eigentlich für Sie Heimat? Was fällt Ihnen ein, wenn sie über Heimat nachdenken? Welche Erfahrungen sind Ihnen wichtig, wenn Sie über Heimat nachdenken?“

Im Sprachcamp wurde intensiv an diesem Thema gearbeitet. Mit verschiedenen Sprach- und Wortschatzübungen, Medien und Musik sowie Kunst und szenischem Spiel näherten sich die jungen Leute dem Begriff Heimat.

Dabei gab es die unterschiedlichsten Einflüsse, wie allein schon die vielen Herkunftssprachen zeigten. Ob Arabisch, Türkisch, Kurdisch, Tigrina, Farsi, Dari, Paschtun, Albanisch oder Rumänisch: Alle hatten das Ziel, sich mit der deutschen Sprache anzufreunden.

„Die deutsche Sprache zu lernen, ist der erste wichtige Schritt, sich in einem neuen Land zurecht zu finden“, weiß Röder. Aber es gebe so viele Fragen, die ebenfalls von Bedeutung seien in einer neuen Umgebung: „Wie gestalten wir die neuen Wege zwischen Verlust und Neuanfang? Was macht es mit uns, die wir unsere Heimat aufgeben mussten? Wie ist das, wenn die Integration schwierig ist? Was sind das für Gefühle, wenn die Sehnsucht das Ankommen überschattet?“

Immer mehr Menschen würden ihre Heimat verlassen, sei es aus politischen Gründen, wegen der Kriege und Katastrophen, aus wirtschaftlicher Not, für die Arbeit oder auch für die Liebe. Die Hoffnungen und Erwartungen an das neue Zuhause würden die Menschen immer mit sich tragen, stellt der VNB-Mitarbeiter fest. „Die jungen Geflüchteten erleben gerade, dass Terror, Fanatismus und brutale Gewalt sie auch in Europa einholt und ihr Ankommen stark beeinflusst. Auch darüber versuchen wir im Sprachcamp zu sprechen.“

Die einheimischen Bürger wurden aufgerufen, sich aktiv in das Projekt einzubringen. Sie konnten ihre Ideen und Vorstellungen zum Thema Heimat schreiben. „Wir freuen uns über viele Bilder und Texte, über Gedanken und Definitionen, und werden sie in unsere Arbeitsergebnisse einbinden“, sagte Röder.

Die Ergebnisse sollen in einer öffentlichen Abschlussveranstaltung am Sonnabend, 2. April, von 11 bis 13 Uhr im Welthaus präsentiert werden. Vielleicht gibt es dann in den abschließenden Gesprächen auch eine Antwort auf die Frage, ob Heimat ein Ort oder vielleicht eher ein Gefühl ist.

Rubriklistenbild: © dpa

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