Heike Schäfer und Udo Fink wohnen im 230 Jahre alten Keunecke-Haus

Bewahrer und Schützer eines „lebendigen“ Denkmals

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Heike Schäfer und Udo Fink sind seit über zwölf Jahren die Eigentümer des Grundstückes und Hauses am Fuße der St.-Veit-Kirche in Barnstorf. Katze Tinka ist immer dabei, ob in der Weinlaube mit Blick auf Kirche und Ortschaft oder als „Aufseherin“ bei Gästen.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. „Freude, Liebe, Leid, alles hat seine Zeit“ prangen die goldenen Buchstaben der noch vor wenigen Tagen erneuerten Balken-Inschrift am Giebel des Keunecke-Hauses an der Kirchstraße 14 in Barnstorf.

Von Freude und Liebe zu dem Gebäude konnten sich Besucher des ersten Hauses am Kirchvorplatz zu dessen „Geburtstag“ am Wochenende überzeugen. Ihnen strahlte ein Haus mit einer 230 Jahre langen Geschichte entgegen. Aber nicht nur das.

Der Grundriss ist zwischen den baugeschichtlichen Epochen von Rokoko und Klassizismus anzusiedeln. Die Eigentümer, die anlässlich des 230. Geburtstag ihres Hauses die Türen geöffnet und Führungen organisiert hatten, sind Heike Schäfer und Udo Fink. Sie sind seit zwölf Jahren „Kümmerer“, „Bewahrer“ und „Erneuerer“ der Immobilie.

In fast jedem Poesie-Album findet sich der Eintrag: „In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken“. Beim Keunecke-Haus ist das untertrieben. Der Segensspruch bezieht sich auf Zweidimensionalität. Heike Schäfer und Udo Fink nehmen ihre Aufgabe aber mit Blick auf umbauten Raum – also dreidimensional – sehr ernst.

Die Besucher finden Liebe in acht Ecken eines jeden Raumes, im Keller oder auf dem Dachboden. Neue Räume zum Wohlfühlen erfanden die Eigentümer zudem: Den Außenraum „Weinlaube“ mit Blick auf die Kirche, den kleinen Sitzplatz vor dem Giebel mit Bank und Tisch zwischen Blumen, Sträuchern, hängenden kleinen Gärten, Gartengeschirren und Obst.

Im dem Fachwerkhaus findet das wahre Leben statt, eng, dicht an dicht – damit sind die Menschen und die Kommunikation gemeint.

Auf die Frage: „Wie haben sie das Haus gefunden?“, antwortet Heike Schäfer: „Es fand mich. Über die Syker Zeitung bei Freunden“.

Dann habe die kreative Frau ihre Bank gefragt, ob bei dem Kaufpreis eine Null vergessen worden sei. Nein, aber die „Null“ habe sie zur Renovierung benötigt.

Heute lädt das Haus, das wie das wunderbarste Ende einer Sackgasse mit seinem gerade erst grundsaniertem Giebel die Besucher anschaut, zu Bed-and-Breakfast, zu Teestunden und Kaffeerunden bei selbstgebackenen Kuchen ein.

Beschreitet man den ansteigenden Weg zur St.-Veit-Kirche, hält man inne, wird wie durch Zauberhand langsamer und bestaunt das Gebäude und sein Umfeld.

Längst beschränken sich die kreativen Gedanken und die flinken Hände von Heike Schäfer, die die Ideen umsetzen, nicht mehr auf das eigene Grundstück. „Ich möchte alles harmonisch herrichten, auch für andere Mitmenschen.“ Und so wachsen inzwischen Bohnen, Äpfel und Blumen auf dem kleinen Dreieck am Kirchparkplatz.

Das alte Keunecke-Haus verdient den Begriff „Zuhause“. Auf kleinstem Raum und originalem Grundriss von 1784 richtete sich das Paar aus Delmenhorst ein. Den meisten Platz bietet es seinen Gästen.

Da gibt es das Café im Untergeschoss mit Jugendstilsofa und Erker mit „Uitkiek“ und das Gästezimmer im Obergeschoss mit eigenem Bad. Wer einmal hier genächtigt hat, hat eine Weltreise angetreten in nur einer Nacht. Von England über Skandinavien bis nach Marokko mutet die muntere Mischung der Ausstattung und Einrichtung an. Eine Mischung so echt wie das wahre Leben. Mittendrin wohnen Heike und Udo. Die lernten sich vor 15 Jahren in Harpstedt kennen, als Udo Fink die Museumseisenbahn fuhr und Heike Schäfer das Schienencafé leitete.

Die Art und Weise, wie sie in Barnstorf das Keunecke-Haus (über das wir am Freitag berichteten) saniert und umgebaut haben, lässt wohl jeden Denkmalpfleger aufjuchzen: Mit Blick auf Tradition, aber dennoch zeitgemäß und immer dezent.

Das Haus ist ein einziges großes Detail, alles fügt sich zusammen, wie für einander bestimmt, Relikte aus anderen Zeiten leben nebeneinander und werden von den Hauseigentümern gepflegt.

Heike Schäfer: „Letztes Jahr haben wir uns bei dem Fernsehformat ,Mieten, kaufen, wohnen‘ als schönstes Haus Deutschlands beworben“. Dazu hat sie bereits Antwort: Sie sind in der Auswahl.

Heike Schäfer ist eine Abenteurerin mit Realitätsbezug. Ihr Opa war schon kreativ, einer ihrer Söhne ist es auch. „Opa war Gärtner bei Kaiser Wilhelm, von ihm habe ich wohl den Tatendrang.“ Bei ihr scheint der Tag auch 24 Stunden zu haben, um zu malern, dekorieren, aufzuarbeiten, einzukochen, zu backen, Pläne für Reisen zu schmieden.

Zu den Reisen gehörten vier Wochen Sri Lanka fernab der Nobelhotels und ein 3500-Kilometer-Trip von Barnstorf nach Monte Carlo im VW Käfer von 1962 mit Koffer auf dem Dach.

Nächstes Jahr möchte das Paar mit dem Käfer den Norden erkunden, dann hat das Café zeitweilig geschlossen. Wenn das außergewöhnliche Paar wieder da ist, sind die Ideen mit zurückgereist.

Dann heißt es wieder: Anpacken, irgendetwas ist immer zu tun im Keunecke-Haus, dem Haus mit Charakter.

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