Hausratversicherung noch nicht in Kraft

Hausbrand kurz vorm Umzug: „Das geht total ans Herz“

Trauriges Bild: Der Brand hat nicht mehr viel von Aarons Kinderzimmer übrig gelassen. - Foto: Sainio
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Trauriges Bild: Der Brand hat nicht mehr viel von Aarons Kinderzimmer übrig gelassen.

Barnstorf - Von Sven Reckmann. Diesen Abend im November wird die Familie Mallwitz-Sainio nie vergessen. Als zu später Stunde zwei Polizistinnen vor der Tür ihrer Wohnung in Drebber stehen und ihr eröffnet, dass es brennt. Ihr Haus. Das Haus an der Memeler Straße in Barnstorf. Das sie gerade erst gekauft und renoviert hatte, das Haus, in das sie in wenigen Tagen einziehen wollte. In das die Familie schon so viel ihrer Energie und Zeit gesteckt und auf das sie sich so gefreut hatte. Alles geht an diesem Abend in Flammen auf, ausgelöst durch einen technischen Defekt.

Sie werden in dieser Nacht nicht mehr nach Barnstorf fahren, zur Brandstelle, die Polizistinnen raten ihnen davon ab. „So eine Nachricht zu begreifen, ist ganz schwer“, erinnert sich Kari Sainio. „Man denkt sich, nein, das kann nicht sein!“

Am nächsten Tag wird das Ausmaß deutlich, sowohl der Brand selbst als auch das Löschwasser hatten fast alles zerstört, was die Familie schon im Haus untergebracht hatte. Mehrere Sofas, Küchengeräte, Waschmaschine. Gut eine Woche später, mit offiziellem Einzug in das Haus, wäre die Hausratversicherung gültig gewesen. Am Brandtag noch nicht, doch das Haus war zu großen Teilen bereits eingerichtet.

Besonders schwer ist es für den Sohn Aaron. Der Zehnjährige verliert seine Möbel, seine Bücher, sein Spielzeug, viele seiner Erinnerungen. Für ihn ein besonderer Schicksalsschlag, denn vieles in seinem Zimmer erinnerte ihn an seine Heimat Finnland und an seine dort zurückgelassenen Freunde. Erst vor etwas über einem Jahr war er mit seinem Vater nach Deutschland gekommen.

„Seid froh, dass ihr noch nicht eingezogen wart“

Aus den Legos ist nur noch ein Plastikklumpen übrig geblieben. Das Schild „Rumpelkammer, Augen zu und durch!“ hat auf bittere Weise eine ganz neue Aussage bekommen. „Zwei Kissen haben überlebt“, erzählt der Schüler. Und ganz wichtig: Sein liebstes Stofftier, „Robby“, war in der Brandnacht in Sicherheit in Drebber.

Vor Aaron auf dem Tisch steht eine Art Puzzlehaus, das in eine Hand passt. Er nimmt das Dach ab, „so sieht unser Haus jetzt aus.“ Und er setzt es in Sekundenschnelle wieder drauf. Wenn es doch alles nur so schnell und einfach ginge!

„Seid froh, dass ihr noch nicht eingezogen wart“, das hören sie in diesen Tagen oft. Und Kari Sainio nickt dann schweigend.

Aber dieses ist nicht nur die Geschichte eines schweren Schicksalsschlages. Denn die Familie hat in diesen Tagen ganz eindrucksvoll erfahren, dass sie nicht allein steht. „Wir haben eine Welle der Hilfsbereitschaft erlebt“, erzählt Petra Mallwitz-Sainio gerührt und ist den Tränen nahe.

Vielfache Hilfe und Spenden

Angefangen mit den Einsatzkräften aus der Brandnacht, den Ehrenamtlichen, die in stundenlanger Arbeit alles dafür gaben, den Schaden einzudämmen. „Die Samtgemeinde hat reagiert, es kamen Mitarbeiter des Bauhofs und haben geholfen, die Kollegen waren sofort da“, erinnert sich Petra Mallwitz-Sainio.

Manchmal war es nur eine stille Umarmung und das Zeichen: „Wir sind da, wenn ihr uns braucht.“ „Das tat so gut, das geht total ans Herz.“ Menschen, mit denen Petra Mallwitz-Sainio als Koordinatorin der Flüchtlingsarbeit im „Casino Interkulturell“ zusammenarbeitet oder zusammengearbeitet hat, kamen zur Brandruine und boten ihre Hilfe an: „Ihr habt hier bestimmt was zu tun.“ Der Familie wurde sogar eine neue Wohnung angeboten. Glücklicherweise war die bisherige Wohnung in Drebber noch nicht wieder vermietet, so dass die Familie dort weiterleben kann, bis das neue Haus wieder bezugsfertig ist.

Aaron sortiert Bücher und Spielsachen ein, die er nach dem Brand unter anderem von seinen Klassenkameraden bekommen hat. Der Zehnjährige ist dafür sehr dankbar.

Eine große Welle der Hilfsbereitschaft ging auch von Aarons Schule aus, der Grundschule Eydelstedt. „Irgendwas müssen wir machen, und zwar sofort“, war die erste Reaktion von Elternvertreterin Sarah Steinemann. Die Mitschüler zögerten nicht, gaben Aaron zum Teil liebgewonnenes Spielzeug. „Jeder hatte irgendwas beizusteuern. Alle hat das so mitgenommen“, berichtete Steinemann, „und sie haben ihm gesagt, mir tut das so leid.“

Aber das sollte noch nicht alles sein. Steinemann sprach Firmen, Geschäfte und Organisationen in Barnstorf und Umgebung an, ob sie der Familie helfen können, und sie rannte die sprichwörtlichen offenen Türen ein. Bekleidungsgeschäfte, Restaurants, Frisöre, Buchläden, ein Möbelhaus – überall gab es die Bereitschaft, beispielsweise in Form von Gutscheinen, der Familie zu helfen. Die Kirche war mit dabei. Ein Reiseunternehmen spendierte der Familie eine Tagesfahrt nach Amsterdam, um für einige Stunden mal den Kopf freizukriegen. Und viele Privatleute spendeten.

Als sie dies erzählt, kommen Petra Mallwitz-Sainio wieder die Tränen. Sie weiß, dass diese Aufzählung noch unvollständig ist; es haben noch so viele Menschen aus der Region mitgeholfen – bekannte und unbekannte. „Wir wollen uns bedanken“, sagt Petra Mallwitz-Sainio immer wieder.

Die Familie habe gemerkt, dass sie nicht allein ist. Und auch Aaron erzählt, wie dankbar er ist, „dass alle uns geholfen haben.“

Dass Menschen solidarisch zusammenstehen in schweren Zeiten, das ist eine gute Erkenntnis aus der schlimmen Brandnacht vom November.

Spendenaktion im Internet

Familie Mallwitz-Sainio hofft, dass ihr Haus, das vollständig neu aufgebaut werden muss, spätestens Anfang 2020 wieder bewohnbar sein wird. Spätestens dann müssen Möbel, Herd, Waschmaschine und weitere Dinge angeschafft werden.

Die Familie ist sehr dankbar für bereits erhaltene Unterstützung (Kleidung, Spielzeug, Bücher, anteilnehmende Worte...). Wer ebenfalls helfen möchte, kann im Internet auf der Seite www.gofundme.com weitere Informationen erhalten. Dazu dort den Suchbegriff „Barnstorf“ eingeben.

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