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Barnstorf: Tipps zum Berufseinstieg für ukrainische Flüchtlinge

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Von: Jannick Ripking

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Reger Austausch nach dem Vortrag: Die Teilnehmer – sowohl Unterstützer als auch Flüchtlinge – sprechen miteinander über Möglichkeiten, an Arbeit zu kommen.
Reger Austausch nach dem Vortrag: Die Teilnehmer – sowohl Unterstützer als auch Flüchtlinge – sprechen miteinander über Möglichkeiten, an Arbeit zu kommen. © Jannick Ripking

Marie Vehring ist Personalberaterin. In Barnstorf hat sie ukrainischen Flüchtlingen Tipps gegeben, wie diese in Deutschland in einen Beruf einsteigen können.

Barnstorf – Im Beruf gibt es „Häuptlinge“ und „Indianer“. Marie Vehring hat diese Metapher genutzt, um ukrainischen Flüchtlingen in Barnstorf den deutschen Arbeitsmarkt einfach zu erklären. Die Personalberaterin aus Eydelstedt war ins katholische Pfarrhaus gekommen, um Tipps für den Arbeitseinstieg in Deutschland zu geben.

Klaus-Joachim Schmelz organisierte das Zusammentreffen. Annähernd zehn Ukrainerinnen waren – teilweise in Begleitung – gekommen, darunter auch eine Juristin. Sie alle hörten zu, stellten Fragen, wollten wissen, wie sie an Arbeit in der Region kommen können. Und sie kamen im Anschluss noch ins Gespräch mit Unterstützern aus Deutschland. Rudolf Fries vermittelte ehrenamtlich als Dolmetscher.

„Den größten Bedarf gibt es an den Indianern“, erklärte Vehring. „Davon gibt es am meisten, die werden am meisten gesucht.“ Die „Indianer“ seien, so die 32-Jährige, Produktionsmitarbeiter, Maschinenführer, Handwerker, Pfleger Gesellen oder Sachbearbeiter. Die „Häuptlinge“ – Führungskräfte und Firmenchefs – seien insbesondere auf der Suche nach Arbeitern, die langfristig im Unternehmen bleiben können und wollen. Außerdem sei die Sprache wichtig. Vehring: „Lesen und Reden sind das A und O.“ Daher werde es in wenigen Wochen Sprachkurse für Erwachsene geben, kündigte Schmelz an.

Der Lebenslauf ist das Allerwichtigste. Das Zeugnis ist in diesem Fall eher zweitrangig. Deswegen sollte der Lebenslauf so ausführlich wie möglich sein. Der darf dann auch gerne zwei oder drei Seiten lang sein.

Marie Vehring

Um einen deutschen Betrieb aber erst einmal auf sich aufmerksam zu machen, müsse ein jeder sich bewerben. „Am besten per E-Mail, das ist heutzutage einfach so“, erläuterte Marie Vehring. Und bereits in dieses Anschreiben sollten Flüchtlinge, die Arbeit suchen, direkt formlos möglichst viele Informationen für den potenziellen Arbeitgeber platzieren. „Habe ich einen Führerschein? Wie sind meine Computerkenntnisse? Alles reinschreiben“, meint die Personalberaterin.

Doch eines stehe über allem: „Der Lebenslauf ist das Allerwichtigste. Das Zeugnis ist in diesem Fall eher zweitrangig.“ Zumal einige Flüchtlinge nicht immer auf Anhieb ein anerkanntes Zeugnis vorweisen könnten. „Deswegen sollte der Lebenslauf so ausführlich wie möglich sein. Der darf dann auch gerne zwei oder drei Seiten lang sein“, sagt Vehring. Dazu gehöre auch, alle Tätigkeiten, denen der Bewerber oder die Bewerberin schon nachgegangen ist, anzugeben. „Das geht auch auf Englisch“, berichtet sie aus eigener Erfahrung mit Kunden. Mittelfristig sollten arbeitssuchende Ukrainer allerdings ihr Zeugnis beglaubigen lassen und nachreichen.

Außerdem ermutigt Vehring Flüchtlinge, nicht aufzugeben, wenn keine Antwort auf eine Bewerbung kommt. „Nach zwei Wochen einfach nochmal nachhaken“, sagt sie. „Gerne auch ein Probearbeiten anbieten.“ Das solle aber nie länger als zwei bis drei Tage dauern: „Nicht ausnutzen lassen.“ Hinzu komme, dass auch die Arbeitgeber teilweise unsicher seien. „Einige wissen auch gar nicht, wie lange Ukrainer überhaupt in Deutschland arbeiten dürfen“, meint die Personalberaterin. Deswegen sei es am besten, „wenn diese Infos auch auf den ersten Blick in der Bewerbungs-E-Mail zu sehen sind“.

Als es zum Schluss um das Thema Bezahlung ging, erzählte Vehring von verschiedenen Berufszweigen in der Region. Und sie erklärte, dass in einigen Unternehmen Schichtarbeit angeboten werde. „Wer bereit ist, nachts zu arbeiten, der kann mehr Geld verdienen“, sagte sie. „Da gibt es einen Zuschlag.

Vehring verwies auch auf die Internetseite www.jobboerse.arbeitsagentur.de. „Diese Seite ist für die meisten Berufe in der Region die beste Anlaufstelle“, meinte sie. Klaus-Joachim Schmelz ergänzte: Akademiker können sich auch an Universitäten wenden. Vechta, Osnabrück und Bremen sind die nächsten von hier.“

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