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Große Chance für „Hokuspokus“: Barnstorfer Unternehmer gehen mit Algenfarm einen neuen Weg

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Von: Janin Meyer

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Die zwei Barnstorfer betreiben seit September ihre Algenfarm: Marius Kinkhorst und Marco Nordmann vor einem der Becken mit Erntemaschine und dem getrockneten Produkt nach der Ernte.
Die zwei Barnstorfer betreiben seit September ihre Algenfarm: Marius Kinkhorst und Marco Nordmann vor einem der Becken mit Erntemaschine und dem getrockneten Produkt nach der Ernte. © Janin Meyer

Marius Kinkhorst und Marco Nordmann züchten in Barnstorf Algen. Damit gehören sie in Niedersachsen zu Pionieren auf dem Gebiet.

Barnstorf – Wenn Marius Kinkhorst und Marco Nordmann ihre Farm betreten, lüften sie zunächst einmal ordentlich durch. „Hier drin werden es ganz schnell bis zu 60 Grad Celsius“, erklärt Nordmann. Mit seinem Nachbarn Kinkhorst betreibt er seit vergangenem Herbst eine Algenfarm in einem 5 000 Quadratmeter großen Gewächshaus in Barnstorf.

Die Anlage der beiden Männer ist eine von zwei im Betrieb befindlichen Farmen der Deutschen Algen Genossenschaft (DAG) in Niedersachsen. Die Algen werden unter anderem zu „Superfood“ weiterverarbeitet. Insgesamt sind der DAG elf Betriebe im Norden Deutschlands angeschlossen, die bereits produzieren.

Der Start war bei den Barnstorfern zunächst holprig. „Eigentlich wollten wir im vergangenen Jahr zwei Tonnen Ernte einfahren. Daraus wurden nur 480 Kilogramm“, erinnert sich Kinkhorst. Grund dafür sei die verspätete Fertigstellung des Gewächshauses aufgrund von Lieferschwierigkeiten gewesen. Statt im Mai nahm die Anlage erst im September den Betrieb auf.

„Die Inbetriebnahme war deutlich unspektakulärer, als wir uns das vorgestellt hatten“, erinnert sich Nordmann. Vertreter von der DAG seien mit zwei Maurerkübeln erschienen, in denen sich Plastiktüten mit Algen befanden. „Die haben sie in zwei unserer Becken gekippt, wir haben die Blubber angestellt – das war‘s“, meint Kinkhorst mit einem Lachen. Da sei ihnen etwas mulmig zumute gewesen. Schließlich steckte jede Menge Arbeit und Geld im Aufbau der Anlage. „Schon eine Stunde später konnte man sehen, wie sich das gesamte Wasser grünlich färbte“, erzählt Kinkhorst.

Nach und nach konnten die beiden Unternehmer vier weitere Becken mit ihrem Algenbestand „animpfen“, sodass jetzt sechs Becken in Betrieb sind. Insgesamt zehn Stück befinden sich in dem Gewächshaus hinter dem Barku-Gelände. Jedes fasst 75 000 Liter Wasser.

„Die Algen benötigen zum Wachsen vor allem Sonnenlicht“, erklärt Nordmann. „Im Prinzip genauso, wie die Algen im Gartenteich“, fügt er hinzu. Das Gewächshaus schützt die Becken vor Verunreinigung. Regelmäßig fahren die „Blubber“ durch die Becken, die durch die Zugabe von Sauerstoff die Algen immer wieder durchwirbeln. „Ansonsten würde die obere Schicht anfangen, zu trocknen. Außerdem werfen die Algen Schatten. Das ist nicht gut für das Wachstum“, sagt Nordmann.

Ganz fertig ist die Anlage der Barnstorfer noch nicht. „Wie so oft mangelt es an Teilen“, sagt Nordmann. Geplant ist, dass die Ernte der Algen voll automatisch vonstattengehen kann. „Über ein Rohrleitungssystem gelangen die abgepumpten Algen dann zur Erntemaschine“, blickt Nordmann voraus. Momentan müssen die beiden Unternehmer die Erntemaschinen noch von Becken zu Becken bewegen. „Daher ernten wir nur einmal pro Woche jeweils etwa acht Stunden pro Becken. Mit einer Automatisierung wäre eine tägliche Ernte von etwa zwei Stunden bei jedem Becken möglich. Das würde den Ertrag steigern“, meint Nordmann. Das Ziel seien fünf Tonnen Jahresernte, wenn alle zehn Becken in Betrieb sind. „Momentan läuft es gut“, sagt Nordmann. Er blickt schon gespannt auf die kommende Woche. „Bei dem angesagten sonnigen Wetter erwarten wir eine gute Ernte“, betont er.

Aber wie kommen zwei junge Männer auf die Idee, Algen anzubauen? „Die Schwiegereltern meines Arbeitskollegen sind quasi Pioniere in der Algenbranche“, berichtet Nordmann. Das habe den selbstständigen Unternehmer beeindruckt. „Da ich kein privilegierter Landwirt bin, konnte ich keine Genehmigung für eine Anlage erlangen. So kam Kinkhorst ins Spiel. Der hatte zunächst überhaupt kein Interesse. „Etwas Neues auf die Beine stellen wollte ich allerdings schon länger“, sagt er. Also willigte er der Besichtigung einer Algenfarm ein. „Und ich fand es megageil“, erinnert sich Kinkhorst. Das war im November 2020. Mittlerweile sind die beiden Unternehmer bereits so weit, dass sie eine Mitarbeiterin beschäftigen können. Stephanie Freye hilft als geringfügig Beschäftigte bei der Ernte.

„Algen beinhalten alles, was der Körper braucht. Sie sind voll von Eisen, wirken entzündungshemmend und sind gut für die Darmgesundheit“, zählt Nordmann auf. Er selbst habe anfangs nicht an den „Hokuspokus“ geglaubt. Dies habe sich durch eigene Erfahrungen aber geändert. „Wir glauben daran, dass das jetzt eine große Chance für uns ist“, betont Kinkhorst.

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