„Grammophon & Schellack“ entfachen die Stimmung der 20er und 30er Jahre

Frech, frivol und zweideutig

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Jano Blase, hier am Akkordeon, ist vielen Barnstorfer durch seine Auftritte bekannt.

Barntorf - Von Simone Brauns-Bömermann - Grammophon? Schellack? Frollein baden sehen? Waden gesehen? Was damit genau gemeint war, wusste oder lernte das Publikum am Sonntagabend im Barnstorfer Ratssaal. Zu Gast war das Quartett „Grammophon & Schellack“, das nicht zum ersten Mal seine Visitenkarte im Hunte-Flecken abgab.

„Wir haben es gewagt, trotz der vollen Schubladen mit Liebesbriefen der Damen und der Drohungen der Herren, ein drittes Mal nach Barnstorf zu kommen“, ulkte der hochgewachsene Sänger Stan Hemken, der ebenso wie seine drei Mitstreiter mit Frack und Zylinder die Bühne betrat.

Schon der Kleidungsstil ließ erahnen, dass es sich hier um vier Liebhaber der unvergesslichen Musik aus den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts handelte, also rein rechnerisch bereits etwa 100 Jahre her. Damals war die Musik in den Clubs der großen Metropolen wie Berlin und Hamburg frivol und frech, eindeutig zweideutig.

Nun, der Ratssaal in Barnstorf ist nicht gerade ein „Ballroom“ à la Friedrichstadtpalast. Doch auch das gehört zu „Grammophon & Schellack“. Ebenso wie die dezidierte Sprache, die exakt korrekt, nasal und galant, vor allen den Damen gegenüber daher kam. Die Musiker waren bei ihrem Konzert plötzlich mitten in den Reihen der etwa 100 Besucher. Hier gab es einen Handkuss, dort ein gut platziertes Kompliment.

Mit ihrem Auftritt erinnerte das Quartett an die gute alte Zeit, wie schön sie war, wie höflich, wie frech und frivol zugleich. Damals war das Ausgehen noch ein echtes Event. Die Damen schmückten sich mit Federboas, während die Herren der Schöpfung im schwarz-weißen Outfit aus dem Haus gingen. Damals wurden die intimsten Wünsche nicht einfach vom Computer geladen oder in der Videothek ausgeliehen, sondern in verklausulierte Verse verpackt, so dass sie doch irgendwie jeder verstehen konnte.

Wenn Liebesaktivitäten mit Songs wie „Wochenend und Sonnenschein“ beschrieben werden, wenn der Herr davon singen kann, „ich hab das Fräulein Helene baden sehn“, oder sich der Jüngling im Frühling eine anlacht und dann beide am „Busen der Natur“ liegen, dann sind „Grammophon & Schellack“ in ihrem Element. Und Lieder mit intimen Hintergründen trauten sich die vier Musiker auch: „Was will der Mann da auf der Veranda bei Elsbeth um zehn? Der will doch nicht, Gott behüt, Kakteen begießn oder mit dem Revolver schießen?“. Das wäre in Deutsch schon eine echte Interpretation wert.

Klaus Heuermann (Violine), Jano Blase (Akkordeon), Stephan Werner (Kontrabass) und Stan Hemken (Gesang) katapultierten die Lebensfreude der „Golden Twenties“ mit Glamour, Glanz und Gloria in den Ratssaal. Sie verbanden ihre Gassenhauer und Chansons mit netten Anekdoten und packten das Publikum in seiner Erinnerung. Ein wenig Tiefsinn gehörte dazu, zum Beispiel als sich Stan Hemken fragte: „Leichtsinn kommt das von Sinn für das Leichte?“. Er wusste, dass Schwermut den Deutschen allgemein leichter fällt, aber warum braucht man Mut für das Schwere und den Sinn für das Leichte? Die Lieder gaben zum Teil die Antworten.

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