Schnelles Internet im neuen Baugebiet

Glasfaser führt direkt ins Haus

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Wirtschaftsförderer Thorsten Kuhlmann bemüht sich um den Breitbandausbau in der Samtgemeinde Barnstorf. Doch Netzanbieter halten sich in der ländlichen Region zurück. Eine Alternative für kleinere Ortsteile könnte ein Richfunk vom Turm im Hülsmeyer-Park sein.

Barnstorf - Auf der Straße herrscht Verkehrsberuhigung, doch unter den Pflastersteinen gilt Höchstgeschwindigkeit: Das neue Baugebiet „Vor dem Walsen“ in Barnstorf wird direkt an die Datenautobahn angeschlossen. „Glasfaser bis ins Haus“, verspricht die Deutsche Telekom AG. Die Nachricht des Telekommunikationsanbieters dürfte die künftigen Häuslebauer freuen. Sie können bei der Internet-Nutzung mit Übertragungsraten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) rechnen. Ein Spitzenwert in der Samtgemeinde Barnstorf!

„Das ist nicht ganz selbstverständlich“, sagt Wirtschaftsförderer Thorsten Kuhlmann, der sich seit Jahren um bessere Übertragungsgeschwindigkeiten bemüht. Kein leichtes Unterfangen, denn gerade im ländlichen Raum hinkt der bundesweit angestrebte Ausbau des Breitbandnetzes stark hinterher. Da sei die aktuelle Zusage der Telekom schon ein Lichtblick, so Kuhlmann. Die Haushalte im Baugebiet bekämen beste Online-Möglichkeiten für die Zukunft, ohne dass dadurch zusätzliche Kosten entstünden.

Wie Telekom-Sprecherin Stefanie Halle auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt, wird das Neubaugebiet mit dem Dienst „Fibre to The Home“ (FTTH) ausgebaut. Dabei endet die Glasfaserleitung nicht mehr am Verteilerkasten auf dem Bürgersteig oder im Keller des Hauses, sondern wird bis in die Wohnung geführt. „Das Angebot bedeutet aber nicht, dass wir auch für den Rest des Wohngebietes Walsen zeitnah einen Ausbau bekommen. Dazu werden noch Gespräche geführt“, so Kuhlmann.

Erklärtes Ziel der Kommune ist es, auch andere Bereiche mit schnellerem Internet zu versorgen. Dank Kabelanschluss verfügen zwar einige Haushalte im Barnstorfer Ortskern über eine vernünftige Bandbreite. Aber es sind eben nur einige Straßenzüge, in denen Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 bis 100 Mbit/s möglich sind. In Randlagen des Hunte-Fleckens ist die Situation schlechter. Ganz zu schweigen von kleinen Ortsteilen in der Samtgemeinde.

Orte wie Donstorf oder Dörpel sind zurzeit nur über LTE-Technik versorgt. Dort kommt von den Kabelverzweigern teilweise kaum noch etwas in den Haushalten an. „Das macht sich vor allem in Hauptstoßzeiten bemerkbar. Je mehr Nutzer auf die Funktechnik zugreifen, desto geringer ist die Leistung für den Einzelnen“, weiß Kuhlmann aus Gesprächen mit Privatleuten und auch Unternehmern. Es gebe zunehmend Anfragen aus der Bevölkerung, der Bedarf sei groß. „Wir versuchen das Bestmögliche herauszuholen, aber das ist nicht so einfach“, sagt der Wirtschaftsförderer.

Aus wirtschaftlichen Gründen konzentrieren sich Netzanbieter beim Breitbandausbau eher auf Ballungsräume als auf dünn besiedelte Gebiete. Da bildet das aktuelle Engagement in Drentwede eine Ausnahme. Dort werde die Telekom in diesem Jahr das Neubaugebiet am Mühlenweg mit der so genannten Vectoring-Technik ausbauen, berichtet Pressesprecherin Halle. Mit der Netztechnologie kann der Datendurchsatz auf bereits bestehenden Kupferleitungen mit vergleichsweise geringem Aufwand verdoppelt werden. Das Unternehmen verspricht hier bis zu 100 Mbit/s.

Soll sich etwas ändern, ist Eigeninitiative gefragt. In der Samtgemeinde Barnstorf hat es in den vergangenen Jahren bereits mehrere Anläufe gegeben, um den Breitbandausbau voranzutreiben. Allerdings ohne den erhofften Erfolg. Ein Gemeinschaftsprojekt mit weiteren Kommunen im Südkreis ist vorerst gescheitert. Auf Kreisebene läuft zwar eine flächendeckende Infrastrukturplanung, doch mit umsetzbaren Lösungen ist auch hier kurzfristig nicht zu rechnen.

Kostenintensiv sind vor allem die Erdarbeiten, die für einen Breitbandausbau notwendig sind. Aus diesem Grund gibt es nun die Überlegung, ein bereits vorhandenes Glasfaserkabel zu nutzen, das beim Bau der Norddeutschen Erdgasleitung (NEL) verlegt worden ist. „Wir führen hier Gespräche“, berichtet Kuhlmann. Ziel sei es, die Leitung in Neu-Eydelstedt „anzuzapfen“ und ein Kabel bis zum Hülsmeyer-Park zu legen. Vom dortigen Funkmast könnten dann Kabelverzweiger per Richtfunk in einem Umkreis von etwa 15 Kilometern angesteuert werden, was die Datenübetragung erheblich verbessern würde.

Unabhängig davon hat die Verwaltung zu Beginn dieses Jahres ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt, um Netzanbieter für ein Engagement im Hülsmeyer-Park und weiteren Gewerbegebieten zu gewinnen. Schließlich ist eine schnelle Datenübertragung ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen. „Angebote liegen vor und werden jetzt geprüft“, berichtet der Wirtschaftsförderer. Für den Breitbandausbau wäre eine finanzielle Förderung möglich. Das Land übernehme 50 Prozent der Kosten. Allerdings bleibe immer noch ein erheblicher Betrag für die Kommune. Darüber müsse die Politik entscheiden.

sp

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