Hilfe in Barnstorf

MGH bietet Hilfe bei Lese, Schreib- und Rechenschwäche

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Wollen Menschen mit Lese, Schreib- und Rechenschwäche vermittelnd zur Seite stehen: Mehrgenerationenhaus-Leiterin Christine Trenkamp (r.) und ihre Kollegin Petra Mallwitz-Sainio.

Barnstorf - Die Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Menschen in der Region. Die Förderung eines ganzheitlichen Gesundheitsbegriffs ist ein Hauptanliegen und spiegelt sich in vielen Angeboten wieder.

Nun bietet der Verein unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses in Barnstorf einen weiteren Sonderschwerpunkt an: Hilfe bei Lese, Schreib- und Rechenschwäche.

Einrichtungsleiterin Christine Trenkamp kann auf die Unterstützung von Petra Mallwitz-Sainio bauen, die bereits als Koordinatorin für Flüchtlingshilfe in Diensten des Igel steht und bei dem neuen Angebot auch ganz persönliche Erfahrungen einbringen kann. Mehr als 20 Jahre hat Mallwitz-Sainio im Ausland gelebt. Während dieser Zeit konnte sie ihren Beruf und Alltag anfänglich nicht völlig eigenständig organisieren, denn ihr fehlten schlichtweg ausreichende Schreib- und Lesefähigkeiten.

„Ich vermied Situationen, in denen ich hätte schreiben müssen“, schildert Mallwitz-Sainio ihre eigenen Erfahrungen. „Mehr als fünf Jahre musste ich mich durchschummeln und war stark auf Hilfe und Verständnis anderer angewiesen. Ich konnte anfänglich weder ausreichend schreiben noch lesen, so wie andere und vor allem ich selbst es von mir erwarteten“, erinnert sich die gebürtige Bremerin.

Viele Leute sind betroffen

Was ihre Kollegin im Ausland erlebt hat, erfahren auch viele Deutsche im eigenen Land, so Trenkamp. Eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung durchgeführte Studie aus dem Jahr 2011 zeige, dass siebeneinhalb Millionen Menschen sogenannte „Funktionale Analphabeten“ seien. 

Dies bedeutet: 14,5 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen im erwerbsfähigen Alter weisen eine Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche auf. „Der Glaube, all diese Menschen haben Zuwanderungsgeschichte oder sprechen von Haus aus eine andere Sprache, irrt: Knapp 60 Prozent dieses Personenkreises hat Deutsch als Muttersprache“, so Trenkamp.

Mit dem Ziel, den „Funktionalen Analphabetismus“ zu verringern und das Bildungsniveau zu erhöhen, ist vor knapp zwei Jahren das Bündnis „Nationale Dekade“ ins Leben gerufen worden. Dabei handelt es sich um eine Initiative von Bund, Ländern sowie Gruppen aus dem Bildungs- und Sozialbereich. Um Betroffenen auf unkomplizierte Weise einen Zugang zu passenden Weiterbildungsmaßnahmen zu ermöglichen, wurden auch die Mehrgenerationenhäuser als Unterstützer des Vorhabens angesprochen.

Regionale Förderung sei notwendig

Der Igel als Träger des Mehrgenerationenhauses sieht nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen mit Klienten die Notwendigkeit, diese Initiative auch regional zu fördern. „Wir möchten Bedarfe erfassen, bestehende Bildungsangebote unterstützen und neue, zielgruppenspezifische Aktionen aufbauen. Wir sind an einer guten Vernetzung interessiert, um individuell auch weitervermitteln zu können“, berichtet Trenkamp.

Erste Vorbereitungen zum Start geplanter Aktivitäten seien bereits getroffen. Die speziell für das neue Projekt bereitgestellten Fördermittel würden auch helfen, alle bisherigen Programme und Maßnahmen im Mehrgenerationenhaus unbelastet weiter zu führen, fügt die Einrichtungsleiterin hinzu. „So können wir in unserer Region einen weiteren Beitrag leisten, Menschen und deren soziales Umfeld bei der Bewältigung persönlicher Herausforderungen zu unterstützen.“

Interessierte Personen, Schulen, Firmen und sonstige Institutionen können sich an das Mehrgenerationenhaus wenden. „Vertraulich und verantwortungsvoll stehen wir diesbezüglich für alle Gespräche gern zur Verfügung. Ich selber weiß, wie energieaufwendig der Erwerb einer Lese- und Schreibfähigkeit im Erwachsenenalter sein kann“, betont Mallwitz-Sainio. Sie ist ab 10. August jeden Freitag von 10 bis 12 Uhr im Mehrgenerationenhaus anwesend und auch außerhalb der Zeiten erreichbar (Tel. 0159/01362667 oder E-Mail: petra.mallwitz-sainio@igel-barnstorf.de).

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