Wintershall wartet auf Vorgaben für Antragsverfahren / „Wir glauben an die Zukunft von Barnstorf“

Fracking rückt wieder in den Fokus

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Bei der Bohrung „Düste Z10“ vor fünf Jahren ist Wintershall auf erhebliche Erdgaspotenziale in einer Tiefe von mehr als 4 000 Metern gestoßen. Sie könnten mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Methode gefördert werden. Das Unternehmen will bis Ende dieses Jahres den nötigen Antrag beim Landesamt einreichen.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Wintershall baut weiter auf die heimische Förderung, um die Entwicklung neuer Technologien voranzutreiben. Dabei spielt der Standort Barnstorf eine wichtige Rolle, wie Vorstandsmitglied Martin Bachmann am Mittwoch im Anschluss an das Jahrespressegespräch in Kassel erklärte.

In diesem Zusammenhang machte der Unternehmensvertreter deutlich, dass ein Thema in den kommenden Monaten wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken wird: Fracking.

Förderbeginn kaum vor Ende 2018 denkbar

Nach dem richtungsweisenden Beschluss des Bundestages im vergangenen Jahr wartet der größte international tätige deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent zurzeit auf detaillierte Ausführbestimmungen für das neue Fracking-Gesetz, um mit Hilfe der Fracking-Methode in Barnstorf konventionell Erdgas fördern zu können. „Sobald die genauen Vorgaben vorliegen, wollen wir den Antrag erarbeiten und einreichen“, kündigte Bachmann an. Er gehe davon aus, dass der Antrag bis spätestens Ende dieses Jahres beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) eingereicht werden könne.

„Das ganze Gezerre um das Gesetz hat uns fünf Jahre gekostet. Es war eine Belastung für den Standort Barnstorf. Aber nun haben wir wieder eine Perspektive“, stellte der für Europa verantwortliche Wintershall-Vorstand fest. Die Auflagen seien zwar signifikant verschärft worden und würden höheren Aufwendungen und Kosten mit sich bringen, aber Wintershall sei bereit, diesen Weg weiter zu beschreiten. Einen möglichen Förderbeginn sieht der Vorstandsvertreter nicht vor Ende 2018. Aber für genaue Prognosen fehlten noch die Erfahrungen mit der neuen Gesetzgebung.

Gespräch mit Bevölkerung soll gesucht werden

Angetrieben wird die BASF-Tochter von der Aussicht auf erhebliche Fördermengen, die vor fünf Jahren bei einer Bohrung vor den Toren Barnstorfs entdeckt wurden. Die Bohrung „Düste Z10“ hat gezeigt, dass in der mehr als 4000 Meter tiefen Lagerstätte relevante Erdgaspotenziale von bis zu zehn Milliarden Kubikmeter zu erwarten sind. Das Tight-Gas gilt es nun auf lange Sicht zu erschließen. Dazu gehört für die Verantwortlichen im Vorfeld eine umfassende Informationspolitik über das Vorhaben und die Fracking-Technologie, die in der Öffentlichkeit nach wie vor kontrovers diskutiert wird.

Vorstandsmitglied Martin Bachmann sieht Barnstorf als bedeutenden Technologiestandort.

„Wir haben über Jahrzehnte eine Akzeptanz in der Bevölkerung vor Ort geschaffen, die wir beibehalten wollen. Wenn wir in Barnstorf eines der ersten Fracking-Projekte in Deutschland durchführen, bedeutet das auch Kommunikation und Transparenz bei der Planung und bei der Umsetzung“, so Bachmann. Für Wintershall sei es wichtig, die Menschen mitzunehmen. Darum werde es schon bald erste kommunikative Aktivitäten geben.

Während das langfristig angelegte Projekt „Düste Z10“ auf die heimischen Erdgasvorkommen abzielt, gibt es ganz aktuell auch Aktivitäten bei der Erdölförderung. In diesen Tagen ist eine neue Bohrung im Feld Bockstedt erfolgreich abgeschlossen worden. Weitere vier Bohrungen sollen in diesem Jahr folgen und voraussichtlich nach Fertigstellung der Bohrplätze ab Juni beginnen.

Barnstorf sei ein hervorragender Standort für das Wintershall-Portfolio

In den vergangenen Jahren sei sehr viel in die Infrastruktur in Barnstorf investiert worden, unterstrich Bachmann. Das Unternehmen habe Tankanlagen auf dem Betriebsgelände auf den neuesten Stand gebracht, die Erdölleitung ins Feld Düste erneuert und nun die Modernisierung des Labors in Angriff genommen. „Das sind alles Maßnahmen, die zeigen, dass wir an die Zukunft von Barnstorf glauben.“

Das Unternehmen verhehlt nicht, dass der anhaltend niedrige Ölpreis die gesamte Branche vor immense Herausforderungen stellt. Aber Wintershall sieht hier auch eine Chance: „Sparen und investieren“ lautet die Strategie. Was sich dahinter verbirgt, zeigt Bachmann am Beispiel der Forschungsarbeiten in Bockstedt, wo ein Praxistest des Biopolymers Schizophyllan zur Erhöhung der Lagerstättenausbeute läuft. Die Investition könnte sich später bei der Produktion auszahlen.

„Als Technologiestandort passen Deutschland und Barnstorf hervorragend in unser Portfolio“, ergänzte das Vorstandsmitglied. Insofern sei auch das Projekt „Düste Z10“ wichtig, um den heimischen Standort und die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. In Barnstorf sind aktuell etwa 350 Mitarbeiter beschäftigt.

Rekordergebnis bei der Produktion von Öl und Gas

Die Blicke der Wintershall-Mitarbeiter in Barnstorf richteten sich Mittwochvormittag auf den Hauptsitz in Kassel, wo die Unternehmensführung die Geschäftsentwicklung für das Jahr 2016 präsentierte.

Kernaussage der Bilanz: Wintershall wächst trotz des schwierigen Branchenumfeldes und erzielte im vergangenen Jahr mit 165 Millionen geförderten Barrel Öläquivalent (BOE) ein Rekordniveau. Das Unternehmen habe seine Öl- und Gasförderung in den vergangenen zehn Jahren um rund 50 Prozent gesteigert, heißt es in einer Pressemitteilung. Die wirtschaftlich förderbaren Öl- und Gasreserven hätten sich im selben Zeitraum auf 1,62 Milliarden BOE verdoppelt.

„Ein stabiles Fundament für weiteres profitables Wachstum auch in Zukunft“, stellte Vorstandsvorsitzender Mario Mehren fest – und kündigte eine Fortsetzung des Wachstumskurses an. Für dieses Jahr erwartet der Erdöl- und Erdgasproduzent bei Umsatz und Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Sondereinflüssen einen deutlichen Anstieg. „Wir haben dazu frühzeitig richtig investiert: in Öl- und Gasfelder in Regionen mit günstigen Förderkosten und in den Ausbau unserer starken Partnerschaften“, erklärte Mehren.

Ergebnissteigerung das wichtigste Ziel 2017

In diesem Jahr stehe vor allem die Ergebnissteigerung im Vordergrund. „Wir wollen mit unserem Öl- und Gasgeschäft 2017 ein deutlich höheres Ergebnis als im Vorjahr für die BASF-Gruppe erzielen.“ In den aktuellen Zeiten niedriger Preise profitiere das Unternehmen von seinem diversifizierten Portfolio mit niedrigen Produktions- und Reservenersatzkosten, insbesondere in Russland und Argentinien. Das Unternehmen habe seine Produktion auf einen Höchststand gesteigert und gleichzeitig Kosten und Ausgaben für Investitionen reduziert. „Wir haben uns erfolgreich auf das veränderte Umfeld eingestellt“, sagte Mehren weiter: „Die Ergebnisse, insbesondere der weiterhin positive Free Cashflow, zeigen, dass unsere Maßnahmen greifen.“

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