1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Barnstorf

Flüchtlinge aufnehmen? Barnstorferin gibt wichtige Hinweise

Erstellt:

Von: Jannick Ripking

Kommentare

Pro und Contra: Wer Flüchtlinge aufnehmen will, sollte sich zuvor gut überlegen, ob er oder sie dazu bereit ist und zu welchen Bedingungen.
Pro und Contra: Wer Flüchtlinge aufnehmen will, sollte sich zuvor gut überlegen, ob er oder sie dazu bereit ist und zu welchen Bedingungen. © Jannick Ripking

Überall in der Region wird nach Wohnmöglichkeiten für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine gesucht. Wer ihnen in seinen eigenen Räumen Obhut anbieten möchte, sollte sich zuvor aber gut überlegen, ob er den damit verbundenen Herausforderungen gewachsen ist. Die Leiterin der Barnstorfer Migrations- und Integrationskoordination gibt Tipps.

Barnstorf – Wer ist geeignet, ukrainische Flüchtlinge im eigenen Haushalt aufzunehmen? Es geht nicht darum, es zu tun, um sich selbst besser zu fühlen, meint Petra Mallwitz-Sainio, Leiterin der Migrations- und Integrationskoordination (MIK) in Barnstorf. Keinem sei geholfen, wenn man nach zwei Wochen feststellt, dass man mit der Situation vollkommen überfordert ist. Deswegen hat die MIK jetzt ein Informationsschreiben herausgebracht, das die wichtigsten Punkte, die es im Vorfeld zu beachten gibt, aufführt.

Die beste Grundlage für die Aufnahme von Geflüchteten sei, wenn man die Notlage in der Ukrainer erkannt habe und einfach helfen wolle – „ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen“, erklärt Mallwitz-Sainio. Doch das sei erst der Anfang: „Besprechen Sie Ihre Überlegung vorerst gut mit allen anderen in Ihrem Haus oder in der Wohnung lebenden Personen“, lautet die Empfehlung der MIK. Dabei sollten die eigenen Gewohnheiten immer bedacht werden, bevor man jemanden aufnimmt. „Welche Kriterien sind wichtig?“, so Mallwitz-Sainio in ihrem Schreiben. Können Asthmatiker beispielsweise Raucher tolerieren? Wollen Interessierte nur gegen Corona Geimpfte aufnehmen? Gibt es Haustiere, auf die hingewiesen werden sollte? „Es ist nicht nur legitim, sondern auch richtig und notwendig, sich über all dies Gedanken zu machen“, meint die MIK-Leiterin.

Flüchtlinge können traumatisiert sein und gereizt oder verschlossen reagieren

Außerdem handele es sich bei geflüchteten Ukrainern um Menschen, die binnen kürzester Zeit vieles oder gar alles verloren haben. „Es sind keine Personen, die aus touristischen Gründen für drei Wochen zu Gast sind“, heißt es vonseiten der MIK. Es könne also sein, dass die aufgenommenen Flüchtlinge traumatisiert sind, gereizt oder verschlossen reagieren. Deswegen sei es völlig normal, wenn Ukrainer gerade zu Beginn des Aufenthalts freundliche und gut gemeinte Angebote zunächst ausschlagen. „Der eine oder die andere braucht länger, um Vertrauen aufzubauen und eine gewisse Schüchternheit abzulegen“, so Petra Mallwitz-Sainio.

Dennoch könne es helfen, wenn Gastgeber den Neuankömmlingen Ratschläge, Hinweise und Erklärungen darüber geben, wie gewisse Dinge in dem für sie fremden Land oder Haushalt funktionieren und ablaufen. Dazu gehöre auch die Aufklärung über den Sirenen- und Probealarm und dessen Uhrzeiten. Mallwitz-Sainio: „Viele unserer neuen Mitbürgern sind traumatisiert und verbinden mit Sirenen erlebte Kriegssituationen. Das kann schlimme Auswirkungen für die Betroffenen haben.“

Wer sich nach dem Abwägen der persönlichen Pro- und Contra-Argumente für die Aufnahme eines oder mehrerer Flüchtlinge entschieden hat und das Zusammenleben dann startet, für den sei es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, dass geflüchtete Ukrainer vor dem Krieg ein eigenständiges Leben führten und es oft weiterhin führen wollen. Sollten die Aufgenommenen Entscheidungen treffen oder Wege anstreben, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, so solle man sich als Gastgeber fragen, welche Reaktion sie sich wünschen würden, wären sie in einer ähnlichen Situation Der Tipp der MIK: Verständnis zeigen und die Bereitschaft signalisieren, die Flüchtlinge dennoch zu unterstützen.

Bei Fragen und auftretenden Probleme stehe die MIK und auch der Arbeitskreis Willkommen immer beratend zur Seite. Und Probleme seien nur eine Frage der Zeit: „Es wird Herausforderungen geben. Natürlich. Früher oder später“, meint Mallwitz-Sainio. „Doch gemeinsam können wir uns unterstützen und für die meisten Fragen Lösungen finden.“

Kontakt: Arbeitskreis Willkommen: Tel. 05442/2925 / MIK: Tel. 05442/80404150, Mobil: 01590/1362667.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - immer besondere Fälle

Die Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen erfolgt stets über das Jugendamt in Diepholz. Wer minderjährige Ukrainer ohne Begleitung aufnehmen möchte, muss sich daher schriftlich per E-Mail an diese Behörde wenden. „Bitte erwähnen Sie, ob Sie bereits als Pflegeeltern registriert sind oder es in einem anderen Landkreis waren“, schreibt die Barnstorfer Migrations- und Integrationskoordination (MIK). Auch das Alter, das Geschlecht und die mögliche Anzahl der aufnehmbaren Kinder seien bestenfalls mit anzugeben. Falls behinderte oder speziell erkrankte Kinder nicht aufgenommen werden können, sei diese Information auch mitzuteilen. Das Jugendamt werde sich nach Erhalt der E-Mail mit den Interessierten in Verbindung setzen, so die MIK. Anders als über soziale Medien häufig vermittelt, gebe es bislang nur sehr wenige unbegleitete, minderjährige Geflüchtete in Deutschland. Deshalb sollen Menschen, die bereit sind, Jugendliche aufzunehmen Geduld haben, falls nicht sofort eine Antwort des Jugendamtes kommen sollte.

Kontakt: E-Mail: ukraine-jugend@diepholz.de, Tel.: 05441 976 4243

Auch interessant

Kommentare