Busunternehmen Rittmeyer: Herausforderungen zu Virus-Zeiten / Deutliche Umsatzeinbußen

Flexibel und mit Vorsicht durch die Krise

Lagebesprechung: Busfahrer Viktor Geringer (l.) berichtet seinem Chef Bernd Rittmeyer hinter der Spuckschutz-Scheibe vom bisherigen Verlauf seiner Schicht.
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Lagebesprechung: Busfahrer Viktor Geringer (l.) berichtet seinem Chef Bernd Rittmeyer hinter der Spuckschutz-Scheibe vom bisherigen Verlauf seiner Schicht.

Drebber – Die Baustellenampel auf seiner Strecke gefällt Viktor Geringer gar nicht. „Es kann sein, dass ich dadurch sieben Minuten Verspätung habe“, warnt der Busfahrer seinen Chef von der „Helmut Rittmeyer GmbH“ schon mal vor. Doch Bernd Rittmeyer beruhigt seinen Mitarbeiter während des Zwischenhalts auf dem Drebberaner Betriebsgelände: „Wenn Du es nicht schaffst, übernehme ich Deine Linie, die Du danach hättest.“ Rittmeyer und seine 50 Beschäftigten müssen ständig auf plötzliche Veränderungen reagieren. Vielleicht half ihnen diese Flexibilität bisher so gut durch die Coronakrise.

Seit sechseinhalb Jahrzehnten bringt die Familie Generationen von Fahrgästen ans Ziel – im In- und Ausland. „Das Reisegeschäft haben wir aber zum Glück schon vor der Pandemie an Borchers-Reisen abgegeben“, verweist Bernd Rittmeyer auf dessen Twistringer Geschäftspartner, mit dem er seit August 2019 den Linien- und Schülerverkehr im Landkreis Diepholz unterhält. In dieser Mission steuern seine Fahrer 484 Haltestellen an, die sie auch selbst mit den aktuellen Fahrplänen und gültigen Beschilderungen auf dem neuesten Stand halten müssen. Angesichts dieses Aufwands schraubte Rittmeyer den Touristik-Sektor zurück.

Trotzdem wurden seine Reisebusse weiter gechartert – für Klassenfahrten, Kurztrips von Clubs und Cliquen, Auswärtsspiele von Fußball- und Handballteams. Fast alles abgesagt seit Corona und dem ersten Lockdown im Frühling. „Für uns bedeutet das in diesem Jahr 250 000 Euro weniger Umsatz“, rechnet Rittmeyers Ehefrau Katja vor, die mit ihrem Mann die komplette Büroarbeit des Bus- und Fuhrunternehmens abwickelt. „Nur gut, dass wir damals zusammen mit Borchers die Ausschreibung für den Linienverkehr gewonnen haben“, nimmt Bernd Rittmeyer diese Ausfall-Summe gefasst hin. Entlassen musste er deshalb niemanden. „Die Kurzarbeit war da ebenfalls ein gutes Mittel, aber diese Regelung brauchen wir ab 1. Januar nicht mehr“, verrät der Chef, der ansonsten keine öffentlichen Corona-Hilfen in Anspruch genommen habe.

Dafür meldeten sich die Behörden bei ihm – in Form von Corona-bedingten Vorgaben, die laut Rittmeyer jedoch berechtigt seien. Seine 28 Busse hat er mit Spuckschutz-Plexiglasscheiben nachgerüstet, das Desinfizieren der Innenräume dauere etwa eine halbe Stunde nach jeder Tour. Doch diese Arbeit habe sich zur Routine entwickelt: „Bei uns haben sich seitdem nur zwei oder drei Elternteile gemeldet, die über zu volle Busse klagten“, berichtet Katja Rittmeyer.

Denn Platz gebe es genug, erläutert ihr Mann: „Normalerweise bräuchten wir keine Stehplätze, aber es kann sein, dass einige Kinder lieber bei ihrem Kumpel oder der besten Freundin stehen wollen – oder nicht direkt neben dem einen oder anderen sitzen wollen.“ Daraus entstehe bisweilen der Eindruck von zu vollen Bussen, „doch dieser Schein von außen trügt“. Bei größerem Bedarf reagiert der Landkreis als Träger der Schülerbeförderung prompt und stellt die Mittel für einen zusätzlichen Bus bereit – wie zuletzt zwischen Lemförde und Diepholz oder ab Dienstag auf der Linie von Diepholz nach Rehden.

„Die Zusammenarbeit mit dem Kreis läuft reibungslos, Busse haben wir genug, aber Personal findet man natürlich so nicht einfach“, verdeutlicht Rittmeyer. Doch dank der guten Kooperation mit der Arbeitsagentur sei daraus noch kein allzu großes Problem entstanden. Der Betrieb aus Drebber hatte diesbezüglich ohnehin schon lange Vorsorge getroffen: Rittmeyer bildet seit 2014 Berufskraftfahrer aus. Erst zuletzt übernahm er zwei Azubis nach dreijähriger Lehrzeit.

Dennoch kann es vorkommen, dass an einem Morgen plötzlich mehrere Kollegen krank ausfallen. Nur gut, dass auch das Unternehmer-Ehepaar für solche Engpässe ebenfalls einen Busführerschein besitzt. Die Chefin tauschte erst vor ein paar Tagen den Bürostuhl mit einem Fahrersitz in der Flotte, ihr Gatte springt ebenfalls regelmäßig ein, weiß aber auch, dass er sich auf die Lkw-Fahrer seiner Fernverkehrssparte verlassen kann: „Von denen dürfen auch einige einen Bus steuern. Dann müssen die Lieferungen zu Baustellen eben warten, Schüler haben Vorrang.“

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