Feuerwehrleute stehen vor schwierigen Situationen / Jahresbilanz: 73 Einsätze

„Kameraden mit Eindrücken nicht allein lassen“

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Am 5. Februar 2015 verunglückte eine Autofahrerin auf der Landesdstraße zwischen Eydelstedt und Barver. Die Feuerwehr barg das Opfer aus dem total zerstörten Wagen.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Sonntag, 11.15 Uhr, an der Hunte in Eydelstedt: Angler entdecken eine männliche Leiche. Die Ortsfeuerwehr wird alarmiert und holt den leblosen Körper aus dem Fluss. Kein schöner Anblick für die Helfer, die an der Bergung kurz nach dem Weihnachtsfest beteiligt sind. Ihnen wird der Einsatz wohl noch lange im Gedächtnis bleiben – wie so viele Ereignisse, denen die ehrenamtlichen Kräfte im Laufe der Jahre begegnen.

„Es sind nicht alle Einsätze einfach zu bewältigen, gerade wenn es Verletzte oder Tote gibt“, weiß Gemeindebrandmeister Peter Winkelmann aus langjähriger Erfahrung. Insbesondere bei Verkehrsunfällen würden seine Kameraden mit zum Teil belastenden Situationen konfrontiert, zum Beispiel wenn Opfer aus Fahrzeugswracks befreit werden müssen. Manchmal kommt jede Hilfe zu spät. So wie im Februar dieses Jahres, als eine 56-jährige Barnstorferin auf der Landesstraße 344 in Donstorf tödlich verunglückt.

„Solche Leichen brennen sich im Gedächtnis ein“, sagt stellvertretender Gemeindebrandmeister Guido Schruth. Darum sei es wichtig, Feuerwehrleute nicht zu überfordern und ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. Wer kann es? Wer traut es sich zu? Wie ist die Tagesform? Solche Fragen sollten geklärt werden, sofern es die Einsatzbedingungen zulassen. „Man hat eine Fürsorgepflicht gegenüber den Kameraden. Auch sie sind nur Menschen“, so Schruth.

Und auch nach schwierigen Einsätzen, da ist sich das Kommando in der Samtgemeinde Barnstorf einig, sollten betroffene Kameraden das Erlebte nicht einfach verdrängen. Hier ist zuweilen fachliche Unterstützung gefragt. Bei Bedarf können Notfallseelsorger angefordert werden, die sowohl Einsatzkräften als auch sonstigen Beteiligten vor Ort zur Seite stehen. Pressewart Jens Kaesemeier betont: „Man darf die Kameraden mit den Eindrücken nicht allein lassen. Man muss über die Erlebnisse sprechen.“

Zum Glück halten sich die schwerwiegenden Fälle in den vergangenen zwölf Monate in Grenzen. Insgesamt 73 Einsätze sind in der Samtgemeinde Barnstorf zu verzeichnen. Das geht aus der Jahresbilanz 2015 hervor, die das Kommando in einem Pressegespräch präsentiert. Im Vorjahr waren es lediglich 64 Einsätze. Den Großteil machten erneut die technischen Hilfeleistungen aus (40), gefolgt von Brandeinsätzen (15), Fehlalarmierungen (11) und sonstigen Einsätzen (7).

Durch nachbarschaftliche Hilfeleistungen, die die 13 Wehren in der Samtgemeinde erbringen, erhöht sich die Einsatzzahl sogar auf 96. Am meisten gefordert ist erneut die Ortsfeuerwehr Barnstorf, die allein 40 Einsätze in ihrem Gebiet zu verzeichnen hat. In kleineren Orten geht es ruhiger zu. Die Ortsfeuerwehr Düste braucht im Jahr 2015 gar nicht auszurücken, befindet sich aber natürlich ebenso in ständiger Bereitschaft.

Aus dem umfangreichen Einsatzgeschehen sticht ein Großbrand hervor, der sich Anfang August in Wohlstreck ereignete und sieben Wehren auf den Plan rief. Eine Scheune brannte komplett nieder. „Das Wohngebäude konnte gehalten werden. Mehr war nicht möglich“, berichtet der Pressewart. Darüber hinaus hatte es im Laufe des Jahres etliche Kleinbrände gegeben. Auch Sturmtief „Niklas“ hielt die Feuerwehren in Atem.

Breiten Raum nahmen erneut die Qualifizierung und Weiterbildung der Mitglieder ein. Dazu trugen Einsatzübungen ebenso bei wie Lehrgänge und Workshops. Daran werde auch im kommenden Jahr angeknüpft, betont Winkelmann. Im Vordergrund stünden ein Angebot für Atemschutzgeräteträger und der Umgang mit dem Digital-Funk, der im Frühjahr 2015 kreisweit in Betrieb gegangen sei. Die Einführung der Digital-Alarmierung solle bis zum Jahr 2017 abgeschlossen sein, kündigt der Gemeindebrandmeister an.

Was die Ausstattung betrifft, soll sich in der Samtgemeinde Barnstorf einiges tun. Grundlage bildet das neue Fahrzeug-Budget, das im Sommer beschlossen wurde. Winkelmann ist mit dem Ergebnis zufrieden, lobt die gute Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik und blickt der Zukunft zuversichtlich entgegen: „Der Plan ist, dass in den nächsten Jahren Fahrzeuge kontinuierlich ersetzt werden“, sagt er. Zu Beginn dieses Jahres sei das neue Tanklöschfahrzeug der Ortsfeuerwehr Barnstorf in Betrieb genommen worden. Eine weitere Beschaffung sei bereits für 2016 geplant. Welche Wehr dabei zum Zuge komme, sei noch nicht entschieden.

Ferner macht sich das Kommando intensive Gedanken über die Struktur der Feuerwehren in der Samtgemeinde. Ziel sei, die Zusammenarbeit in den Gemeinden zu intensivieren, so Winkelmann. Dies könne beispielsweise durch gemeinsame Übungsdienste oder Alarmübungen geschehen. Von einer Zusammelegung von Wehren will er aber nicht sprechen, zumal er hier auch nicht zwangsläufig große Einsparpotenziale sieht. „Am Bestand sollte zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerüttelt werden“, meint der Gemeindebrandmeister.

Entscheidend ist für das Kommando, dass die Samtgemeinde über leistungsfähige Feuerwehren verfügt. Der Dank zum Jahresende gilt allen Feuerwehrmitgliedern, die sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagieren und dafür häufig ihre Freizeit opfern. Mit insgesamt 433 Aktiven in 13 Wehren sei das Aufgebot konstant. Winkelmann: „Wir sind auch 2016 einsatzbereit für die Bürger.“

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