Brandschützer ziehen die Reißleine / Bedarfsplan am Mittwoch Thema im Barnstorfer Samtgemeinderat

Feuerwehr Rechtern bittet um Auflösung

Das war’s: Die Ortsfeuerwehr Rechtern bat mangels Personal um ihre Auflösung. Allzu oft wird sich in diesem Feuerwehrhaus in der Barnstorfer Ortschaft also nichts mehr bewegen.
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Das war’s: Die Ortsfeuerwehr Rechtern bat mangels Personal um ihre Auflösung. Allzu oft wird sich in diesem Feuerwehrhaus in der Barnstorfer Ortschaft also nichts mehr bewegen.

Barnstorf – So schnell kann’s gehen: Ursprünglich sollte die Ortsfeuerwehr Rechtern noch bis 2022 bestehen bleiben, nun aber baten die Verantwortlichen die Barnstorfer Samtgemeindeverwaltung von sich aus um Auflösung – und das bereits zum Ende dieses Jahres. „Es ging nicht anders“, verdeutlichte Heinrich Harms, seit 19 Jahren Ortsbrandmeister in Rechtern: „Viele Mitglieder sind beruflich weggezogen, wir hatten nicht genug Nachwuchs. Zum Schluss waren wir noch zwölf bis 14 Mann.“ Und 20 Aktive seien mindestens notwendig.

Seine verbliebenen Kameraden für die zuletzt vier Einsätze in diesem Jahr wissen über das nahende Ende Bescheid, „aber es ist schade, dass wir darüber nicht in einer Versammlung informieren konnten“, bedauerte Harms: „Wegen Corona war das praktisch das ganze Jahr über nicht möglich.“ Also wandte er sich an Barnstorfs Gemeindebrandmeister Guido Schruth, der die entsprechenden Auflösungsanträge an Samtgemeinde und Landkreis schickte.

„Wir hoffen natürlich, dass uns die verbliebenen Feuerwehrleute nicht verloren gehen und sich zum Beispiel der Barnstorfer Ortsfeuerwehr anschließen“, wünscht sich Barnstorfs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers. Die Gefahr des kollektiven Austritts bestehe laut Harms tatsächlich nicht: „Es gehen zwar nicht alle nach Barnstorf, aber sie verteilen sich – zum Beispiel auf die Ortsfeuerwehr Eydelstedt.“

Im Feuerwehrbedarfsplan war erst für 2022 die Zusammenlegung der Rechterner und Barnstorfer Wehr vorgesehen. Dieses Papier, das die Mitglieder des Samtgemeinderates in ihrer Sitzung am Mittwoch um 18.30 Uhr in der Vereinssporthalle an der Walsener Straße verabschieden sollen, ist also bereits ein Stück weit überholt. An der Notwendigkeit dieses langfristig ausgelegten Konzepts hat sich laut Rathaus-Chef Lübbers aber nichts geändert. Das eigens dafür in Auftrag gegebene Gutachten habe der Verwaltung eine Reduzierung von derzeit zwölf auf sieben Standorte nahegelegt.

„Ob wir das durch Fusionen umsetzen oder mit dem Zusammenfassen von zwei Wehren an einem Standort, ist erst mal nicht so entscheidend. Klar ist aber: Wir müssen die Vorgaben der Feuerwehr-Unfallkasse erfüllen“, verdeutlicht Lübbers. Und dies wäre allein wegen der baulichen Veränderungen für zwölf Gerätehäuser ein „erheblicher Aufwand, angefangen mit der räumlichen Trennung für Männer und Frauen in den Umkleide- und Sanitärbereichen“, erläutert Lübbers. Einige Objekte wie die der Feuerwehren in Drebber, Drentwede und Eydelstedt sind da auf weitgehend aktuellem Stand, bei anderen, betagteren Domizilen sind die Anweisungen der Unfallkasse praktisch nicht mehr umzusetzen.

Ebenfalls ins Kontor schlägt natürlich die Beschaffungen neuer Fahrzeuge und Ausrüstung für dermaßen viele Ortswehren. Diese Ausgaben in Kombination mit oft gegensätzlichen Mitgliederentwicklungen hat das Brandschutzingenieurbüro in seinem Gutachten ebenfalls bedacht. „Die Feuerwehr Cornau zum Beispiel hat dank ihrer starken Jugendfeuerwehrarbeit sehr viele Mitglieder in die aktive Wehr übernommen“, schildert Lübbers: „Dieses Haus muss erweitert werden, damit die Ehrenamtlichen ausreichend Platz haben. Denn solche Helfer sind unser wichtigstes Gut.“ Laut Bedarfsplan sollen die Bauarbeiten dafür im kommenden Jahr beginnen.

Gezählt scheinen hingegen die Tage für die Ortsfeuerwehr Bockstedt, für die schon dieses Jahr das Zusammenlegen mit der Drentweder Ortsfeuerwehr geplant war. Doch dazu kommt es laut Ortsbrandmeister Holger Barmbold nicht: „Wir haben abgestimmt, und 22 von 23 Kameraden waren dafür, dass wir unsere Wehr lieber auflösen sollten, anstatt nach Drentwede zu gehen.“ Als Groll auf den Nachbarn wollte Barmbold das aber keinesfalls verstanden wissen: „Das Verhältnis mit den Drentwedern ist gut. Aber wenn es Alarm gibt, sind ja alle Fahrzeuge schon längst raus, bis wir da am Feuerwehrhaus sind“, verweist er auf die gut fünf Kilometer lange Fahrt bis zum dortigen Standort.

Aktuell kann Barmbold auf 19 Einsatzkräfte bauen, 22 wären für seine Wehr nötig. „Ich glaube nicht, dass einer von uns woanders weitermacht“, rechnet der Brandmeister mit einem Kollektivaustritt. „Aber erst muss es so weit sein“, verweist er auf den nötigen Ratsbeschluss zur Zusammenlegung.

Bis dahin dauert es noch, sagt auch Lübbers: „Zuerst geht es am Mittwoch um die Verabschiedung des Bedarfsplans. Über die einzelnen darin enthaltenen Punkte wird nach und nach im Rat oder Verwaltungsausschuss abgestimmt.“

In der Samtgemeinderatssitzung am 15. Dezember zum Beispiel könnte es bereits um die Auflösung der Rechterner Wehr gehen. Für Ortsbrandmeister Heinrich Harms wären dann 40 Jahre aktive Feuerwehrarbeit vorbei: „Ich bin 65 und wechsele in die Altersabteilung.“

Vor dem Ende: Bevor die Mitglieder der Bockstedter Wehr mit der Drentweder Feuerwehr fusionieren, wollen sie lieber komplett aufhören.

Auszüge aus dem Feuerwehrbedarfsplan: 2020: Zusammenlegung der Ortsfeuerwehren Bockstedt und Drentwede, Abgabe des Bockstedter Fahrzeugs zur Ortsfeuerwehr Donstorf; Ausschreibung für zwei neue Fahrzeuge (eines für die Ortsfeuerwehr Barnstorf, eines für Eydelstedt)

2021: Erweiterung Feuerwehrhaus Cornau; nach Abschluss Zusammenlegung der Ortsfeuerwehren Cornau und Dreeke; neues Mannschaftsfahrzeug für Ortsfeuerwehr Cornau

2022: Sanierung/Neubau Feuerwehrhaus Barnstorf; Auslieferung Tanklöschfahrzeug für Ortsfeuerwehr Eydelstedt; Zusammenlegung der Ortsfeuerwehren Eydelstedt und Wohlstreck

2023: Zusammenlegung der Ortsfeuerwehren Donstorf und Düste

2024: Neubau eines gemeinsamen Feuerwehrhauses für die Ortsfeuerwehren Donstorf und Düste

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