„Alles gelesen, was dick war“

Bibliothekarin Christiane Roth betätigt sich in vielfältigen Bereichen

+
Die Liebe zur Musik begleitet Christiane Roth schon seit ihrer Kindheit. In ihrer heimischen Stube greift die 50-jährige Eydelstedterin gerne auch mal zur Harfe. 

Eydelstedt – Christiane Roth ist in vielen Bereichen aktiv: Sie leitet die Barnstorfer Bibliothek, organisiert die örtlichen Angebote der Volkshochschule und engagiert sich im kulturellen und kirchlichen Leben. Da verwundert es nicht, dass in ihrem Haus in Eydelstedt etliche Bücher zu unterschiedlichsten Themen liegen. Dass neben dem Klavier aber noch ein Cembalo und eine Harfe stehen, ist schon etwas überraschend. Zeugen diese Dinge doch von der großen Musikalität, die sich im Laufe ihrer interessanten Lebensgeschichte entwickelt hat.

Die Musik begleitet sie schon seit dem sechsten Lebensjahr. Zuerst war es wie bei vielen Kindern die Blockflöte, die sie aber nicht so toll gefunden habe, dann weckte das Klavier ihr Interesse. „Ich habe so lange gebettelt, bis meine Eltern mir ein Klavier gekauft haben“, erzählt Roth. Im Alter von 15 Jahren kam dann noch das Orgelspiel hinzu, und mit 18 Jahren erstmals der Gesangsunterricht. Diese musikalischen Erfahrungen kommen ihr in der heutigen Tätigkeit entgegen.

Wohlbehütet, als einziges Kind eines Lehrer-Ehepaares in Wathlingen bei Celle aufgewachsen, hat Roth schon früh einen Bezug zu Büchern gefunden. In der Grundschule habe ihre Mutter im Klassenraum eine Leseecke eingerichtet, wo sich die Kinder in der Pause aufhalten konnten, erinnert sie sich: „Ich habe alles gelesen, was dick war.“ Nach dem Abitur habe sie zunächst Kunstgeschichte studiert, sich dann aber nach dem vierten Semester neu orientiert. „Ich bin nach Hamburg gegangen, um dort Bibliothekswesen für öffentliche Büchereien zu studieren. Das war das Richtige für mich“, sagt die 50-Jährige rückblickend.

Obwohl sie nach dem Studium in Einbeck eine Festanstellung als Bibliotheksleiterin gefunden hatte, musste sie diese nach fünfeinhalb Jahren aus beruflichen Gründen ihres Mannes aufgeben. So kam sie 2002 als Nachfolgerin von Hannelore Meineke nach Barnstorf. Hier ist die 50-Jährige seither neben der Leitung der Gemeindebücherei in verschiedensten Funktionen tätig. Sei es als Außenstellenleiterin der Volkshochschule, im Hospizverein, in den beiden Kirchengemeinden oder an vorderster Front beim Treffpunkt Kultur.

Geprägt hat sie die Auseinandersetzung mit dem Glauben. Der Vater katholisch, die Mutter evangelisch, beide aus der Kirche ausgetreten, war ihr in der Jugend die Wahl der Konfession freigestellt. In einer evangelisch geprägten Umgebung aufgewachsen, versuchte sie es erst einmal mit Konfirmandenunterricht. Der wenig disziplinierte Umgang mit Gott gefiel der damals zwölfjährigen Schülerin aber gar nicht und so schaute sie sich eine Messe an und entschied sich für den katholischen Glauben.

Eine „kirchliche Auszeit“, wie Roth es nennt, kam während ihrer Ehe mit ihrem Studienkollegen. „Wir sind aus beruflichen Gründen viel umgezogen und er hatte mit Gott nicht viel am Hut. Wir sind viel gereist, mit dem Motorrad durch die Welt gefahren. Frankreich, Spanien und als Höhepunkt die Seidenstraße. Zentralasien, Ostasien, das war ein Erlebnis. Höllisch anstrengend, aber ein Erlebnis“, so Roth.

Doch kurz nachdem das Haus in Eydelstedt umgebaut und eingerichtet war, trennten sich die Wege von Christiane und ihrem Mann. Der Grund dafür war eine neue Liebe. „Ich habe vorher nie so richtig an die Liebe auf den ersten Blick geglaubt, bis es mir passiert ist. Als ich Ulrike gesehen habe war es, als hätte mich der Blitz getroffen“, erinnert sich Roth. Aufgrund ihrer Beziehung zu einer anderen Frau sei an eine Fortsetzung der Ehe natürlich nicht mehr zu denken gewesen.

Ein verbindendes Element ist die kirchliche Arbeit. Gemeinsam hat das Paar vor sechs Jahren die ökumenische Silvesterandacht in Barnstorf eingeführt und andere Projekte vorangetrieben. Doch durch den Tod von Ulrike Kruse im vergangenen Sommer hat der gemeinsame Weg viel zu früh geendet. Aber das hat nichts daran geändert, dass der Glaube an Gott weiterhin eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielt. „Glaube ist wichtig. Er gibt Antworten auf die Fragen des Lebens“, betont Christiane Roth.

Auf die Frage, was ihr wirklich wichtig ist, kommt die Antwort prompt: Die Andachten. Einmal im Monat hält Roth eine Abendandacht in der katholischen Kirche. Wichtig sei ihr dabei die Auseinandersetzung mit der persönlichen Lebensführung, das Verhältnis zu Gott, das Verhältnis zu Besitz und wie der eigene Beitrag zur Gesellschaft aussehen könnte, erläutert die Eydelstedterin. Sie hat sich inzwischen zu einem Fernstudium der Theologie angemeldet. Neben der festen Stelle in der Bibliothek wird es also an Arbeit im neuen Jahr nicht mangeln. Und wenn doch mal Langeweile aufkommt, ist Lesestoff reichlich vorhanden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fotostrecke: Joe Bryant und sein Weserstadion aus Lego

Fotostrecke: Joe Bryant und sein Weserstadion aus Lego

Freiburger Gruppenvergewaltigung: elf Angeklagte vor Gericht

Freiburger Gruppenvergewaltigung: elf Angeklagte vor Gericht

Die Vielfalt der Aquafitness entdecken

Die Vielfalt der Aquafitness entdecken

Sommerkonzert der Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya

Sommerkonzert der Marion-Blumenthal-Oberschule Hoya

Meistgelesene Artikel

Rumpeldipumpel: Kopfsteinpflaster auf der Twistringer Bahnhofstraße

Rumpeldipumpel: Kopfsteinpflaster auf der Twistringer Bahnhofstraße

Traumfinale für TV Neuenkirchen

Traumfinale für TV Neuenkirchen

Feuchte Fahnenweihe und trockener Festredner

Feuchte Fahnenweihe und trockener Festredner

Planer verspricht ein grünes Quartier

Planer verspricht ein grünes Quartier

Kommentare