Jugendliche beteiligen sich an Forschungsvorhaben

„Erwachsene von morgen“ liefern weitere Impulse

Nach einem intensiven ´Gedankenaustausch präsentiert Jana Mohrmann (r.) präsentiert die Ergebnisse der Gruppenarbeit.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. „Ich finde es interessant, auch mal in der Politik mitzumachen und zu sehen wie es abläuft“, sagt Jana Mohrmann. Mit dieser Auffassung ist die 22-jährige Barnstorferin nicht allein. Viele junge Menschen haben sich dazu entschlossen, bei einem bundesweiten Forschungsvorhaben mitzuwirken, an dem sich die Samtgemeinde Barnstorf beteiligt. Brisante Themen wie Windkraft und Wolf liefern dabei die Basis für die Veranschaulichung und Bearbeitung von sogenannten Zielkonflikten.

Da sich das Forschungsvorhaben „LAZIKN2030“ in erster Linie mit langfristig wirkenden Entscheidungen beschäftigt, von denen die „Erwachsenen von morgen“ besonders betroffen sind, hat sich die Samtgemeinde Barnstorf auf die Fahne geschrieben, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ihren Vorstellungen und Ideen frühzeitig in die Arbeit einzubinden. „Auf diese Weise erhalten sie die Möglichkeit, ihre Zukunft mitzugestalten“, erklärt die zuständige Projektleiterin Carolin Schulz-Schwenker.

Die jungen Menschen sollen die Chance erhalten, sich in Entscheidungsprozesse einzumischen und gemeinsam mit der Politik nachhaltige Lösungen für soziale, ökologische und wirtschaftliche Bereiche zu entwickeln. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt der jüngste Workshop im Mehrgenerationenhaus in Barnstorf. Dazu sind alle Einwohner im Alter von 17 bis 25 Jahren angeschrieben worden. Mit fast 20 Teilnehmern ist die Resonanz größer als erwartet, wie die Vertreter der Kommune erfreut feststellen.

Im Workshop scharen sich die motivierten Teilnehmer um mehrere Stellwände. Sie kommen ins Gespräch, sammeln Ideen und Lösungsansätze für die besagten Zielkonflikte. Worin diese bestehen, machen die Ausführungen von Wolfsberater Dr. Marcel Holy und Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers schnell deutlich. Sie zeigen die unterschiedlichen Interessenlagen auf, die mit der Ausbreitung des Wolfes und dem Ausbau der Windkraft in der heimischen Region einhergehen.

Zum Abschluss präsentieren Jana Mohrmann und Stella Winkelmann die Gruppenarbeiten. Die Ergebnisse sind wenig überraschend. Sie ähneln den Wortbeiträgen der Ratsvertreter der Samtgemeinde Barnstorf, die sich seit geraumer Zeit immer wieder mit den brisanten Themen beschäftigen. Doch aus dem Munde der jungen Menschen bekommen die Aussagen zusätzliches Gewicht. Schließlich sind sie es, die in Zukunft mit einer möglichen Ausweitung der Windenergie oder der Rückkehr des unter Naturschutz stehenden Wolfes leben müssen.

Mit der Abwägung der Vor- und Nachteile ist Jannis Rödenbeck nicht ganz zufrieden. „Die Diskussion war etwas schleppend“, meint der 19-Jährige, der sich einen intensiveren Austausch zu den Themen gewünscht hätte. Doch dazu bleibt in dem auf zwei Stunden begrenzten Workshop keine Zeit. Was die Gruppenarbeit aber ganz deutlich macht, ist der Wunsch der jungen Leute nach mehr Aufklärungsarbeit und die Einbindung betroffener Bürger in Entscheidungen der Politik.

Mit dem Ablauf des Workshops sind die Teilnehmer insgesamt zufrieden, wie eine abschließende Abfrage ergibt. Auch die vier wissenschaftlichen Dienstleister, die sich an diesem Abend um die Durchführung des Programms kümmern, ziehen ein positives Fazit. Sie loben den Ideenreichtum und danken den jungen Menschen für die Impulse für die weitere Arbeit. „Das hat uns schon sehr beeindruckt“, sagt Dr. Christiane Sell-Greiser.

Auch Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers ist begeistert über den Verlauf der Veranstaltung, die es in dieser Form bisher noch nicht in Barnstorf gegeben hat und durchaus Schule machen könnte. Es wäre schön, wenn junge Erwachsene generell mitwirken würden an kommunalen Themen, denn die Belange der jungen Menschen seien in Kommunen häufig unterrepräsentiert, so der Verwaltungschef.

Laut Projektkoordinatorin Schulz-Schwenker sollen sich die Jugendlichen weiter an dem auf drei Jahre angelegten Forschungsvorhaben beteiligen, das in Kooperation mit der Stadt Sandersdorf-Brehna sowie den Universitäten Hannover und Greifswald stattfindet und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Mit von der Partie sind mehrere Neuntklässler der Christian-Hülsmeyer-Schule, die im Rahmen einer Ideenschmiede weitere Anregungen für den Prozess liefern. Ende Mai will sich dann eine Runde aus lokalen Vertretern zu einem weiteren Workshop treffen.

Ziel ist es, die bisher gesammelten Ergebnisse jetzt Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und eine Tool-Box zu erstellen. Das Entscheidungshilfesystem für eine nachhaltige Entwicklung sollen dann auch andere Kommunen in ganz Deutschland anwenden können. Sich in dieser Form mit Zielkonflikten zu beschäftigen, sei etwas ganz Neues und Besonderes, stellt Diplom-Geographin Birgit Böhm während des Workshops fest: „Das ist Forschung am obersten Rande der Problemlage.“

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