Ernste Töne zur Eröffnung des Krammarktes / Fassanstich gelingt mit erstem Schlag / Blick ins „Schaufenster Barnstorf“

„Wir brauchen Solidarität mit Flüchtlingen“

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Daumen hoch beim Fassanstich: Bürgermeisterin Elke Oelmann hatte gleich mit dem ersten Schlag Erfolg. Festwirt Ludolf Roshop war erleichtert. Er blieb diesmal unversehrt.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Normalerweise ist es ein Feuerwerk der guten Laune, das zur Eröffnung des Barnstorfer Krammarktes abgebrannt wird. Doch gestern Mittag herrschte zunächst bedächtige Stille im Saal des Hotels Roshop. Bürgermeisterin Elke Oelmann sprach mit der Flüchtlingsproblematik ein Thema an, das ihr sehr am Herzen liegt und aktuell die Nachrichten beherrscht. Da hatten vermutlich viele der rund 250 Besucher im Saal plötzlich das Foto des ertrunkenen Flüchtlingsjungen vor Augen, das in dieser Woche um die Welt ging.

Die Bürgermeisterin des Fleckens Barnstorf warb für einen respektvollen Umgang mit Asylbewerbern und dokumentierte ihren Gruß mit einem bedruckten T-Shirt: „Refugees – Welcome“ stand auf der Vorderseite. Übersetzt: „Flüchtlinge – Willkommen“. In diesem Zusammenhang dankte Oelmann für das Engagement vor Ort. Viele Bürger, insbesondere der Arbeitskreis „Willkommen in Barnstorf“, hätten in den vergangenen Monaten aktiv dazu beigetragen, dass sich die etwa 100 Flüchtlinge, die zurzeit in Barnstorf und den anderen Mitgliedsgemeinden leben, willkommen fühlten.

Oelmann griff die Worte des ehemaligen Asylrichters Peter Vonnahme auf, der einen Vergleich zur Eingliederung von zwölf Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg gezogen hatte. In Erinnerung an die erfolgreiche Gemeinschaftsleistung müssten sich die Deutschen heute nicht ängstigen vor ein paar hunderttausend Flüchtlingen, selbst wenn deren Zahl noch weiter steige. „Wir müssen uns nur bemühen, aus der Not eine Tugend zu machen. Dazu brauchen wir Solidarität untereinander und Solidarität mit den Flüchtlingen“, unterstrich Oelmann.

Im Interesse der Solidarität stand es für die Gemeindevertreterin außer Frage, dass die obligatorische Sammlung zur Eröffnung des 241. Krammarktes dem Arbeitskreis „Willkommen in Barnstorf“ zugute kommen sollte. Ihr Appell trug „bare“ Früchte, als der Junggesellenstab durch die dichten Reihen wanderte. Die Sammlung brachte rund 900 Euro ein.

So viel zum ernsthaften Teil der Veranstaltung. Im weiteren Verlauf sorgte die Bürgermeisterin für gute Laune und punktete mit einem Politiker-Witz. Wie es der Zufall wollte, kam rechtzeitig zur Pointe der Niedersächsische Landtagsvizepräsident Karl-Heinz Klare in den Saal. „Das war nicht abgesprochen“, lachte Oelmann. Sie betonte: Ähnlichkeiten zu anwesenden Personen seien weder gewollt noch beabsichtigt.

Inspiriert von Wagenfelds Ex-Bürgermeister Wilhelm Falldorf traute sich die Barnstorfer Ratsvorsitzende erstmals an eine plattdeutsche Geschichte heran. Für Laien eine Herausforderung. Dafür ein Kompliment! Für echte Plattsnacker war es zwar kein Genuss, aber für die Anhänger des SV Werder Bremen eine Wohltat. Trotz des Happy Ends für „ihren“ Verein rief Oelmann der Menge zu: „Ob Bayern-Fan oder Werder-Fan, das ist egal. Dieses Wochenende sind wir alle Krammarkt-Fan.“

Zu den Grün-Weißen im Saal zählte neben der Bürgermeisterin übrigens auch stellvertretender Landrat Ulf Schmidt. „Auch mein Herz schlägt für Werder“, ließ er in seinem Grußwort wissen. Der Vertreter des Landkreises Diepholz war erstmals beim Krammarkt zu Gast, wusste als „Brokser Junge“ aber ganz genau, wie so ein Volksfest abläuft. Er wünschte den Besuchern viel Spaß und den Schaustellern gute Geschäfte.

Barnstorfer Krammarkt

Als stimmungsfördernd erwiesen sich das von der Gemeinde gestiftete Freibier und die traditionelle Erbsensuppe, die es erstmals auch in vegetarischer Form gab. Beim Fassanstich hatte die Bürgermeisterin leichtes Spiel. Kein Glasbruch, keine Schnittwunde. Festwirt Ludolf Roshop konnte aufatmen, das Malheur der Bürgermeisterin aus dem Vorjahr sollte sich nicht wiederholen. Ihr gelang es, den Zapfhahn mit dem ersten Schlag ins Holzfass zu treiben.

Nach der Eröffnungsfeier unternahmen die Besucher einen ersten Rundgang über den Markt. Zwischenstopps bei Fahrgeschäften und Getränkeständen folgte ein neugieriger Blick in das „Schaufenster Barnstorf“. Dort präsentieren sich neben vereinzelten Gewerbebetrieben vor allem Vereine und Institutionen. Die Ausstellung hat zwar einen anderen Charakter als in den Vorjahren, ist an diesem Wochenende aber in jedem Fall einen Besuch wert. Ergänzt wird das Marktgeschehen durch einen verkaufsoffenen Sonntag.

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