Resolution verabschiedet

Wölfe in Vechta und Diepholz: „Entnahme kein Tabu mehr“

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Die Nachbarkommunen Goldenstedt und Diepholz sind bereits vor einigen Monaten vorweg marschiert. Nun hat sich auch der Rat der Samtgemeinde Barnstorf zum Thema Wolf positioniert. In der jüngsten öffentlichen Sitzung ist mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet worden. Eine wesentliche Forderung an die niedersächsische Landesregierung besteht darin, auffällig gewordene Wölfe in den Landkreisen Diepholz und Vechta sofort zu entnehmen.

Nach zahlreichen Übergriffen auf Nutz- und Wildtiere hatte die Wählergemeinschaft das Thema zu Beginn dieses Jahres auf den Tisch gebracht. Der Rat stimmte der Erarbeitung eines Entwurfs zu. Doch das Verfahren zog sich in die Länge, weil zunächst die Frage geklärt werden sollte, ob die Kommune überhaupt berechtigt ist, sich mit Fragen zu befassen, die anderen Hoheitsträgern zugewiesen sind.

In der Resolution fordert der Samtgemeinderat die Landesregierung auf, „die zunehmende Angst der Bevölkerung vor tier- und menschengefährdenden Wolfsübergriffen ernst zu nehmen und Maßnahmen zu ergreifen, damit die jährlich um 30 Prozent wachsende Wolfspopulation stärker kontrolliert und reguliert wird. Vor allem für Problemwölfe darf auch die Entnahme kein Tabu mehr sein.“

Der Rat der Samtgemeinde Barnstorf vertritt die Auffassung, dass das Regierungsprogramm der Landesregierung in Niedersachsen ein klares Nein zur bisherigen Wolfspolitik enthalten muss. Der bisher zögerliche Umgang zuständiger Behörden mit der Problematik dürfe nicht fortgesetzt werden. Sie vergrößere den bereits eingetretenen Akzeptanzverlust stetig, heißt es in dem vorliegenden Papier.

Landwirte nicht alleine lassen

Und weiter: Die unzähligen, grausamen Tierrisse in der Region seien ein Beweis dafür, dass die vorgesehenen Herdenschutzmaßnahmen einzelne Wölfe nicht daran hinderten, Herdentiere als leichte Beute anzugreifen. Weidetierhalter beklagten eine unverhältnismäßige Bürokratie bei der Beantragung von Herdenschutzförderung oder Entschädigungszahlungen, viele von ihnen hätten aufgegeben oder stünden kurz davor. Die aus Umwelt- und Tierschutzgründen erwünschte Weidetierhaltung stehe über kurz oder lang vor dem Aus.

Der Rat ist der Meinung, dass die Menschen und besonders Landwirte und Schäfer in den Wolfsregionen nicht länger allein gelassen werden dürfen. Die Sorge vor dem Wolf sei durchaus verständlich, zumal einzelne Tiere oder Rudel ihre Scheu vor dem Menschen verlieren würden. Die Lebensqualität der Bürger auf dem Lande – vor allem bei Familien mit Kindern – leide schon jetzt erheblich, weil zum Beispiel Kinder sich nicht mehr unbeaufsichtigt im Dorf bewegen könnten.

Keine generelle Verteufelung des Wolfes

In der Resolution weist der Rat darauf hin, dass er nicht für eine generelle Verteufelung des Wolfes sei. Er halte aber eine unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft für „höchstgradig gefährlich und unverantwortlich“. Abschließend heißt es: „Die Sicherheit der Menschen muss oberste Priorität haben. Die auffällig gewordenen Wölfe im Landkreis Vechta und im Landkreis Diepholz müssen sofort entnommen werden, weil die Gefahr zu groß ist, dass die Elterntiere ihre verlorene Scheu und ihre Verhaltensweisen an die Jungtiere weitergeben.“

Die Grünen lehnten die Resolution aus verschiedenen Gründen ab. Inhaltliche Behauptungen seien rechtlich nicht korrekt, meinte Ratsfrau Elke Oelmann. So könne sich die Landesregierung nicht zu einem klaren Nein durchringen, weil viele gesetzliche Grundlagen zu beachten seien. Darüber hinaus gebe es unterschiedliche Sichtweisen, was auffällig und nicht auffällig sei. Alternative Formulierungsvorschläge lieferten die Grünen hingegen nicht. Das Thema sei schwierig zu erfassen, begründete Oelmann.

Auch Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers stimmte gegen das Papier. Ihm ging es offenbar weniger um den Inhalt, sondern um die grundsätzliche Bedeutung. Er hatte bereits zu Beginn der Beratungen den Sinn von derartigen Resolutionen hinterfragt, die aufgrund der rechtlichen Prüfung mit einem hohen Aufwand verbunden seien. Der Rat solle sich nicht so intensiv mit Angelegenheiten beschäftigen, „die nicht in unserem Zuständigkeitsbereich liegen“, so Lübbers.

Das Thema: Wölfe in Niedersachsen 

Der Wolf ist seit dem Jahr 2008 wieder in Niedersachsen zu finden. Seitdem hat sich das Wildtier in weiten Teilen des Landes, von der Nordsee bis in den Harz, niedergelassen. So schätzt das Wolfsbüro des Landes Niedersachsen den Wolfsbestand Anfang des Jahres auf etwa 150 Tiere. Insbesondere Tierhalter sind von der Ausbreitung des Raubtiers betroffen und treffen mit der Anschaffung von Schutzzäunen oder Herdenschutzhunden Maßnahmen gegen Tierrisse durch Wölfe. In unserem Artikel „Wölfe in Niedersachsen“ geben wir einen Überblick über Daten und Fakten zum Wolf. Wir sprechen mit einem Wolfsberater, Vertretern der Landwirtschaft und der Politik und geben Verhaltenstipps, wenn es zu einer Begegnung mit dem scheuen Raubtier kommt. 

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Niehues

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