Gelungene Mischung aus Essen, Musik und Lyrik

„Burns-Night“: Vermächtnis des großen Lyrikers

Festliche Einzug zum Drei-Gänge-Menü: Marc Stünkel marschierte mit dem Dudelsack vorweg, während Organisator Stefan Vormschlag die Spezialität Haggis hereintrug. - Fotos: Brauns-Bömermann

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Gutes Essen und Trinken, dazu Gedichte über soziale Gerechtigkeit und Liberalität sowie eine ordentliche Portion Musik: Diese ungewöhnliche Mischung wurde bei der „Burns-Night“ serviert, die zum vierten Mal im Barnstorfer Welthaus über die Bühne ging. Zu Ehren des berühmten schottischen Lyrikers Robert Burns, einem Freiheitskämpfer und Pionier der romantischen Bewegung aus dem 18. Jahrhundert.

Etwa 60 Besucher fanden Platz in der großen Diele des Welthauses, darunter Bürgermeisterin Elke Oelmann und Pastorin Ilka Strehlow. Sie alle kamen in den Genuss eines Drei-Gänge-Menüs der besonderen Art: Schottische Hühnersuppe mit Backpflaumen, traditionelles Haggis mit Steckrüben und Stampfkartoffeln sowie die Nachspeise „Scotch Trifle“. Damit orientierten sich die Barnstorfer an einem Brauch, der in Schottland von großer Bedeutung ist.

„Es ist das Versprechen auf das Vermächtnis des großen Lyrikers und Denkers, an jedem Neujahr eine Tasse Freundlichkeit zu teilen, um mit Hoffnung für die Zukunft zu beginnen“, erklärte Stefan Vormschlag, der mit seiner Partnerin Manuela Meerhoff die „Burns-Night“ einmal pro Jahr ausrichtet.

Das erste „Burns Supper“ fand im Juli 1801 statt, initiiert von neun engen Burns-, Freunden, die damals an den fünften Todestag des Dichters erinnern wollten. Schauplatz war das Burns Cottage in Alloway, wo die deftige Mahlzeit Haggis zu Vorträgen aus seinen Werken und eine Rede zu Ehren des großen Barden aufgefahren wurden. Die späteren „Burns-Nights“ fanden dann zu Ehren seiner Geburt Ende Januar statt.

Obwohl Robert Burns aus einfachen Verhältnissen stammte, beeindruckte er mit seinem Intellekt und der klaren Sicht die Elite Edinburghs. Schon als Kind hatte er abends nach der Feldarbeit Shakespeare gelesen. Er kam vom Lande und wurde zum Boheme, der sich gekonnt spitzzüngig über die Autoritäten in Kirche und Staat lustig machte und die politische Freiheit und Menschenrechte besang. Er vergaß trotz Ruhms nie seine Wurzeln. Er sammelte traditionelle schottische Lieder, um sie für die Zukunft zu bewahren. Darüber hinaus verfasste der Schotte unzählige hoch poetische und auch frivole Liebesgedichte und setzte sich mit seinen Texten für soziale Gerechtigkeit ein.

Die Werke des Dichters wurden in Barnstorf stilvoll in Szene gesetzt. Zur musikalischen Begleitung der Zeremonie hatten die Organisatoren das Duo „Craic“ engagiert, bestehend aus Dudelsackspieler und Sänger Marc Stünkel sowie Gitarrist Rainer Schnackenberg. Marc Stünkel, der eigentlich Architekt in Wilhelmshaven und vielfacher Schottlandfahrer ist, griff gleich zu Beginn zu seinem Instrument und erzählte, wie Burns trotz seines Jobs als Steuereintreiber die Armen schonte und die Reichen schröpfte. Sigrun Barth fand dazu die Anekdote „Die Blutsauger von der Steuer“ in typisch derber Sprache des „Scottish Dialect“.

Manuela Meerhoff rezitierte mehrfach aus den Werken des berühmten schottischen Lyrikers Robert Burns.

Das Essen wurde mit einem festlichen Einzug des Haggis betont. Dabei handelt es sich um eine schottische Spezialität aus dem Magen eines Schafes, mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt mit Pfeffer. Die Ode an das deftige Mal trugen Manuela Meerhoff und Sigrun Barth vor. Der Text war durchaus politisch: „Alt Schottland wünscht keine Wassersuppe“, hatte Burns zu Lebzeiten gedichtet. Im Verlaufe des Abends las Stefan Vormschlag mehr davon, unter anderem aus der Ballade „Für all das und all das“, wo das arme Volk gegenüber den Edelmänner aufbegehrt: „Mag karg auch uns´re Speise sein, grau unser Zeug und all das. Laßt Narr´n ihr´n Samt, Schurken ihr´n Wein. Ihr Flitterkram und all das: Der Ehrenmann, so arm er sei, ist Menschenfürst ohn´ all das“.

Bei der Belebung der schottischen Traditionen durfte der Whiskey natürlich nicht fehlen. „The independent spirit of Scotland“ stand in liquider Form auf den Tischen. Im Wechsel von Rezitationen und Musik lockerten sich die Zungen zu Rede und Gegenrede, von Mann zu Frau und umgekehrt. Immer humorvoll, nicht angreifend. Das offizielle Ende läutete der Folk-Song „Auld Lang Syne“ ein, im Refrain der Toast „Wir wollen eine Tasse Freundlichkeit teilen nun“.

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