„Ein wandelndes Lexikon“

Hildegard Schubert aus Barnstorf vollendet ihr 100. Lebensjahr

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Großer Tag: Hildegard Schubert aus Barnstorf feiert einen ganz besonderen runden Geburtstag.

Barnstorf - Von Gerhard Scheland. Ein Patentrezept für ihr gesegnetes Alter kennt Hildegard Schubert nicht, aber vielleicht sind es die einfachen Dinge. „Als junges Mädchen habe ich oft Schwarzbrot mit Butter und Zucker mit zur Schule genommen“, erinnert sich die Barnstorferin, „später habe ich dann alles gegessen, was auf den Tisch kam, es gab nichts, was ich nicht vertragen habe.“ Obwohl sich die Seniorin nie besonders gesundheitsbewusst ernährt hat und auch sportlich nicht übermäßig aktiv war, vollendet sie am heutigen Tage ihr 100. Lebensjahr.

Die Jubilarin ist geistig noch erstaunlich rege, hat körperlich allerdings allerhand Wehwehchen. Gesundheitliche Gründe sind auch ausschlaggebend dafür, dass es Hildegard Schubert nicht vergönnt ist, ihr besonderes Wiegenfest in den eigenen vier Wänden an der Schlingstraße in Barnstorf zu feiern. Im Seniorenzentrum Rehden kuriert die Seniorin eine schwere Operation aus. Dort wird sie seit ihrem Krankenhausaufenthalt vor drei Monaten umsorgt.

Für eine kleine Feier im Familienkreise, verbunden mit einer gemütlichen Kaffeetafel, steht der Jubilarin heute Nachmittag der gläserne Pavillon im Garten der Senioreneinrichtung am Mühlenweg zur Verfügung. Angesagt haben sich zu der seltenen Geburtstagsfeier unter anderem der stellvertretende Landrat Heiner Richmann und der stellvertretende Bürgermeister des Fleckens Barnstorf, Ludolf Roshop.

Obwohl es der Seniorin in ihrem Zimmer in Rehden an nichts mangelt, freut sie sich darauf, bald wieder nach Hause zurückzukehren. Dort übernehmen dann Sohn Volker und Schwiegertochter Marion wieder die Pflege der hochbetagten Frau. „Spätestens Weihnachten möchte ich wieder zu Hause sein“, wünschen sich Hildegard Schubert und ihre Angehörigen. „Bis dahin sind in der Wohnung in Barnstorf auch ein paar alters- und behindertengerechte Baumaßnahmen abgeschlossen“, kündigt der Sohn an. Er wolle das Leben im gewohnten Umfeld künftig noch l(i)ebenswerter gestalten.

Die Vita der Hochbetagten verdeutlicht, dass hinter der Jubilarin ein schönes und bewegtes Leben liegt. Sie erblickte im Jahr 1919 auf der heutigen Stätte an der Schlingstraße 28, der damals ersten Privatschule in Barnstorf, das Licht der Welt, wuchs dort mit ihrer älteren Schwester Elfriede auf, die heute im begnadeten Alter von 102 Jahren in Bitburg in der Eifel lebt.

Hildegard Schubert besuchte zunächst die örtliche Grundschule und schloss den weiteren Bildungsweg mit der Mittleren Reife ab. Anschließend vertiefte sie auf der damaligen Höheren Töchterschule in Barnstorf ihr hauswirtschaftliches Wissen. Aber mit dem Unterricht war es nicht getan. Parallel dazu musste sie schon als junges Mädchen auf dem Hof der Eltern schwere Arbeiten erledigen.

Im Jahr 1950 läuteten die Hochzeitsglocken. Hildegard Schubert gab dem Malermeister Erich Schubert in der St.-Veit-Kirche das Jawort. Den Gestalter von Werbeschildern hatte es nach der Flucht aus der schlesischen Heimat in den Flecken Barnstorf verschlagen, wo er sich gemeinsam mit seiner Frau eine neue Existenz aufbaute. Dem Paar war es vergönnt, im Jahr 2000 seine goldene Hochzeit zu begehen. „Ein Jahr später verstarb mein Ehemann – im 81. Lebensjahr“, blickt die Witwe zurück.

Aus ihrer Ehe ging Sohn Volker hervor, der mit Ehefrau Marion und der Mutter unter einem Dach wohnt. Der 66-jährige Barnstorfer ist bestrebt, der Seniorin im vertrauten Umfeld den Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten. Zu den weiteren Nachkommen zählen die Enkelsöhne Markus, Michael und Matthias. Die in Wagenfeld wohnenden Urenkel Aron, Nora und Erik bilden bereits die nächste Generation.

Hildegard Schubert ist in ihrem langen Leben gern und viel gereist. Oft mit ihrem Ehemann Erich, aber auch schon mal allein oder mit guten Freundinnen. „Meine letzte Fahrt habe ich noch ganz allein mit 95 Jahren unternommen“, stellt die Jubilarin ihren Unternehmungsgeist heraus. Ungezählte Fotoalben dokumentieren die vielen Fahrten, unter anderem bis nach Moskau, Venedig und in andere europäische Metropolen.

Und noch etwas zeichnet die Jubilarin im hohen Alter aus. „Meine Mutter weiß so ziemlich alles, was sich früher im Flecken abgespielt hat“, stellt Volker Schubert heraus, „deswegen gilt sie bis heute als Barnstorfer Original und wandelndes Lexikon.“ Zudem nimmt sie rege Anteil am Zeitgeschehen. Sie liest noch täglich das Diepholzer Kreisblatt und schaut sich im Fernsehen Nachrichten, Dokus und auch schon mal Fußballspiele an.

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