Ehemaliger Gasthof Schröder steht vor Abriss / Treffpunkt für viele Vereine

Die Erinnerung wird bleiben

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Schon leicht vergilbt: eine historische Ansichtskarte des Gasthofs von Gustav Schröder in Jacobidrebber.

Jacobidrebber - In Jacobidrebber weicht ein ortsbildprägendes Gebäude noch in diesem Monat einem zweigeschossigen Neubau. Der frühere Gasthof Schröder an der Dorfstraße verschwindet von der Bildfläche.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, lässt Jutta Schröder-Rensmeyer durchblicken. Ein wenig Wehmut schwingt in ihren Worten mit. Verständlich, es ist schließlich ihr Elternhaus, in dem auch die beiden Kinder Anne-Christin und Jörg aufgewachsen sind und an dem man nun einmal hängt.

Verständlich auch, dass der „Findungsprozess“ fast ein Jahr gedauert hat. Mit Architekt Heinrich Staats sind viele Gespräche geführt und detaillierte Untersuchungen vorgenommen worden. „Oft werden alte Häuser zu Unrecht viel zu früh dem Erdboden gleich gemacht“, beklagt Heinrich Staats voreilige Schritte. In diesem Fall allerdings sei der Abriss angesichts der schlechten Bausubstanz, gemessen an den heutigen Anforderungen, der einzig richtige Weg.

Der Gasthof Schröder hat eine lange Tradition, die vom Bauern und Gastwirt Gustav Schröder im Jahr 1909 begründet und vom gleichnamigen Sohn Gustav und dessen Ehefrau Elfriede fortgesetzt wurde. Bei ihnen war der Gast wirklich König. Elfriede kümmerte sich um die Küche, während der Ehemann die Hoheit über den Zapfhahn hatte. Es gab gepflegtes Pils, dazu kühlen „Köm“ oder auch leckeres Essen. Die Gäste konnten auch ihre Alltagssorgen abladen und sich von den Schröders in ihrer gewohnt freundlich-verbindlichen, zurückhaltenden Art wieder aufrichten lassen.

In Drebber soll der Bedarf an Gaststätten früher immer groß gewesen sein, schreibt Dr. Hans Gehrke in der zum 1000. Geburtstag der Gemeinde Drebber herausgegebenen Chronik. Der Grund dafür habe sicher nicht daran gelegen, dass die Bewohner ein trinkfreudiges Völkchen seien. In Cornau und Jacobidrebber habe wahrscheinlich auch die Durchgangsstraße mit ihrem Verkehr einen entsprechenden Einfluss gehabt. Ähnlich wie die Kirchen hätten auch die Gaststätten oft im Ortsmittelpunkt gelegen. Diese gegenseitige Nachbarschaft sei aber nicht immer erwünscht gewesen und habe sogar zu Beschwerden bei der Kurfürstlichen Kanzlei in Hannover geführt.

Laut Chronik gab es im Jahr 1800 elf Schank- und Gastwirtschaften in Drebber. Im Jubiläumsjahr 1980 waren es sogar 16 Lokale, zum Teil mit separaten Gesellschaftsräumen und gut eingerichteten Fremdenzimmern. Heute gibt´s in der Gemeinde Drebber – ohne Dorfgemeinschaftshäuser und Schützenhallen mit Ausschank – noch acht: Friemann, Halfbrodt, Steinbrink, Koch, Niedermeyer, Logemann, Da Claudio und Jockels Pinte.

Das behagliche Gasthaus Schröder war damals Treffpunkt für viele Vereine. Neben den Schützen aus Jacobidrebber, den Moor- und Forstinteressenten sowie Jagdgenossen kehrten auch der Turn- und Sportverein sowie der Posaunenchor hier gerne ein. Schon immer war der Name Schröder eng mit der Feuerwehr verbunden, für die dieser Gasthof schon so etwas wie eine zweite Heimat war. 50 Männer aus Jacobi- und Mariendrebber trafen sich hier am 14. März 1924, um die Feuerwehr aus der Taufe zu heben. Gustav Schröder selbst, seine Tochter Jutta und auch sein 2012 verstorbener Schwiegersohn Hartmut Rensmeyer waren der Feuerwehr immer eng verbunden.

Im Jahr 2003 wurde das Lokal aus Altersgründen der Betreiber geschlossen. Das Gebäude wurde noch bis Juni 2014 bewohnt. Nun sollen an dieser Stelle, direkt am neuen Dorfplatz, vier exklusive zweigeschossige Mietwohnungen samt Carports, Abstellräumen und Gartenanlage entstehen. Die Fertigstellung ist im Frühjahr 2016 vorgesehen. Damit kann das spannende Kapitel „Gasthof Schröder“ endgültig zu den Akten gelegt werden. Die Erinnerung indes an ein gastliches Haus mit wechselvoller Geschichte wird bleiben.

rdu

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