Ehemaliger Archivar zu Besuch in Barnstorf / Tausende digitalisierte Bilder

Stellmach überlässt sein Lebenswerk der Gemeinde

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Bei seinem Besuch im Barnstorfer Rathaus hatte Erwin Stellmach (Mitte) mehrere Datenträger im Gepäck. Dafür interessierten sich (v.l.) Renate Kunstmann, Jürgen Lübbers, Fritz Radtke, Detlef Moss und Annegret Johanning.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Die Zeiten, in denen Erwin Stellmach im Barnstorfer Rathaus nahezu täglich ein- und ausging, liegen schon einige Jahre zurück. Doch als der ehemalige Gemeindearchivar jetzt an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, ist er wieder schnell in seinem Element. „Ich habe noch ein paar Disketten für Sie mitgebracht“, sagt der 86-Jährige und holt ein Dutzend Datenträger aus seiner Tasche hervor. Die digitalisierten Bilder rufen ein Entzücken bei seiner Nachfolgerin hervor: „Oh, es gibt wieder Arbeit“, freut sich Renate Kunstmann.

Der Besuch in Barnstorf ist kein Zufall. Die Verwaltung hat den in Bremen wohnhaften Stellmach und einige seiner früheren Weggefährten zu einer Kaffeetafel eingeladen, um sich für die Unterstützung in jüngster Vergangenheit zu bedanken. Zuletzt hatte der 86-Jährige mehrere Kartons mit Archivmaterial abholen lassen, das sich nun im Eigentum der Gemeinde befindet. Dass er dabei von seinem „Lebenswerk“ sprach, drückt die große Bedeutung des Materials aus.

Bei dem Wiedersehen im Rathaus würdigt Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers das Engagement von Stellmach, der von 1985 bis 2010 das Gemeindearchiv führte. „Sie haben das mit viel Idealismus, Liebe zur Heimat, Interesse an Geschichte und unwahrscheinlichem Engagement wahrgenommen“, sagt der Verwaltungschef und fügt mit Blick auf die letzten Jahre hinzu: „Es ist bemerkenswert, was Sie auch im hohen Alter noch gemacht haben.“

Neben der Archivpflege hat Stellmach an heimatkundlichen Ausstellungen mitgewirkt, Monatsblätter verfasst und Projekte zu unterschiedlichen Themen unterstützt. Auch nach seiner Verabschiedung legte er die Hände nicht in den Schoß. Immer wieder stöberte er in seinem reichhaltigen Fundus, um die Bilder anschließend in öffentlichen Vorträgen über die Vereinswelt, das Landleben, die Wintershall und die Bundeswehr sowie anderen Themen zu präsentieren.

„Ich habe das aus Spaß gemacht. Es war ein Hobby und die reine Lust“, erklärt der 86-Jährige. Gerne denkt er an seine damalige Zeit in Barnstorf zurück, an seine Tätigkeit bei der Wintershall, seinen Vorsitz in der Fördergemeinschaft und seine Selbstständigkeit als Inhaber eines Schreibwarengeschäftes, das es ihm ermöglichte, mit Menschen in Kontakt zu kommen und neue Anregungen für sein Hobby zu erhalten. So bildete sich eine stattliche Sammlung mit eigenen Bildern, aber auch mit Fremdmaterial, das er beispielsweise von Fotograf Fritz Radtke erhielt.

Für die heutige Gemeindearchivarin Renate Kunstmann ist das Material ihres Vorgängers ein Schatz und Verpflichtung zugleich. Wohl mehrere tausend Bilder müssen noch in den Bestand eingearbeitet und dafür digitalisiert werden. Kunstmann hofft, dass sich das Archiv mit seinen unzähligen Bildern, Schriftstücken und Chroniken weiter vermehrt und ist in diesem Punkt auch ganz zuversichtlich. „Es gibt nicht nur Leute, die sich Informationen holen, sondern auch etwas bringen.“

Ein zusätzlicher Ansporn ist für Kunstmann die rege Nachfrage. Aus dem Besucherbuch gehe hervor, dass etwa 80 bis 100 Menschen pro Jahr die Einrichtung nutzen und teilweise mehrere Tage in dem Material stöbern. Viele Menschen würden Ahnenforschung betreiben. Dazu geb es jährlich etwa 50 schriftliche Anfragen, unter anderem von Schülern und Studenten, sei es für Ausstellungen oder auch Spurensuche. „Das zeigt, wie wichtig ein Gemeindearchiv ist“, sagt Kunstmann.

„Was im Archiv aufgebaut wurde, kann sich sehen lassen. Es ist wichtig, dass es aktiv weiterbetrieben wird“, unterstreicht Lübbers. Sein Dank gilt allen Beteiligten und ganz besonders Stellmach. Der überreichte Gutschein für das Hotel Roshop soll ihn dazu animieren, wieder nach Barnstorf kommen, um vielleicht alte Weggefährten zu treffen oder auch einen Blick in „sein“ Archiv zu werfen.

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