Dünger und Kristalle erinnern an Verstorbene

Neue Bestattungsformen bei Messe „Und dann …?!“ in Barnstorf

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Diesen Museumskoffer zum Thema Tod stelle Marlene Krause vor. Sie hat das didaktische Lernwerkzeug Schulen der Region angeboten, bisher noch ohne Resonanz.

Barnstorf - „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können“, schrieb der berühmte Schriftsteller Jean Paul zum Thema Tod. Wie man diese Erinnerung wachhält und sich daran erfreut, dazu veranstaltete am Sonntag die Interessengemeinschaft Gesundes Leben (Igel) in Barnstorf ihre erste Bestattungs-Informationsmesse.

Natürlich war der Schritt über die Schwelle, wenn davor ein Leichenwagen mit geöffneter Heckklappe und eine Art Rettungswagen mit Aufschrift: „Sternenfahrten – wir erfüllen letzte Wünsche“ vom Ambulance-Service-Nord standen, nicht so leicht für jeden. Dennoch fanden einige Interessierte den Weg am Volkstrauertag, um sich zu informieren und Formen des ganz persönlichen Abschieds zu finden.

Keiner wird gefragt, wann es ihm recht ist, Abschied zu nehmen, von dem Menschen, den er liebt. Wer jedoch gestern den Schritt in Richtung der Aussteller, die keine Furcht vor dem Thema Tod haben und professionelle Hilfen anbieten, wagte, der hatte gewonnen.

Im gesamten Mehrgenerationenhaus standen Ansprechpartner zu verschiedenen Themen zur Verfügung. Die Messe verstand sich als Auftakt für die anschließende Themenwoche.

Erinnerungskristalle mit Kremations-Asche

Sich der Schwierigkeit bewusst, dass in Familien entweder gar nicht oder nur im Ernstfall gesprochen wird über das Prozedere nach dem Finalfall, oder dass nur eine Partei, Kinder oder Eltern, sich frühzeitig über das Thema informieren möchten, berieten die Aussteller einfühlsam und gaben Informationsmaterial mit. „Einfach mal der Mutter oder dem Vater hinlegen“, empfahl Sabine Möller von „Sternspuren“, einem Anbieter für Erinnerungskristalle mit Kremations-Asche. Sie zeigte kleine Kunstwerke mit einem letzten Teilbestand der Angehörigen in Form einer Kette oder Skulptur.

Das Ehepaar Marlene und Florian Krause aus Dörpel hatten so frische Ideen dabei, dass die Vorsorge für den Todesfall fast Spaß machte: Friedwald, Ruheforst und die neueste Idee „Remember in Green“, eine spezielle Baumbestattung. „Aufgrund unserer Zwangsbestimmungen in Deutschland werden die Bestattungen in Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden durchgeführt“, erläutert Krause. Nach Einäscherung und Überführung dient die Asche als Dünger für den Baum, den die Familie nach rund einem halben Jahr erhält. Er kann dann gepflanzt werden. „Auch in Ihrem Garten“, ergänzt Krause. „Keine Urne, kein Sarg, ein Baum kommt zu Ihnen zurück“.

Selbsthilfegruppen bieten Beratung rund ums Sterben an

Ein weiteres Novum ist die Wasserurne des holländischen Anbieters „Waterurn“. In Holland stehen die kugelrunden Begräbnisstätten, in die das Regenwasser rund zehn Jahre langsam rinnt durch die Asche des Verstorbenen, bis sie endgültig in den Stoffkreislauf entlassen wird, in den Gärten. In Deutschland kann sie nach Absprache auf dem Friedhof Platz finden.

Neue Bestattungsformen überraschten die Besucher genauso wie die Ideen verschiedener Vereine. Vor Ort waren unter anderem die Selbsthilfegruppen „Jung verwitwet“ aus Bremen und umzu (Reinhild Egbers), die Gruppe „Warum?!“ (Silvia und Reinhard Kück), die sich um Angehörige um Suizid in Barnstorf kümmert, oder der Bundesverband „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister“ (Bernd Damerau).

„Gibt’s im Himmel auch Spaghetti?“

Auf die Frage: „Gibt´s im Himmel auch Spaghetti?“, wird Marlene Krause am Dienstag, 21. November, um 19 Uhr im Igel-Stützpunkt Antworten geben, wenn sich die Erzieherin und in Ausbildung befindliche Kinder- und Jugendtrauerbegleiterin dem Thema „Kinder trauern anders“ in der Themenwoche annimmt.  - sbb

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