Fischerstechen auf der Hunte

Duell auf dem Wasser: Außergewöhnliche Ferienspaß-Aktion begeistert in Barnstorf

Mit Lanzen galt es sein Gegenüber mit Stößen aus der Balance zu bringen und so ins Wasser zu befördern.
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Mit Lanzen galt es sein Gegenüber mit Stößen aus der Balance zu bringen und so ins Wasser zu befördern.

Barnstorf – Wie einst die Ritter auf ihren Pferden mit Lanzen bewaffnet im Duell ging es jetzt auch auf der Hunte in Barnstorf zu. Das Fischerstechen-Turnier stand erstmalig auf dem Programm des Barnstorfer Ferienspaß-Programms.

Insgesamt neun Kinder aus dem Hunteflecken im Alter zwischen 10 bis 16 Jahren trafen sich am Tipi-Zelt von Jörg Oelmann. Nach einer Kanu-Tour fing das Turnier an. Jugendpfleger Ole Sterzik, Erzieherin im Jugendzentrum Bianca Keller und Diakon und Leiter des Jugendzentrums Jörg Brand koordinierten die Duelle auf dem heimischen Fluss.

Die Herausforderer begaben sich auf die organe-farbenen Stand-Up-Boards. Ursprünglich standen die Fischerstecher auf Booten. Ein Navigator steuerte das wackelige Gefährt sitzend. Team-Arbeit und Absprachen waren gefragt, um möglichst schwungvoll in das Duell zu steuern.

Bei der Regel-Einweisung stellte Sterzik klar: „Die Lanze des Gegners darf nicht festgehalten werden. Mit der eigenen Lanze darf nur gestoßen und nicht geschwungen werden. Ebenso dürfen keine Stöße unterhalb der Gürtellinie landen. Auch der Hals und Kopf sind tabu.“ Wer als Erstes nass wird, hat verloren. Sollten beide Kontrahenten zeitgleich im Wasser landen, gilt unentschieden.

Die erste Auflage des Fischerstechen-Turniers auf der Hunte am Tipi-Zelt begeisterte neben den Betreuern auch die insgesamt neun Kinder aus Barnstorf.

Die Lanzen der jungen Fischerstecher aus Barnstorf waren Marke Eigenbau: Am Ende eines dicken Bambusrohrs befestigten die Betreuer mit Tape einen Box-Handschuh. Diese „Waffe“ sollte möglichst wenig Gefahrenpotenzial beherbergen, erklärte Jungendpfleger Sterzik.

Generell stand bei dem Fischerstechen-Turnier die Sicherheit – neben dem Spaß – an erster Stelle. Die Hunte, mit ihrer geringen Wassertiefe und der leichten Strömung eigne sich besonders gut für das Fischerstechen.

Tradition stammt aus Süddeutschland

„Ursprünglich kommt diese Tradition aus Süddeutschland. Ich habe ein solches Turnier in Bremen-Hemelingen mitverfolgen können“, sagte Sterzik und bettete die Aktion in das diesjährige Ferienspaß-Programm ein. Er könne sich vorstellen, das Fischerstechen bei weiteren Barnstorfer Veranstaltungen, wie dem Huntezauber im Hunteholz, anzubieten.

Balance, Koordination und Kraft seien laut den Betreuern gefragt, um ein Duell für sich zu entscheiden. Neben der Beinmuskulatur war nach einigen Duellen auch die Armmuskulatur gefragt. Die Boxhandschuhe sogen sich mit Wasser voll und erschwerten den Kindern den Angriff.

Beim Fischerstechen-Turnier in Barnstorf gingen auch die Betreuer, wie hier Ole Sterzik, im Duell baden.

Nach einigen Durchgängen schwangen sich erst Betreuerin Bianca Keller und anschließend Jugendpfleger Ole Sterzik sowie Jörg Oelmann auf das Stand-Up-Board. Rund 130 Kilo könne ein Board tragen.

Samt Navigator am Heck des flachen Wassergefährts zeigten die Erwachsenen, das auch Ehrgeiz beim Fischerstechen dazu gehört. Niemand wollte freiwillig im kühlen Nass landen. Unter den Rufen der anderen Teilnehmer schenkten sich Oelmann und Sterzik wenig. Auf wackeligem Untergrund und nach drei Durchgängen entschied letztendlich der Jugendpfleger der Samtgemeinde das Duell für sich.

Allen Beteiligten war der Spaß aber auch die Anstrengung anzusehen.

„Die Aktion sollten wir in den kommenden Jahren wieder anbieten. Die Sommerferien eignen sich dafür besonders gut“, so Sterzik.

Das Fischerstechen

Mit Fischerstechen wird ein alter Fischerbrauch bezeichnet. Der gleiche Brauch ist auch als Schifferstechen bekannt, der seinen Ursprung meist in der Fluss- und Transportschifffahrt hat, beispielsweise bei der Salzschifffahrt. Es stellt einen sportlichen Wettkampf zwischen zwei Mannschaften dar, die auf (Ruder-)Booten gegeneinander antreten. Ziel ist es in der Regel, die Mitglieder der anderen Mannschaften mithilfe eines Speeres oder einer Lanze von ihren Booten ins Wasser zu stoßen. Fischerstechen wird hauptsächlich in Deutschland, Frankreich und der Schweiz praktiziert. Die Anfänge reichen bis in die Zeit der Alten Ägypter zurück. Als Volkssport duellierten sich die Ägypter auf dem Nil. An die fünfzigmal konnten in ägyptischen Gräbern des Alten und Mittleren Reiches Nachweise für das Fischerstechen gefunden werden. In keiner anderen antiken Kultur konnte der Brauch nachgewiesen werden.

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