Urteil des Landgerichts

Drei Jahre Haft für Barnstorfer: Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes

Verden /Barnstorf - Von Wiebke Bruns. Manche in Barnstorf nannten den Angeklagten schon mal „Pädo“, so hatte es das Amtsgericht in Diepholz in erster Instanz festgestellt. Dennoch ist offenbar nie jemand eingeschritten, als immer wieder Jungs bei ihm zu Besuch waren.

Das Ganze ging über Jahre, nun muss der mittlerweile 70 Jahre alte Mann aus Barnstorf ins Gefängnis. Drei Jahre Haft wegen schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes, lautet das in einer Sitzung am Landgericht Verden rechtskräftig gewordene Urteil.

Angefochten wurde von dem Angeklagten ein Urteil des Amtsgerichts aus Dezember 2016. Anklage erhoben hatte die Staatsanwaltschaft Verden im September 2016, nachdem sich im Jahr zuvor ein Opfer einer Psychologin anvertraut hatte.

Zum Opfer war der Junge erstmalig im Alter von elf Jahren geworden. So wie weitere Kinder aus Barnstorf war er häufiger zu Besuch bei dem unverheirateten Mann gewesen. An einem Sommertag im Jahr 2008 hatte der heute 70-Jährige das Kind erstmalig missbraucht. Der Junge war dennoch weiter zu dem Mann gegangen, weil es dort, anders als zu Hause, nach Belieben Fernsehgucken und Computer spielen durfte.

Wenn er sexuelle Handlungen erduldete, gab es später Zigaretten. Immer nur so wenig, dass er bald wieder zu dem Mann kam. „Neben einer sexuellen Beziehung verband die Beiden einer Freundschaft“, heißt es andererseits in dem Urteil aus erster Instanz.

Wohl mehrere Jungen betroffen

Mehrere Jungen sollen bei dem Mann ein und aus gegangen sein und in dem Urteil wird mindestens ein weiteres Opfer namentlich benannt. Im Januar 2013 waren der inzwischen Jugendliche und ein 15-Jähriger nach einem Discobesuch mit dem Angeklagten nach Hause gegangen. 

Das Opfer aus dem Prozess hatte geahnt, was passieren würde, war dann weggegangen und hatte die Polizei informiert, so die Schilderung im Urteil. Diese fand den 15-Jährigen nur mit einer Unterhose bekleidet im Bett des Angeklagten, der damals behauptet hatte, auf dem Sofa geschlafen zu haben.

In dem Prozess ging es nur um zwei an dem anfangs Elfjährigen verübte Taten. Alles weitere konnte nicht ausreichend konkretisiert werden. In erster Instanz hatte der Angeklagte diese Taten bestritten. Es war ein Sachverständiger mit der Begutachtung des Opfers beauftragt worden. Das Urteil nach mehrtägiger Hauptverhandlung: drei Jahre und vier Monate Haft.

Am Landgericht Verden wollte der 70-Jährige eine mildere Strafe erreichen. Dass Bewährung nicht in Betracht kam, darauf hatte ihn sein Verteidiger vorbereitet. Nach Verlesen des Diepholzer Urteils erklärte der Angeklagte: „Ich habe diese Taten begangen und bereue sie zutiefst. Es ist alles so gewesen, wie Sie es vorgelesen haben.“

Dieses Geständnis wurde positiv gewertet und nach Zustimmung des Opferanwalts wurde der zweite Fall eingestellt und im Gegenzug hat der Angeklagte seine Berufung zurückgenommen. Somit reduzierte sich die Strafe auf drei Jahre und weder das Opfer noch andere Zeugen mussten noch einmal aussagen.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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