Dörfliche Strukturen einbeziehen

Kirchengemeinden in der Samtgemeinde Barnstorf nehmen Stellung zu Ideen der Landeskirche

Die Jacobikirche in Drebber ist für viele Gemeindeglieder nach wie vor ein Ort der Begegnung, meint Kirchenvorsteher Matthias Peinz.
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Die Jacobikirche in Drebber ist für viele Gemeindeglieder nach wie vor ein Ort der Begegnung, meint Kirchenvorsteher Matthias Peinz.

Die Landeskirche Hannovers will sich den Problemen der Gegenwart mit einen sogenannten Zukunftsprozess stellen. Die evangelischen Kirchengemeinden in der Samtgemeinde beziehen Stellung.

Barnstorf – Mitgliederverluste möglichst minimieren und Einnahmerückgänge kompensieren. Das sind zwei der Hauptziele, die sich die evangelische Landeskirche Hannovers für die kommenden Jahre mit ihrem „Zukunftsprozess“ auf die Fahne geschrieben hat. Was die Kirchengemeinden in der Samtgemeinde Barnstorf davon halten und wie sie den Problemen vor Ort begegnen wollen, erzählen sie im Gespräch mit dieser Zeitung.

Von einem Stellenabbau wegen ausbleibender kirchlicher Einnahmen hält Mathias Peinz, Vorsitzender im Kirchenvorstand von Jacobidrebber, reichlich wenig. Wegen des dörflichen Charakters sei die Kirche in Drebber nach wie vor ein Ort der Begegnung. „Deswegen ist es wichtig, auch einen Pastor und damit ein Gesicht für das Pfarramt zu haben“, sagt er. Sein Pendant für Mariendrebber, Karin Steinhöfel, sieht das genau so. „Wir haben vor einigen Jahren ja schon eingespart.“ Früher habe es noch zwei Pastoren gegeben, einen für jede Gemeinde. Jetzt betreut Pastor Rainer Hoffmann beide Gemeinden. Hinzu kämen noch Aschen und Dickel. „Wir sind flächenmäßig sehr groß“, so Steinhöfel. Ohne einen Pastor sei gute Gemeindearbeit deswegen nur schwer möglich.

Mitgliederverluste auch bei den Kirchengemeinde in der Samtgemeinde Barnstorf

Torben Schröder ist Pastor der St. Veit-Kirchengemeinde in Barnstorf. Er bestätigt den Mitgliederschwund auch für die Barnstorfer Gemeinde. „Die Zahlen sprechen für sich“, sagt er und führt es auch auf den demografischen Wandel zurück. „Wir beerdigen rund 100 Menschen im Jahr, taufen aber nur etwa 35“, erklärt er. Die Kirchenvorsteher aus Drebber sehen das Hauptproblem nicht in Austritten, sondern in den Sterbefällen. „Dadurch haben wir massiv an Mitgliedern verloren“, so Peinz.

Für den Vorsteher für Jacobidrebber unterscheiden sich die Strukturen von dörflichen und städtischen Kirchengemeinden deutlich. „Ich bin immer vorsichtig, etwas zu kommentieren, was die Landeskirche aus städtischer Sicht sagt“, meint er. Er hält es dennoch für bedenklich, Einnahmerückgänge durch einen Sparkurs aufzufangen. „Da fehlt mir manchmal der Mut und ich frage mich, ob das der richtige Weg ist.“ Er fordert, zu investieren und noch stärker auf die Menschen in der Gemeinde zuzugehen.

Neue Akzente setzen, um potenzielle Kirchgänger zu erreichen

Auch die St. Veit-Kirchengemeinde beschäftigt sich mit der Frage, wie potenzielle Kirchgänger noch direkter angesprochen werden können. Besonders eine Zielgruppe liegt ihm dabei am Herzen: „Wenn ich die Austritte beobachte, ist die Altersgruppe 20 bis 40 Jahre am stärksten vertreten. Und für diese Zielgruppe haben wir, ehrlich gesagt, auch die wenigsten Angebote“, sagt Schröder verständnisvoll. Daher müsse die Gemeinde „fröhlich und offen“ auf diese Personengruppe eingehen. „Für die kommenden Jahre wollen wir verstärkt auf junge Familien setzen“, so der Pastor. Geplant sei für das kommende Jahr ein Familiengottesdienst, der einmal im Monat stattfinden soll. „Der ist kürzer und knackiger als ein traditioneller Gottesdienst. Die Botschaft ist leicht verständlich für Eltern und Kinder, insgesamt ein bisschen frischer“, erklärt er,

Es sei wichtig, neue Akzente zu setzen: „Vielleicht sind wir durch den Zukunftsprozess aus dem Dornröschenschlaf geweckt worden.“ Die Barnstorfer Kirchengemeinde hat deswegen ein neues Konzept für einen Abendgottesdienst ab 2022 entworfen. „Wir nennen ihn Experimentiergottesdienst, bei dem sich jeder, der will, einbringen kann.“ Schrörder beschreibt ihn als „Crossover“, Er erklärt: „Wir fragen Menschen, die nicht direkt etwas mit Kirche zutun haben, direkt, worauf sie Lust haben.“

Kirchengemeinden fürchten nicht um die unmittelbare Zukunft

Auch die Kirchengemeinden aus Drebber beschreiten regelmäßig neue Wege, wenngleich die Corona-Krise manchmal eine Art Bremse darstellt. Beispielsweise Gottesdienste in Aschen und Dickel. „Wir haben vor Corona damit angefangen, auch in die kleineren Orte zu gehen und dort Gottesdienste zu gestalten“, sagt Steinhöfel. Durch Corona liege dieses Angebot nun erst einmal auf Eis. Aber weil das zuvor „sehr gut angenommen wurde, planen wir, das auch 2022 wieder zu machen.“

Angst um die unmittelbare Zukunft der Kirchengemeinden in der Samtgemeinde Barnstorf haben alle nicht. Besonders der gemeindeübergreifende Austausch funktioniere gut. „Wir dürfen uns nicht von anderen isoliert betrachten“, sagt Schröder. So könnten sich Gemeinden untereinander gut ergänzen. In Drebber werde das derzeit schon erfolgreich getan, meint Steinhöfel. Das zeige sich am gemeinsamen Gemeindebrief, der Kinderkirche und den Konfirmanden. Steinhöfel: „Die Verbindung zwischen den Gemeinden haben wir sicherlich unseren Pastoren zu verdanken.“

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