Als DJ allein, aber überhaupt nicht einsam

Livestream aus Barnstorf: Thorsten Brüggemann legt zu Silvester auf

Vor einem Greenscreen steht Thorsten Brüggemann, um seine Live-Streams aufzunehmen. „Da kann ich alles drauf projizieren“, erklärt der DJ.
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Vor einem Greenscreen steht Thorsten Brüggemann, um seine Live-Streams aufzunehmen. „Da kann ich alles drauf projizieren“, erklärt der DJ.

Thorsten Brüggemann hat 2020 angefangen, seine DJ-Sets live im Internet zu streamen. Er dachte, dass er das nicht mehr muss, weil die Corona-Lage sich verbesserte. Jetzt legt er doch wieder per Live-Stream an Silvester auf.

Barnstorf – „Ich habe gedacht, dass ich das nicht mehr machen muss“, sagt Thorsten Brüggemann. Er meint seine Live-Streams, die er als Discjockey (DJ) zu Hochzeiten der Corona-Krise im Zwei-Wochen-Turnus angeboten hat. „Ich habe mich Ende Mai davon verabschiedet, weil ich dachte, dass ich wieder ganz normal vor echtem Publikum auftreten kann.“ Doch jetzt erleben seine DJ-Live-Streams angesichts der vierten Corona-Welle einen zweiten Frühling. Für Silvester plant der Hobby-DJ eine frei zugängliche Online-Party.

„Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich einer der ersten DJ war, die mit Live-Streams angefangen sind“, sagt Brüggemann. Im April 2020 stand er zum ersten Mal vor einer Kamera und legte online auf. Wohl fühlte er sich zu Anfang überhaupt gar nicht. „Es war komisch und gruselig“, erinnert er sich. „Ich habe mich gefühlt ,wie Hein Blöd‘.“ Besonders die fehlende Interaktion mit dem Publikum habe ihm gefehlt. „Du stehst da ganz alleine und erhältst überhaupt keine Reaktionen.“ Die Sicherheit und Souveränität in seinem Auftreten habe sich erst mit der Zeit entwickelt. „Ich habe irgendwie angefangen, so zu tun, als wären da 100 Menschen vor mir. Ich habe gefeiert und die Leute zum Tanzen animiert.“

Polizei stattet Brüggemanns Live-Stream einen Besuch ab

Einmal habe er im Lockdown so sehr alleine Party gemacht, dass sogar die Polizei ihm einen kurzen Besuch abstattete. „Die dachten echt, hier feiern ganz viele“, sagt Brüggemann lachend. Als die Polizisten bemerkten, dass außer ihm sonst niemand da war, hätten sie erst einmal verdutzt geguckt und seien dann auch schnell wieder weg gewesen, weil sie nicht mit auf die Live-Aufnahmen wollten. Für den unerwarteten Besuch hatte der DJ eine Erklärung: „Ich habe die Musik für mich natürlich ,volles Mett‘ an, ich muss ja auch irgendwie in Stimmung kommen“, sagt er und grinst.

Echte Auftritte seien zwar nicht durch Live-Streams auszugleichen, aber mittlerweile freut sich Thorsten Brüggemann auch auf seine eigenen Online-Events. Am Silvesterabend wird es das nächste Mal so weit sein. „Um 19 Uhr geht es los“, verrät er. Zu sehen sein wird sein Auftritt auf den Plattformen Twitch, Youtube und Facebook. Er erzählt: „Musikalisch wird es eine kunterbunte Mischung. Ich habe nichts Spezielles geplant.“ Erst ab 1 Uhr am Neujahrstag soll es in eine bestimmte Richtung gehen, so der DJ. „Dann gibt es ein Electro-Special für die jüngeren Zuschauer. Vielleicht haben die da ja Bock drauf“, sagt er hoffnungsvoll.

Der Greenscreen

„Ich habe den großen Vorteil, dass ich einen Greenscreen habe“, sagt Hobby-DJ Thorsten Brüggemann. „Da kann ich alles drauf projizieren, was ich will.“

Während seiner Live-Streams, in denen er Musik auflegt, steht hinter ihm eine grüne Leinwand. Durch Computer-Programme erscheint die Wand in der Live-Übertragung allerdings gar nicht grün, sondern so wie es derjenige, der den Stream ins Internet überträgt, will. Das kann alles sein: eine Strandpromenade, eine Bar, eine Theaterbühne.

„Bei mir hängt das vom Motto meines Auftritts ab“, erklärt Brüggemann. „Einmal habe ich den Verkaufstresen der Westfalen-Tankstelle ins Bild projiziert. Später kamen Leute an und fragten mich, ob ich wirklich während der Öffnungszeiten Musik hinter dem Tresen gemacht hätte. Das war witzig“, erinnert er sich.

Und was passt thematisch besser zum bevorstehenden Silvester-Stream des Hobby-DJ als ein Feuerwerk zum neuen Jahr? Quasi nichts. „Deswegen wird es hinter mir garantiert ein Feuerwerk zu sehen sein.“

Außerdem habe ein Auftritt im Stream einen großen Vorteil gegenüber realen Veranstaltungen: „Du bist nicht ortsgebunden. Jeder kann theoretisch von überall auf der Welt zugucken. Bei mir haben schon einmal Leute zugeguckt, die kamen aus Afrika. Die haben mal hier in der Region gelebt und sind ausgewandert. Das war total cool, dass sie dabei waren.“

In der Regel habe Brüggemann bei seinen Live-Streams im Lockdown zwischen 200 und 400 Zuschauer gehabt. „Aber das sind die Zahlen, von denen ich etwas mitkriege“, sagt er. Möglicherweise seien es manchmal auch mehr, aber das könne er dann nicht mehr zurückverfolgen. „Menschen, die ohne eine Anmeldung bei Youtube zugucken, werden zum Beispiel nicht erfasst“, erklärt er. Brüggemann hofft, dass er auch am Silvesterabend eine ähnliche Zuschauerzahl erreichen kann.

Zuschauer können im Chat miteiander kommunizieren

Um ein wenig Spannung in die Sache zu bringen, kündigt er für seinen Stream an, dass er sich darum bemühen werde, einen Countdown zum neuen Jahr zu starten, auch wenn es schwierig sein werde. „Der Stream ist brutal zeitversetzt“, erklärt Brüggemann. Bis zu 40 Sekunden könne dieser hinterherhinken. Um das aufzufangen, brauche er jemanden, der ihm zum Jahreswechsel sagt, wie groß die Zeitverzögerung ist, damit er den Countdown so starten kann, dass es am Ende passt.

Während des Streams haben die registrierten Zuschauer die Möglichkeit, mit Brüggemann selbst und den anderen Gästen in Echtzeit via Chatfunktion zu kommunzieren. „Darin können sie ihre Musikwünsche äußern“, sagt der DJ. Es sei in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass sich im Chat eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat. „Jeder kann sehen, was geschrieben wird. Das ist manchmal total lustig. Es entstehen dann richtige Gespräche, während ich die Musik auflege.“

Streams

Twitch

Facebook

Youtube

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