Während eines dreistündigen Diskussionsabends bringen viele Besucher ihre Besorgnis deutlich zum Ausdruck

Der Wolf wird bleiben – die Angst auch

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Der Wolf polarisiert, und die Fragen brennen den Menschen im Raum Barnstorf auf den Nägeln.

Barnstorf - Nein, ausräumen konnten sie die Ängste nicht. Aber die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen gaben während des Diskussionsabends im Barnstorfer Umwelt- und Erlebniszentrum viele Informationen und vor allem Raum zum Diskutieren zu einem Thema, das zurzeit die Gemüter erhitzt: der Wolf.

Doch während der rund dreistündigen Debatte konnten Befürworter und Skeptiker auch eine erstaunliche Erkenntnis gewinnen: Sie sind sich näher als sie dachten. Viele Jäger, Naturschützer und Landwirte waren gekommen, aber auch Eltern von Kindern in Waldkindergärten, Reiterinnen, Spaziergänger und Jogger. Also alle, denen der Gedanke an eine Begegnung mit dem Wolf einen Schauder über den Rücken jagt. Um genau diese Ängste abzubauen, hatte Nabu zwei Informationsvorträge zum Wolf allgemein und dem Konflikt von Wolf und Nutztieren organisiert. Einige Gäste waren jedoch verärgert über die Länge der Vorträge von Heiko Drawe vom Nabu aus der Lüneburger Heide und Nicole Benning von der Schäferei Wümme-Niederung Scheeßel Westerholz und vom Verein für arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland. Ihnen brannten nämlich die klassischen Angstfragen zum Wolf in relativer Nähe zum Menschen – vor allem zu Kindern, Nutz- und Hobbytieren – unter den Nägeln.

Die Positionierung des Nabu war deutlich: Der Wolf ist da, artgeschützt und es müssen Schutzmaßnahmen ergriffen und für diese die Förderung bei der Landesregierung vehement eingefordert werden. „Wir müssen wieder lernen, mit dem Wolf zu leben“, eröffnete Ariane Müller, Nabu-Wolfsbotschafterin den Abend. „In der Lüneburger Heide und in Sachsen klappt das sehr gut.“

Die Vertreter des Nabu legten viel Wert auf Objektivität, „Geschimpfe und Beschimpfen bringen nichts, wir haben auch kein Interesse daran, dass unentwegt Schafe gerissen werden“.

Dr. Karl-Heinz Düvelsdorf aus Barnstorf empfand die Informationen des Nabu als ausgeprägtes „Sendungsbewusstsein“ und vermisst den Wolf nicht.

Egon Schumacher aus Barnstorf vermittelte als Jäger im Sinne von Hege und Pflege und bat, daran zu bedenken, dass es sich um den Wolf in den Kreisen Vechta und Diepholz um einen „Problemwolf“ handele und das Tier deswegen entnommen werden müsse. Das sah der Nabu ähnlich und berichtete, dass die auffällige Wölfin mit einem Sender ausgestattet und intensiv überwacht werde, bis eine Entscheidung falle.

Schäferin Nicole Benning berichtete aus ihrer Erfahrung mit Herdenschutzhunden. Sie machte deutlich, dass Herdenschutz durch Zäune, mit Hund oder Esel sehr viel Mehrarbeit und -kosten verursache. „Der Wolf ist da, wir müssen darauf reagieren. Zaunkontrolle und -pflege sind zeitintensiv, wie Ankauf der Hunde, Erziehung, Sozialisierung und Unterhaltung.“

Zu dem Zweck der Information gründete sie mit Tierärzten, Schäfern, Hundebesitzern den Verein für arbeitende Herdenschutzhunde Deutschland (www.va-herdenschutzhunde.de). Sie empfahl den Murrenden im Publikum: „Jetzt müssen wir aufbegehren und Anträge stellen beim Land, dann haben wir auch als Hobby- und Archetierzüchter Aussicht auf Förderung.“

sbb

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