„Mit jedem Tag sinkt Motivation“

Dirk Meinecke: Inhaber vom Schmolter Hof über Gastronomie im Lockdown-Frust

Dirk Meinecke und Ehefrau Meike hoffen, bald wieder Kaffee und Kuchen in der Cafediele des Schmolter Hofs verkaufen zu dürfen.
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Dirk Meinecke und Ehefrau Meike hoffen, bald wieder Kaffee und Kuchen in der Cafediele des Schmolter Hofs verkaufen zu dürfen.

Drentwede – Aufgrund der Corona-Lockdowns mussten nahezu alle Restaurants und Cafés ihre Türen für Gäste schließen und die Stimmung bei den Gastronomen wird von Tag zu Tag angespannter. Einen Eindruck davon gab nun Dirk Meinecke, Inhaber der Cafédiele Schmolter Hof.

Im Interview antwortete Dirk Meinecke auf unsere Fragen zum Thema „Gastronomie im Corona-Lockdown“:

Wie bewerten Sie die Lage der Gastronomie in der Corona-Pandemie?

Mit jedem weiteren Lockdown-Tag, mit jeder weiteren ergebnislosen Ministerpräsidentenkonferenz sinkt die Motivation der Gastronomen und deren Mitarbeiter. Die Perspektivlosigkeit lähmt eine ganze Branche. Das sind Menschen, die mit viel Herzblut und Liebe zum Detail ein Unternehmen führen oder ihrem Beruf nachgehen, den sie bis auf weiteres nicht mehr ausüben dürfen.

Fühlen Sie sich von der Politik verstanden?

Ich habe den Eindruck, dass die Politik die gesamte Gastronomie über einen Kamm schert. Eine Restaurantkette ist ganz anders aufgestellt als ein Inhabergeführtes Lokal. Häuser mit der Ausrichtung auf Familienfeiern brauchen länger, um wieder in Gang zu kommen als beispielsweise das Straßencafés. Hier macht es sich die Politik viel zu leicht. Auch wird der Restaurantbesuch von der Politik als eine Art Luxus abgetan, auf den man gut verzichten kann. In Deutschland können trotz Pandemie Maschinen und Baustoffe auf Hochtouren produziert werden. Der Theater oder Restaurantbesuch ist aber nicht möglich oder gerade deshalb nicht möglich. Ist das nur eine Frage der Lobby? Mir fehlt es vor allem an Wertschätzung für alle, die aktuell ihrem Beruf nicht nachgehen können.

Stellt das Stichwort „Außengastronomie“ einen Lichtblick für Sie dar?

Genau das meine ich. Da wird der Branche ein Knochen vorgeworfen nach dem Motto „jetzt seid erst einmal zufrieden“. Mal davon abgesehen, dass viele Häuser gar nicht die Möglichkeit haben, draußen Plätze einzurichten, ist eine alleinige Nutzung der Außenplätze und dann noch mit maximal 50 Prozent Ausnutzung total unwirtschaftlich. Wir haben einen riesigen Garten und hätten die Voraussetzungen für eine Außengastronomie. Doch, schlägt das Wetter zum Wochenende um, bleiben die Gäste weg und wir bleiben auf den vorbereiteten Speisen sitzen. Wer hat schon Lust bei 17 Grad Celsius und Nieselregen unterm Schirm seinen Kaffee zu trinken?

Wie empfinden Ihre Mitarbeiter die aktuelle Situation?

Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen warten auf den „Neustart 2021“. Auch ihnen fehlt ein Teil ihres Einkommens. Gerade in dieser Woche haben wir wieder mit allen Mitarbeitern gesprochen und waren sehr erfreut über deren positiven Rückmeldungen. Ich kann es jedoch keinem verdenken, der nach dieser langen Durststrecke die Branche wechselt.

Wie ist die Stimmung der Kunden/Gäste momentan im Gegensatz zum Beginn der Pandemie?

Neben der Möglichkeit jederzeit bei uns ganze Torten zu bestellen, bieten wir seit vier Wochen jeden Sonntag Kuchen und Torten auch Stückweisen zum Außer-Haus-Verkauf an. Dadurch bekommen wir allerhand Rückmeldungen von unseren Gästen. Ihnen fehlt das Ziel fürs Wochenende. Sie vermissen die Orte, an den sie Gemütlichkeit, Service und Genuss erleben können. Das To-Go-Geschäft kann das in keinster Weise ersetzen. Wir haben Gäste, die ihre Familienfeier zum zweiten Mal abgesagt haben. Im ersten Lockdown sagten viele: „Das holen wir im nächsten Jahr nach“. Das sagt heute keiner mehr. Wir bekommen, nach den Erfahrungen aus über einem Jahr Pandemie, von den Gästen die Rückmeldung: „Wenn ich nur mit Auflagen einladen darf (Personenzahl, Maskenpflicht, Abstand halten) feiere ich lieber gar nicht“. Einige Gäste können es auch einfach nicht verstehen, dass Lokale wie unseres mit großzügigen Abständen zwischen den Tischen, einem funktionierenden Hygienekonzept und der Möglichkeit der Kontaktregistrierung, geschlossen haben müssen.

Wie gestaltet sich Ihre wirtschaftliche Situation?

Wir haben gerade im letzten Jahr die Erweiterung unseres Cafés abgeschlossen und wollten so richtig durchstarten. Das Auftragsbuch 2020 war gut gefüllt. Aktuell verzeichnen wir nur ein paar „Voranfragen“ in der zweiten Jahreshälfte. Daher haben wir in den letzten zehn Monaten schon viel verloren. Dass Investitionen mit Folgekosten verbunden sind, brauche ich keinem erzählen. Daher sind auch wir in einer wirtschaftlich angespannten Situation. Wir haben nur den Vorteil, dass wir keine Miete zahlen müssen.

Verschaffen Monatshilfen und das Überbrückungsgeld Abhilfe?

Ja klar. Die November- und Dezemberhilfe ist mit der Antragsstellung über unseren Steuerberater zügig gelaufen. Derzeit stecken wir in der Beantragung des Überbrückungsgeldes III für den Zeitraum von Januar bis Juni 2021. Bis zur Auszahlung müssen wir die laufenden Kosten vorstrecken. In unserem Fall wird die Erweiterung unseres Cafés aus 2020 und die damit zu erwartende Umsatzsteigerung nur marginal berücksichtigt. Auf die Ausgleichszahlung wurden wir häufig mit dem Verweis auf das unternehmerische Risiko angesprochen. Wir denken, wenn wir ohne unser Verschulden unser Geschäft schließen müssen, haben wir auch einen Anspruch auf Entschädigung.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Monate?

Wir wünschen uns, dass die Impfungen ab dem Sommer die erhofften Entlastungen bringen und wir uns Schritt für Schritt der alten Normalität nähern. Wir wünschen uns auch mehr regionale Konzepte in der Bekämpfung der Pandemie. Bei den vielen übergestülpten Regelungen von Bund und Land stellen wir immer wieder fest, dass sie weit vom Alltag der Bevölkerung entfernt sind und sich anscheinend keiner Gedanken über die Umsetzung gemacht hat. Für unser Geschäft wünschen wir uns, ab Mai mit einem auch aus unserer Sicht tragbaren Konzept wieder starten zu können.

Der Schmolter Hof

Der 50-jährige Unternehmensberater Dirk Meinecke betreibt seit 2006 gemeinsam mit seiner 49-jährigen Frau Meike, die ehemals als Krankenschwester tätig war, das familiengeführte Café in Schmolte (Drentwede). 2014 wurde zusätzlich der angrenzende Fußball-Minigolf-Platz in Betrieb genommen. „Wir haben diesen Standort bewusst gewählt, da wir den Charakter eines Hofcafés lieben und das Café einen ländlichen Rahmen haben sollte“, erklärte Dirk Meinecke. Das Familienhaus grenzt gleich an die Cafédiele an. 2019 begannen die Arbeiten an einem Anbau, der „pünktlich zum ersten Lockdown 2020“ abgeschlossen werden konnte. Aktuell liegt der Hof still und hofft, bald wieder Gäste mit Kaffee und Kuchen begrüßen zu dürfen.

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