Die ersten Helfer sind schon da

Spargelhofbetreiber Jörg Rudnick sieht Saisonstart zuversichtlich entgegen

Trotz andauernder Pandemie zuversichtlich: Spargelhofbetreiber Jörg Rudnick aus Drentwede.
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Trotz andauernder Pandemie zuversichtlich: Spargelhofbetreiber Jörg Rudnick aus Drentwede.

Die ersten Helfer für die Spargelernte 2021 sind schon da. Die Hofbetreiber sind zuversichtlich, dass die Saison trotz Corona gut anläuft.

Drentwede – Die Spargelsaison steht in den Startlöchern, die ersten Erntehelfer aus Polen haben bereits eingecheckt und legen beim Zudecken der Spargelpflanzen mit Folie tüchtig Hand an. Mittendrin Hofbetreiber Jörg Rudnick, der mit Blick auf die kommende Saison viel Zuversicht und innere Ruhe ausstrahlt. Obwohl dies die zweite von der Pandemie begleitete Spargelsaison ist, sehen der Spargelbauer und seine Familie der Saison 2021 mit Zuversicht entgegen.

„Unsere Erntehelfer werden so gut wie alle da sein“, ist sich der 46-jährige sicher, der den Spargel- und Erdbeerhof in zweiter Generation leitet. „Auch im vergangenen Jahr war unsere kleine Truppe trotz Pandemie, Quarantäne und Lockdowns nahezu komplett.“ Jedes Jahr kommen rund 20 Arbeitskräfte aus Polen und Rumänien zur Unterstützung auf den Hof in Drentwede.

Quarantäne und Coronatest für Erntehelfer

„Ein negativer Coronatest bei der Einreise und 14-tägige Anschlussquarantäne in Deutschland geben schon ein ziemliches Sicherheitsgefühl, das Virus nicht auf den Hof zu bekommen“, sagt Jörg Rudnick. Für die Durchführung von Schnelltests, die auf dem Hof in großer Menge parat stehen, ist ein Mitarbeiter extra fachmännisch geschult worden. Nachbesserungen in Sachen Abstandswahrung und Hygieneverordnung habe man nicht vornehmen müssen, denn auf dem familiär geführten Hof haben die Helfer aus dem Ausland nicht erst seit gestern Ein- und Zweibettzimmer für Ruhephasen und Privatsphäre.

„Letztes Jahr wurde auch unsere Branche von der Pandemie und ihren weitreichenden Folgen überrascht. Dieses Jahr sind wir auf Lockdown und Co. eingestellt“, sagt Jörg Rudnick. „Trotzdem gehen wir davon aus, dass diese Saison einigermaßen normal laufen wird, jedenfalls für uns. Doch das sieht auf anderen Spargelhöfen ganz anders aus.“ Grundlegend hänge dies damit zusammen, dass der Hof Rudnick vorrangig Direktvermarktung betreibe und den Einzelhandel beliefere. „Mit Einbußen durch die geschlossene Gastronomie haben wir daher kaum zu kämpfen.“

Auf die Frage, ob er versucht habe, wegen der derzeit noch unklaren Lockerrungstermine den Saisonstart mit verlangsamtem Pflanzenwachstum herauszuzögern, antwortet der Spargelexperte: „Das macht keinen großen Sinn, denn unterm Strich gewinnt man hierdurch maximal eine Woche Zeit.“ Vorausgesetzt, dass das Wetter keine großen Kältekapriolen wie vor drei Wochen mehr schlägt, geht Jörg Rudnick davon aus, dass der Startschuss für die Spargelsaison 2021 zu Ostern fällt.

Weitere Stimmen

Anja Reiners vom Erdbeerhof Nüstedt: „Bei uns ist die Spargelernte nicht so groß. Deswegen haben wir schon im letzten Jahr auch nicht so die Probleme gehabt. Von den insgesamt 20 Erntehelfern haben wir viele Leute, die sowieso in Deutschland leben. Bei ihnen fällt die Quarantäne zum Beispiel weg. Wir versuchen, wegen der Pandemie noch stärker auf Helfer aus Deutschland zu setzen, aber wie das genau aussieht, entscheidet sich spontan. Insgesamt sind wir dieses Mal besser vorbereitet als im vergangenen Jahr, trotzdem ist das eine unsichere Situation. Wir halten alle Regeln ein und hoffen, dass alles klappt.“ 

Kristian Wichmann vom Hof Wichmann: „Zu uns kommen etwa 300 bis 400 Erntehelfer pro Jahr. Dabei haben wir in den vergangenen Jahren schon vermehrt auf den hiesigen Markt gesetzt. Die ersten Erntehelfer sind bereits da. Bei deren Einreise gab es keine Probleme. Wir haben einen Hygieneberater eingestellt, der das ganze Jahr über da ist und den Betrieb immer wieder unter diesen Aspekten abnimmt. Er nimmt auch die Corona-Schnelltests an den Helfern vor. Insgesamt sind wir relativ gut aufgestellt. Wichtig ist, dass Corona nicht in den Betrieb kommt. Das ist im Moment die größte Gefahr, die es gibt.“ 

Die im vergangenen Jahr plötzlich hereinbrechende Coronakrise erforderte viel Ideenreichtum, um die Kunden weiterhin zu versorgen. Daraus habe er ein Angebot für dieses Jahr gerne wieder mit ins Boot genommen. „Unser Spargeltaxi.“

Mit dem Spargeltaxi hatte Jörg Rudnick 2020 erfolgreich versucht, mittels eines Lieferdienstes für Spargel den wegfallenden Absatz im geschlossenen Hofladen zu kompensieren. „Das Angebot wurde sehr gut angenommen, vor allem auch von der älteren Generation, die nicht mehr so gut zu Fuß ist und zur Risikogruppe zählt.“ Diesen Service gebe es an bestimmten Tagen, ein Anruf am Vortage genüge, um tags darauf eine Lieferung im Umkreis von zehn Kilometern bis vor die Haustür zu erhalten.

Auf die Frage, ob angesichts der hohen Hygienestandards und Sicherheitsmaßnahmen wie Schnelltests mit einem starken Preisanstieg beim weißen Edelgemüse zu rechnen sei, antwortet der Spargelexperte: „Das ist nur ein geringer Teil, den diese Maßnahmen ausmachen.“ Da schlage der gestiegene Mindestlohn insgesamt mehr ins Gewicht und werde eine leichte Preissteigerung bewirken.

Spargelhof Thiermann erwartet rund 500 Erntehelfer

Wechsel vom kleinen Familienhof zu einem der größten Spargelbauern Deutschlands: dem Spargel- und Beerenhof Thiermann in Scharringhausen. Schnell zeigt sich: Die Größe mag eine andere sein, die Stimmung ist aber ganz ähnlich wie in Drentwede.

Was im vergangenen Jahr noch überraschend und neu war, ist in diesem Jahr bereits so eine Art Routine: das Hygienekonzept samt aller Vorgaben, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Das habe im vergangenen Jahr schon sehr gut funktioniert. Und nach einigen Optimierungen hoffe man, dass es auch dieses Jahr wieder gut funktionieren werde, teilt Anke Meyer für den Spargel- und Beerenhof Thiermann auf Anfrage mit.

Heinrich Thiermann lässt im Einzugsbereich des Stammsitzes in Scharringhausen auf gut 500 Hektar Spargel ernten. In diesem Jahr werden rund 500 Erntehelfer aus Polen und Rumänien erwartet. Mit Problemen, genügend Saisonarbeitskräfte einstellen zu können, rechnet Meyer nicht.

Für die Einreise benötigen alle einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Für jeden Saisonmitarbeiter sei die Anmeldung vor der Einreise auf einem speziellen Portal (www.einreiseanmedung.de) anzuzeigen.

Und wie funktioniert die Einreise? „Die Saisonarbeitskräfte reisen per Bus oder mit dem privaten Auto an. Hier sind alle für zehn Tage in einer Arbeits-Quarantäne. Es werden dafür etwa Einkaufslisten zur Versorgung der Arbeitsgruppen erstellt. Erst nach Ablauf der Quarantäne können die Arbeitskräfte in Kleingruppen selber zum Einkaufen fahren“, erklärt Meyer.

Zur Unterbringungen stehen den Saisonarbeitskräften mehr Unterkünfte zur Verfügung als vor den Corona-Auflagen. Laut Meyer wird mit halber Zimmerbelegung gerechnet, und es würden Nutzungspläne für Gemeinschaftsräume geführt.

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