WOCHE DER DIAKONIE Interview mit Superintendent Marten Lensch

„Die Aufgaben werden wachsen“

Marten Lensch, seit Februar 2019 Superintendent des Kirchenkreises Diepholz, sieht Diakonie als integralen Bestandteil von Kirche.
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Marten Lensch, seit Februar 2019 Superintendent des Kirchenkreises Diepholz, sieht Diakonie als integralen Bestandteil von Kirche.

Diepholz – Das Diakonische Werk des Kirchenkreisverbandes Diepholz-Syke-Hoya beteiligt sich an der landesweiten Aktion „Woche der Diakonie“. Auch Marten Lensch, Superintendent des Kirchenkreises Diepholz, freut sich, dass mit dieser Aktion der Bekanntheitsgrad des umfangreichen Angebotes über den Kreis der eigentlichen Zielgruppe hinaus gesteigert werden kann. Die Fragen an das Oberhaupt des Kirchenkreises stellte Martina Kurth-Schumacher.

Was genau versteht man unter diakonischer Hilfe?

Die Hauptaufgabe der Kirche ist die Weitergabe des Evangeliums. Das geschieht durch Predigten, aber auch durch Rat und Tat. Man könnte sagen, Diakonie ist gelebte Nächstenliebe. Im Matthäus Evangelium sind die Werke der Barmherzigkeit genannt – unter anderem die Hungernden zu speisen, den Dürstenden zu trinken zu geben, die Nackten zu bekleiden, die Fremden aufzunehmen. Die Idee, sich um Arme und Schwache zu kümmern und sie zu schützen, findet sich im Alten und Neuen Testament. Sie ist der Grundgedanke der Diakonie.

Welches sind Ihre persönlichen Leitlinien?

Alle Bedürftigen sind der Kirche in der Diakonie anvertraut und haben Anspruch auf Beratung und Hilfe – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Konfession.

Warum setzt die Diakonie auf eine jährliche Kampagne?

Die Woche der Diakonie ist eine bundesweite Aktion. Ich halte es für wichtig, konzentriert klar zu machen, dass die Diakonie neben der Verkündigung integraler Bestandteil von Kirche ist. Wir verstehen uns als Sprachrohr für diejenigen, die oft am Rande der Gesellschaft stehen und machen in diesem Rahmen auf die vielen diakonischen Angebote in unserem Kirchenkreis aufmerksam.

Inwieweit haben sich die diakonischen Angebote verändert?

Denken wir 50 oder 100 Jahre zurück: Diakonie vor Ort leisteten Gemeindeschwestern. Sie kümmerten sich um alte und kranke Menschen. In den letzten Jahren hat sich die Hilfe mehr und mehr professionalisiert und spezialisiert. Für die aktuellen Angebote, etwa die Schuldner-, die Sucht- oder die Schwangerschaftskonfliktberatung ist Fachwissen erforderlich. Eine Kirchengemeinde kann diese Arbeit daher nicht leisten. Dennoch ist es ihre Aufgabe diakonisch tätig zu sein, etwa in Form von Kranken- oder Geburtstagsbesuchen. Eine große Herausforderung ist, die Kirchengemeinden und das Diakonische Werk besser zu vernetzen. Die Idee, sich in einem „Diakonieforum“ regelmäßig auszutauschen, konnten wir Corona bedingt noch nicht umsetzen. Wir arbeiten daran.

Bringen Sie selbst praktische Erfahrungen aus einem dieser Bereiche mit?

Nur durch den Besuchsdienst als ehemaliger Gemeindepastor von Norddeich. Von Haus aus bin ich kein ‚Diakoniker‘. Unser Diakonisches Werk ist breit aufgestellt, so ein umfangreiches Hilfe- und Beratungsangebot kannte ich bisher nicht. Meine Vorgänger hatten auf dieses Arbeitsfeld großes Augenmerk gelegt; das ist ganz in meinem Sinn.

Wie viele Mitarbeiter des Diakonischen Werks haben Sie während Ihrer knapp zweijährigen Amtszeit persönlich kennengelernt?

Unsere 42 Mitarbeiter leisten eine wichtige und wertvolle Arbeit. Ich habe seit meiner Amtseinführung im Februar 2019 alle irgendwo schon einmal getroffen. Ich bin bei Einstellungsgesprächen dabei und versuche, mehrmals im Jahr an den Teamsitzungen teilzunehmen. Erste Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter ist Geschäftsführerin Marlis Winkler. Mit ihr bin ich in engem Kontakt und vertrete sie in ihrem Urlaub.

Als leitender Geistlicher des Kirchenkreises haben Sie ein weites Tätigkeitsfeld. Haben Sie Zeit, sich mit der Basisarbeit der diakonischen Einrichtungen zu beschäftigen?

Ja, das ist ein weites Feld. Die Diakonie ist selbstverständlicher Teil meiner Arbeit. Ich habe nichts mit Einzelfällen zu tun, sondern eher mit der Planung. Die Diakonie ist in jeder Woche Thema: in Gesprächen mit Geschäftsführerin Marlis Winkler, mit Vertretern von Kommunen oder in Ausschusssitzungen.

Ist der Status Quo des Hilfsangebots ausreichend, oder gibt es weiteren Bedarf?

Meine große Befürchtung ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich durch die Coronazeit weiter aufreißt. Es gibt viele Verlierer – in gesundheitlicher und in sozialer Hinsicht. Wir werden einen erhöhten Bedarf an Hilfe und Beratung haben, die Aufgaben der Diakonie werden in den nächsten Jahren eher wachsen, wenn auch möglicherweise mit verschobenen Schwerpunkten. Sicher ist, dass wir mit Einsparungen rechnen müssen. Die Kirche und die Kommunen, die unsere Arbeit mitfinanzieren, haben deutlich weniger Geld zur Verfügung. Aber es wird gut weitergehen. Wir verlieren die Menschen, die uns brauchen, nicht aus dem Blick.

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