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Der „Oehlener“ in Drebber: Ein See, der keiner ist

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Von: Sven Reckmann

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Ein See, der keiner ist: Der Oehlener und der umgebende Wald haben trotzdem ihren Wert, für die vielen Nutzer und für die Natur.
Ein See, der keiner ist: Der Oehlener und der umgebende Wald haben trotzdem ihren Wert, für die vielen Nutzer und für die Natur. © Reckmann

Der „Oehlener“ ist dennoch alles andere als eine langweilige Fläche. Hier hat sich eine seltene Tier- und Pflanzenwelt angesiedelt.

Drebber – Mit dem Oehlener See verbinden sich für viele Menschen in Drebber und Umgebung Kindheitserlebnisse: Der Klassenausflug in den Wald, das Baden im See, das Schlittschuhlaufen im Winter. Doch eine Wasserfläche wie in den Erinnerungen oder auf alten Fotoaufnahmen in den Archiven findet man dort nur noch sehr selten. Anziehungspunkt für Spaziergänger, Jogger, Reiter, Revier für Jäger – der See ist alles, nur kein See mehr.

Wie ist der Oehlener See zu dem geworden, was er heute ist, und was zeichnet ihn – auch ohne Bademöglichkeit – aus? Auf Einladung der Gemeinde Drebber trug Detlef Tänzer, Fachdienstleiter Kreisentwicklung, bei einem Vortrag zusammen, was der Erkenntnisstand rund um den „Oehlener“ ist. Denn das, was sich dort als ausgetrocknete Wildnis präsentiert, hat den Schutzrang eines Biotops. „Wir sind der Auffassung, dass es so ganz wertvoll ist wie es ist“, sagte Tänzer.

Er blickte in die jüngere Geschichte: Anfang der 80 Jahre sei versucht worden, durch eine sachte Vertiefung, so wurde es in der Akte genannt, einen größeren See zu schaffen, mehr Wasservolumen und weniger Trockenfallen. Unter größter Schonung der dichtenden Schichten sollte das geschehen. Aber was passierte? - Mehrere Jahre war kein Wasser mehr im See. „Das hat was mit der Entsandung zu tun, man wollte mehr Volumen schaffen, aber es hat nicht geklappt.“

Zuhörer Friedrich Ippen hatte den Straßenbau jener Jahre in Verdacht: „Ich glaube, man hat über die wasserundurchlässigen Schichten gar nicht groß nachgedacht. Sand raus – plötzlich war das Wasser weg.“

Ob die Wasserentnahme aus dem nahen Wasserwerk etwas mit dem Trockenfallen des Sees zu tun hat, wie hin und wieder vermutet wird, das könne schlicht nicht beurteilt werden, so Tänzer.

Fachdienstleiter Detlef Tänzer.
Fachdienstleiter Detlef Tänzer. © Reckmann

So oder so – der See ist heute nur noch ein „temporäres Stillgewässer“, wenn zum Beispiel der Boden gefroren ist. Das sind die wenigen Jahre, in denen vielleicht mal Schlittschuhlaufen möglich ist.

Dass der See heute immer noch frei von Gehölzen ist, obwohl hier kein Wasser mehr steht, liegt daran, dass der Landkreis Diepholz seit den 80er-Jahren zusammen mit der Gemeinde jedes Jahr im Winter eine Entkusselungsaktion durchführt. Durch regelmäßige Pflege habe sich dort eine Seegrundvegetation entwickelt mit Zeigerpflanzen für Sand- und Moorstandorte, berichtete Tänzer. „Das ist der heutigen sehr nährstoffreichen Landschaft eine Qualität und entsprechend als schutzwürdig eingestuft worden.“

Man finde Lungen-Enzian, Rundblättrigen Sonnentau, Glockenheide, Torfmoose mit Wollgräsern, Magerrasen-Gesellschaften, dazu die typische entsprechende Fauna mit Laufkäfern und Sandbienen.

„Das, was sich da heute befindet, ist in unserer Kulturlandschaft selten, und es hat auf jeden Fall seinen Wert, auch wenn es keine Seefläche gibt.“ Mittlerweile gehört der Oehlener See zu den geförderten Projekten des Canape-Programms.

Freizeitnutzung, die könne und solle dort geschehen, erklärte Tänzer, „und trotzdem kann sich alles frei entwickeln, aber nur, wenn man weiter Pflegemaßnahmen durchführt.“

Und wenn man den Naturschutz beiseiteschiebt und unbedingt einen Badesee (wieder-)haben möchte? Man könnte auf die Idee kommen, eine Dichtungsschicht einzufügen, so Tänzer. Aber damit fange man an, in der freien Natur herumzudoktern „und man hätte dann nicht viel mehr als den Charakter eines Gartenteichs.“ Zudem sei man beim „Oehlener“ weiterhin von Niederschlagswasser abhängig.

Wenn man unbedingt einen Badestrand in Drebber wolle, dann solle man lieber einen Platz an der Hunte suchen, da gebe es auch sandigen Untergrund und keine Probleme mit dem Wasser.

Drebbers Bürgermeister Friedrich Iven fasste zusammen, dass der See ein beliebtes Naherholungsgebiet mitzahlreichen Nutzungen sei. Es müssten alle aufeinander Rücksicht nehmen. „Wir können keinen neuen See erfinden.“

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