49 Jahre alter Oldtimer

Der K70 vom Ätna: Andreas Kernke aus Drebber holt Volkswagen-Klassiker eigenhändig von Sizilien ab

Andreas Kernke posiert mit dem K70, den er mit seinem Volkswagen T3 selbst aus Italien abholte.
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Andreas Kernke posiert mit dem K70, den er mit seinem Volkswagen T3 selbst aus Italien abholte.

Mit einem 30 Jahre alten Auto hat Andreas Kernke aus Drebber ein fast 50 Jahre altes Auto von Sizilien abgeholt. Der Oldtimer-Enthusiast ist ein großer Fan vom Volkswagen K70. Dafür nimmt er weite Wege auf sich.

Drebber / Adrano – 4.520 Kilometer ist Andreas Kernke gefahren – nur um einen Volkswagen K70 von Sizilien nach Drebber zu holen. Wobei der Zusatz „nur“ wohl im Auge des Betrachters liegt, denn Kernke steht voller Überzeugung hinter dieser Reise. Er ist ein großer Fan von alten Autos. Die Triebfeder seiner Leidenschaft: „Unsere Motivation kommt aus Herz und Seele. Wir leben nicht im Hier und Jetzt – wir leben im Damals“, meint Kernke über sich und die Mitglieder des 1. Internationalen K70-Clubs. Einen Teil von damals hat er jetzt zu sich nach Hause geholt. Er berichtet von einer logistischen Aufgabe, die sich mehr als zwei Jahre hinzog.

Zu Beginn der Geschichte steht der Kauf eines silberfarbenen K70 in der sizilianischen Stadt Adrano am Südwesthang des Vulkans Ätna. Das war im Jahr 2019, als die Familie Kernke – wie in den vergangenen 30 Jahren zuvor auch – im Italien-Urlaub war. Besitzer des mittlerweile 49 Jahre alten deutschen Autos war Massimiliano Fisichella – nicht verwandt oder verschwägert mit dem ehemaligen Formel 1-Fahrer Giancarlo Fisichella. Nach dem eher spontanen Erwerb des K70 stand die Frage: „Wie bekomme ich dieses Fahrzeug über 2.700 Kilometer nach Hause?“ Kernke hatte Glück: Fisichella bot ihm an, den Wagen – solange der Transport noch nicht geregelt war – an seinem bisherigen Standort zu belassen. „Mit diesem Wissensstand fuhren wir 2019 erst einmal beruhigt nach Hause“, kommentiert der Oldtimerfan aus Drebber.

Auf sizilianischen Straßen mit zwei deutschen Oldtimern: Andreas Kernke war mit seiner Frau vier Wochen wegen des K70 in Italien unterwegs.

Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte Kernke den K70 bereits Ostern 2020 nach Deutschland geholt, allerdings machte die Corona-Pandemie diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. „Zwei Wochen vor Reiseantritt liefen alle Vorbereitungen vor die Wand“, so Kernke. Einen neuen Versuch startete der Fahrlehrer aus Drebber in diesem Jahr. Im November hatte Kernke eine Fähre nach Sizilien gebucht. Die Aboholaktion verband er direkt mit einem Urlaub mit seiner Ehefrau. „Alles andere wäre viel zu stressig geworden“, sagt Kernke.

Die Reise ging am 1. September los. Unterstützung bekam Kernke von K70-Clubmitglied Andreas Faulhaber aus Vechelde bei Peine. Er stellte ihm seinen Anhänger für den Transport zur Verfügung.

Volkswagen K70

Der Volkswagen K70 ist der erste wassergekühlte Volkswagen. Vorherige Modelle hatten eine Luftkühlung. Außerdem ist der K70 der erste in Serie gebaute Volkswagen mit Frontantrieb. Entwickelt wurde er seinerzeit vom deutschen Automobilhersteller NSU. Er kam im September 1970 auf den Markt und wurde bis 1975 gebaut. In dem Zeitraum wurden rund 211.000 Fahrzeuge gebaut. Die Verkaufszahlen erfüllten nie die Erwartungen des Volkswagen-Konzerns. Heute ist der K70 bei Sammlern sehr beliebt.

Als ehemaliger Lkw-Fahrer kennt Kernke die Speditionsweisheit: „Leerfahrten sind zu vermeiden.“ Das nahm er sich zu Herzen. Kernke gelang ein strategischer Schachzug: „ Ich fand tatsächlich ein Transportgut, das zufälligerweise in unseren Urlaubsort zu befördern war.“ Es war ein Fiat Ritmo Cabrio eines befreundeten Sizilianers, der in Deutschland ein Restaurant betreibt. Den lud Kernke auf den geliehenen Anhänger und machte sich mit seiner Frau in seinem 30 Jahre alten Volkswagen T3 Redstar auf den Weg gen Italien.

Den Fiat lieferte Kernke pflichtbewusst in Menfi auf Sizilien ab. Dort machten er und seine Frau erst einmal zehn Tage Urlaub. Danach steuerten sie dann Adrano am Ätna an, um seinen sehnsüchtig erwarteten K70 abzuholen.

Doch es gab einige Hürden zu überwinden: Ein gerissener Keilriemen des T3 machte die Zeitplanung zunichte. Nachdem das italienische Pendant des ADAC den T3 in eine Werkstatt gebracht hatte, haperte es ein wenig an der Kommunikation: „Die Werkstatt wartete auf die Bestätigung der Kostenübernahme“, erklärt Kernke. Nach mehr als einer Stunde kam diese Bestätigung: „Wir dürfen unsere Reise fortsetzen. Eigentlich wollte ich zu dieser Zeit längst wieder die Heimreise angetreten haben“, erinnert sich der Oldtimerfan.

Alter und neuer Besitzer: Andreas Kernke (rechts) und Massimiliano Fisichella kennen sich. Der Deutsche kaufte den Volkswagen vom Italiener.

Es war bereits dunkel, als Kernke mit seiner Frau bei Massimiliano Fisichella eintraf, um den K70 abzuholen. Nach einem Plausch und netten Worten zeigte Fisichella den Kernkes noch sein eigenes Familienmuseum, das er in einer Villa, die er geerbt hatte, einrichtete. „Eine beeindruckende Sammlung in atemberaubender Atmosphäre“, findet Kernke.

Den Rückweg verbanden er und seine Frau noch einmal mit einem neuntätigen Urlaub auf der italienischen Insel. 27 Tage nach Reiseantritt erreichten die Kernkes die Grenze zu Bayern. „Exakt um 10.43 Uhr dürfte der K70 nach ziemlich genau 49 Jahren vermutlich zum ersten Mal wieder in Deutschland gewesen sein“, schätzt der Mann aus Drebber. Am nächsten Morgen erreichte er sein Zuhause um 3 Uhr. Sein Fazit: „Welch ein Abenteuer. Dass mein Redstar das geschafft hat, ist auch eine tolle Sache.“

Aber woher kommt die Faszination für den K70 bei Andreas Kernke? „Mein Vater fuhr dieses Auto. Damit haben wir viele schöne Urlaubsfahrten gemacht und irgendwie bin ich mental daran hängen geblieben“, erklärt er. Mittlerweile besitzt Kernke drei Modelle des K70. „Einen davon werde ich an meinen Sohn abgeben.“ Der silberfarbene K70 aus Italien soll demnächst seine Oldtimer-Zulassung bekommen. „In Deutschland gibt es nur noch rund 250 Stück von diesem Auto“, sagt Kernke – und durch seine 4 520 Kilometer lange Reise nach Italien jetzt einen mehr.

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