Das Ende einer Ära

Theo Amelung setzt sich nach 35 Jahren als Bürgermeister von Drentwede zur Ruhe

Theo Amelung tanzt nach seiner letzten Ratssitzung.
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Ein Tänzchen zum Abschied: Theo Amelung verlässt die kommunalpolitische Bühne nicht durch die Hintertür.

Daran muss man sich erst einmal gewöhnen: Theo Amelung ist nicht mehr Bürgermeister von Drentwede. Bei der jüngsten Ratssitzung erhielt er einen würdigen Abschied.

Drentwede – Ein ungewohntes Bild: Wenn zu einer Ratssitzung deutlich mehr Besucher kommen als Ratsmitglieder, dann muss schon etwas mit besonderer Tragweite auf der Tagesordnung stehen. Auf die jüngste Sitzung des Drentweder Rates traf das zu. Theo Amelung war 35 Jahre lang Bürgermeister dieser Gemeinde. Diese Ära ist jetzt zu Ende gegangen. Die kommunalpolitische Bühne hat er unter großem Applaus und ganz sicher nicht durch die Hintertür verlassen.

Wer bei Amelungs Verabschiedung dabei sein wollte und nicht als geladener Gast einen sicheren Platz in der Gemeinschaftshalle hatte, musste schnell sein. 15 Plätze vergab die Verwaltung an Zuhörer. „Alle waren vergeben. Die Nachfrage war groß. Wir mussten sogar einige Absagen erteilen“, sagte Detlef Moss, Fachbereichsleiter Innere Dienste. Allein das zeigt, welche Bekanntheit und welches Ansehen der Altbürgermeister in seiner Gemeinde – und wohl auch über deren Grenzen hinaus – genießt. Die Verabschiedungsrede hielt übrigens kein Geringerer als Jürgen Lübbers, ehemaliger Samtgemeindebürgermeister.

Theo Amelung und seine Heidi: Zum Abschied gibt es nicht nur warme Worte, sondern auch großzügige Geschenke.

Vor 45 Jahren erhielt Theo Amelung zum ersten Mal einen Sitz im Drentweder Rat, den er bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden nie räumte. „Bundesweit gibt es nur wenige Personen, die länger im Amt sind“, kommentierte Lübbers. Aber Amelung strebte nach mehr – wohl auch weil er, so Lübbers, „in allen folgenden Wahlen mit überragenden Ergebnissen in den Gemeinderat gewählt wurde.“ 1981 kandidierte er schließlich mit dem Wahlslogan „Der nächste Bürgermeister kommt aus Drentwede“ – Amtsinhaber war Fritz Jürgens aus Bockstedt. Amelung verlor die denkbar knappe Wahl allerdings mit fünf zu sechs Stimmen und ihm blieb nur das Amt des Stellvertreters. „Die Bürgermeisterwahl 1981 hat Theo bis heute nicht ganz verwunden“, meinte Lübbers. Amelung nickte: „Das stimmt.“

Fünf Jahre später sah es anders aus. Amelung wollte erneut Bürgermeister werden. Er trat gegen Wilfried Heitmann an. Das Ergebnis der Abstimmung war wieder knapp, fiel aber zugunsten Amelungs aus: sechs zu vier Stimmen bei einer Enthaltung. Der damals 44-Jährige war am Ziel: Bürgermeister von Drentwede. Das war der Beginn der Ära Amelung.

„Theo war in all den Jahren ein Bürgermeister zum Anfassen“, sagte Lübbers, „den jeder im Ort kannte.“ Zugute kam ihm da sicherlich seine Tätigkeit als Verkaufsfahrer der Bäckerei Bramstedt. Lübbers: „Er hatte das Ohr immer am Volk.“ Ganz zu schweigen von den vielen Volksfesten und Veranstaltungen, die der Altbürgermeister in seiner Amtszeit persönlich besuchte.

Ein Kuss sagt mehr als 1 000 Worte: Theo und Heidi Amelung haben nun noch mehr Zeit für ihre Liebe.

Theo Amelung war ein unermüdlicher Kämpfer für seine Gemeinde. Manchmal unbequem, manchmal unkonventionell, aber immer ehrlich und mit dem Herzen am rechten Fleck. „Theo hat mit Einsatzwillen, Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit in seiner langen Amtszeit als Bürgermeister die unterschiedlichsten Themen mit dem Rat zusammen angeregt und begleitet, um Drentwede voranzubringen“, meinte Lübbers und erzählte eine Anekdote, die seinen langjährigen Weggefährten gut umschreibt: „Theo war immer wichtig, eine schuldenfreie Gemeinde zu leiten.“ Doch das war sie nicht immer. „Großzügig erklärte Theo sich bereit, alle Schulden der Gemeinde zu begleichen. Das erfolgte ganz spontan während einer Ratssitzung: Theo legte 50 Mark auf den Tisch und Drentwede war schuldenfrei.“

Vieles hat Theo Amelung in dreieinhalb Jahrzehnten als Bürgermeister erreicht. Die Fußstapfen die er hinterlässt, sind groß. In diese tritt Dirk Meinecke. „Du hast einen Maßstab gesetzt, der kaum zu erreichen ist“, sagte der neue Bürgermeister von Drentwede. Er freute sich, von Amelung gelernt zu haben: „Du hast uns gezeigt, wie es geht.“ Der Altbürgermeister habe bei seinem Engagement einen unvergleichlichen Optimismus an den Tag gelegt. „Es gab Situationen, in denen wir dachten: ,Wie bekommen wir das hin?‘“, erinnerte sich Meinecke. Doch Amelung habe immer einen Weg gesucht und gefunden. „Das war für uns alle ein Ansporn.“

Macht einfach weiter so. Aber einen Wunsch habe ich: Macht mir keine Einheitsgemeinde!

Theo Amelung

Und so war es für den Rat auch ein Ansporn, Theo Amelung würdig zu verabschieden. Nach der Sitzung wartete in einem anderen Raum der Gemeinschafthalle eine musikalische Überraschung auf ihn. Eine Band aus alten Wegbegleitern spielte für ihn und bat ihn zum sinnbildlichen letzten Tanz.

Theo Amelung gilt als ein großer Feind einer Einheitsgemeinde. Dazu steht er. Und deswegen verabschiedete er sich vom Rat folgendermaßen: „Macht einfach weiter so. Aber einen Wunsch habe ich: Macht mir keine Einheitsgemeinde!“

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