„Creapers“ schlagen ein wie eine Bombe / Saal wird zum Tanzpalast

Rock’n’Roll und sein Versprechen von Freiheit

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Solide Handarbeit: Georg Heuermann am Bass.

Barnstorf - Von Mareile Mattlage. „Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“, lautet ein Zitat des französischen Schriftstellers Victor Hugo. Und in der Tat: Über Musik zu schreiben, ist nicht immer leicht, vor allem, wenn es sich um ein derart spektakuläres Ereignis wie am Samstagabend im „Schröders“ in Barnstorf handelt.

Rock auf der Theke: Carsten Politzky an der Gitarre.

Präsentiert vom Diepholzer Kreisblatt, gibt die Rock’n’Roll-Band „The Creapers“ anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens ein Jubiläums-Konzert und verwandelt den stilecht dekorierten Saal des Gasthauses in einen kochenden Tanzpalast der 1960er Jahre. Gepunktete Petticoats und weiße Tüll-Unterröcke wirbeln durch die Luft, Kämme werden gezückt und mit gekonntem Schwung durch die glänzende Pomade gezogen, laute Pfiffe und Jubelrufe begleiten das rhythmische Klatschen weit nach oben gestreckter Hände im Publikum. Auf der Bühne rocken mit den beiden Gitarristen und Band-Gründern Marc Slengard und Carsten Politzky sowie Kontrabassist Georg Heuermann und Schlagzeuger Chris Dernjac indes vier Männer, die vor lauter Energie kaum wissen, wohin mit sich. Mehrere hundert Besucher feiern zu den Hits von Elvis Presley, den Beatles und Rolling Stones oder auch Johnny Kidd & The Pirates. Sie beginnen selbst dann noch wild zu shaken und zu twisten, wenn die Haare schon weiß oder ausgefallen und die Hände auf Krücken gestützt sind. Was nicht heißen soll, dass nur ältere Semester anwesend sind, denn die Altersspanne erstreckt sich von Rentner über junge Erwachsene bis hin zu Kindern. Darunter übrigens auch ein Junge mit schwarzem Anzug, weißem Hemd, blonder Schmalzlocke und einem Plektron als Kettenanhänger – die Blues Brothers wären stolz auf ihn gewesen.

Zahlreiche Besucher lassen sich von den Hits der 1960er Jahre mitreißen.

„In 15 Jahren ist viel passiert, vieles hat sich verändert. Und wir? Nun ja, wir sind vielleicht etwas schneller außer Atem als noch vor zehn Jahren“, erklärt Politzky ans Publikum gerichtet. Davon, dass hier irgendwem die Puste ausgeht, ist allerdings nicht das Geringste zu spüren. Im Gegenteil: Slengard, Politzky und auch Kontrabassist Heuermann singen stets voller Inbrunst und Gefühl – selbst dann, wenn sie gerade auf dem Rücken oder Bauch liegend oder auch in Schräglage auf einem Bein stehend ihre Instrumente bearbeiten.

Der Stimmungsmacher im Vorprogramm: Hens Hensen.

Während die schweißnassen Haare im Gesicht kleben und die weißen Hemden immer durchsichtiger werden, beginnt auch die Stimmung im Saal zu kochen. Marc Slengard wirft sich vor dem Schlagzeug auf die Knie und beschöwrt Drummer Chris Dernjac, während er lasziv seine pomadigen Haare kämmt. Carsten Politzky hält es nicht auf der Bühne. Zu Chuck Berrys „Johnny B. Goode“ besteigt er die Theke, um seinen Emotionen freien Lauf und die Finger über die Gitarrensaiten fliegen zu lassen. Nicht zu vergessen sind an dieser Stelle zwei weitere Stimmungsmacher. Das wären zum einen der Petticoat-Club aus Petershagen und zum anderen Hens Hensen, der im Vorprogramm Rock- und Pop-Klassiker von Tracy Chapman oder auch Herbert Grönemeyer famos interpretiert und zu späterer Stunde einen souveränen Gast-Auftritt bei den „Creapers“ hinlegt. Was die Musiker an diesem Abend abliefern, ist mehr als ein Konzert. Sie schaffen es, Erinnerungen an eine spektakuläre Zeit wieder lebendig werden zu lassen und damit ganzes Lebensgefühl zu transportieren. Der Rock’n’Roll und sein großes Versprechen von Aufbruch und Freiheit sind plötzlich wieder in jeder Körperzelle spürbar.

Wer diese Energie einmal selbst fühlen möchte, sollte das nächste Konzert der Creapers nicht verpassen. Denn, um auf Victor Hugo zurückzukommen: Über diese Musik reicht es nicht zu lesen, die muss man selbst hören und am allerbesten live erleben.

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