Geschäftsinhaber: „Sind schlecht informiert“

Coronavirus: Schwammige Infos und Unsicherheit

Thorsten Bobrink, Inhaber von „Bobrink Bike and Garden“, reduziert den Kundenkontakt auf ein Minimum. In seinem Betrieb wurde der Verkauf eingestellt. Reparaturdienstleistungen bietet er weiterhin an. Foto: Ripking

Barnstorf – Flatterband versperrt den Weg zum Eingang. Zwei orangefarbene Aufsitzmäher sind so aufgestellt, dass sie auf eine Holzstele zeigen. Daran befestigt sind eine Klingel und eine Informationstafel. Weiter unten stehen Einweghandschuhe und ein Korb mit Papierbögen zum Ausfüllen. Auf der Infotafel steht: „Aus gegebenem Anlass müssen wir unsere Vorgehensweise ändern. Füllen Sie die bereitgelegten Reparaturaufträge aus und befestigen diese an Ihrer Ware. Wir werden uns dann um Ihre Sachen kümmern.“

Thorsten Bobrink, Inhaber von „Bobrink Bike and Garden“ in Barnstorf, setzt seit Dienstag auf eine strikte Trennung von Verkauf und Dienstleistung. Der Erlass des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums vom 16. März zu den Geschäftsschließungen wegen des Coronavirus betrifft auch seinen Betrieb. Der Verkauf ist eingestellt, die Beratung erfolge weitestgehend nur noch über Telefonate. „Reparaturen handhaben wir jetzt nach dem Klingelkonzept“, sagte Bobrink.

Das Konzept sehe vor, dass der Kontakt mit dem Kunden so weit wie möglich reduziert wird. Durch die ausgefüllten Reparaturbögen wisse der Betrieb in der Regel, was gemacht werden muss. Das funktioniere bereits gut, betonte er. Weit über 20 Kunden hätten gestern auf diesem Weg Kontakt mit seinen Mitarbeitern aufgenommen.

Mit dieser Maßnahme wähnt Bobrink sich auf der sicheren Seite: „Wir wissen nicht, wie wir es sonst regeln sollten. Ich weiß ja leider nicht, was richtig und was falsch ist“, bedauerte er. „Ich hätte mir eine einheitliche bundesweite Regelung für mehr Klarheit gewünscht.“

Wie Thorsten Bobrink fühlten sich auch andere Barnstorfer Geschäftsinhaber schlecht über die aktuelle Lage im Einzelhandel informiert. Welche Läden müssen schließen, welche dürfen geöffnet bleiben? Ab wann gilt der Erlass des Gesundheitsministeriums? Diese Fragen beschäftigte auch Christiane Koop-Lampe. Sie betreibt das Schuhgeschäft „Das Schuhhaus“ in der Kampstraße. „Ich fühle mich veräppelt“, sagte sie.

Es gebe keine klare Regelung, wie Läden mit dem Erlass umzugehen hätten. Es sei schwer, an verlässliche Informationen heranzukommen. Zudem seien Mitteilungen und Nachrichten nicht einheitlich. „Woher soll ich wissen, was stimmt und was nicht?“, so Koop-Lampe. In einem Schreiben einer Verbundgruppe, das sie Dienstag erhalten hat und der ihr Geschäft angehört, habe zum Beispiel gestanden, dass der Erlass bisher ausschließlich für das Bundesland Bayern gelte. Deswegen öffnete sie Dienstag ihren Schuhladen zu den gewohnten Öffnungszeiten: „Ich dachte, das wäre erlaubt.“

Sie wolle ihr Geschäft aber auf jeden Fall schließen, sobald sie sicher weiß, dass sie nicht öffnen darf. „Ich will kein Risiko eingehen“, erklärte sie. Gegen das Gesetz wolle sie nicht verstoßen.

Maria Sonnenberg ist die Inhaberin eines Fahrrad-Fachgeschäftes. Auch sie öffnete gestern ihren Laden. „Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb und Dienstleistungsbetriebe dürfen geöffnet sein“, sagte sie. Neben dem Verkauf von Fahrrädern bietet sie auch Reparaturen an. Sie ärgerte sich auch darüber, dass Informationen bezüglich des Erlasses oft sehr vage und schwammig formuliert seien.

„Wenn wir gesagt bekommen, dass wir schließen müssen, dann halten wir uns daran“, sagte Sonnenberg. Sie erinnerte aber auch daran, dass Existenzen von der Corona-Krise bedroht sind: „Ich muss arbeiten und meinen Laden öffnen, um zu überleben.“ Deswegen habe sie wenig Verständnis für die vom Gesundheitsministerium erlassenen Geschäftsschließungen und zog einen Quervergleich: „Warum dürfen Friseure öffnen und andere Geschäfte nicht mehr? Das ist unlogisch.“ In ihren Augen könne man in Zeiten von Corona auf den Friseurbesuch verzichten.

Christiane Koop-Lampe appellierte an die Solidarität ihrer Kunden: „Wenn jetzt alle, auch nach der Krise, nur noch im Internet einkaufen, dann ist das der Dolchstoß für die Einzelhandelsbranche.“ Deswegen hofft sie, dass ihre Kunden ihrem Geschäft die Treue halten und weiter bei ihr einkaufen, wenn sie ihren Laden wieder öffnen darf – trotz oder gerade wegen Corona.

Andere Geschäftsleute, von denen viele ihre Barnstorfer Läden Dienstag schon geschlossen haben, dürften das ähnlich sehen.

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