Eigenes Desinfektionsmittel in Planung

Pflegedienstleister „B&K“ geht Schutzausrüstung aus

Beim ambulanten Pflegedienstleister„B&K“ wird die Schutzausrüstung knapp. Wladimir Krygier möchte jetzt eigenes Desinfektionsmittel herstellen. Foto: Ripking
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Beim ambulanten Pflegedienstleister„B&K“ wird die Schutzausrüstung knapp. Wladimir Krygier möchte jetzt eigenes Desinfektionsmittel herstellen.

Donstorf / Diepholz - Wladimir Krygier, einer der Leiter von „B&K“ schlägt Alarm. Bei dem ambulanten Pflegedienstleister wird die Schutzausrüstung knapp.

„Wir sind wütend“, sagt er und wirft den Behörden und zuständigen Ämtern fehlende Kooperation und mögliche Inkompetenz vor. „Die Ministerien leiten uns immer an das Gesundheitsamt weiter. Die Leute dort können oder wollen uns aber keine Auskünfte geben. Oder sie leiten uns auch wieder nur weiter.“ Krygier glaubt, dass das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz die Corona-Problematik immer noch falsch einschätzt.

Einweghandschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel gehen zur Neige. Krygier schätzt, dass „B&K“ das Wochenende mit der vorhandenen Schutzausrüstung noch überbrücken kann. Was kommt danach? „Wenn wir kein Desinfektionsmittel mehr haben, dann kann ich es eigentlich nicht mehr verantworten, meine Mitarbeiter zu den Kunden und Patienten zu schicken“, sagt Krygier und zieht einen Vergleich: „Als Feuerwehrmann gehe ich doch auch nicht ins Feuer, wenn mir die Schutzkleidung fehlt.“ Die ambulante Pflege gehöre zur größten Risikogruppe in Zeiten der Corona-Krise. „Wenn diese Berufsgruppe bald keine Schutzausrüstung mehr hat, dann wurde einfach falsch geplant“, sagt er.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte die Sozialstation Diepholz, dass auch bei ihr der Bestand an Desinfektionsmitteln und anderer Schutzausrüstung geringer werde. Das liege unter anderem daran, dass Pflegedienste bei Anbietern von Schutzausrüstung nach Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen an letzter Stelle auf der Liste stünden. Ab Montag solle es aber neue Möglichkeiten zur Versorgung geben, habe das Diakonische Werk mitgeteilt. Die Situation sei für alle neu.

Der Pflegedienstleister Sanocare gab an, dass dort noch ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung stehe.

„B&K“ betreut derzeit ungefähr 100 pflegebedürftige Menschen. Darunter auch 22 Menschen in einer Wohngemeinschaft in Donstorf, die Wladimir Krygier leitet. „Dort haben wir die Situation um das Coronavirus zum Glück früh erkannt“, sagt er. Schon vor einem Monat habe man den Besuchsverkehr dort eingeschränkt. Eine Woche später – also noch bevor es Pflicht geworden ist – sei die Einrichtung für Besucher komplett geschlossen worden. Noch seien alle Bewohner gesund. Krygier hofft, dass das auch so bleibt und versichert, dass die Versorgung durch das Pflegepersonal in Donstorf sichergestellt ist – selbst im Falle der Erkrankung einer Pflegekraft: „Wir arbeiten in Gruppen, die sich nicht begegnen.“

Auch die ambulante Betreuung der Patienten von „B&K“ wurde eingeschränkt. „Hauswirtschaftliche Leistungen erledigen wir nur noch auf Abruf und in unumgänglichen Fällen“, erklärt Krygier. Darüber seien die Familienangehörigen informiert worden.

Sie wurden darüber hinaus auch gebeten, Einkäufe und ähnliche Dinge zu übernehmen, damit die medizinische Versorgung durch das Pflegepersonal aufrechterhalten werden kann, so der Leiter von „B&K“.

Es gebe eine sogenannte Bedarfsliste für Schutzausrüstung, in der sich auch ambulante Pflegedienstleister eintragen können, um die Versorgung mit Desinfektionsmitteln und Handschuhen zu gewährleisten. Das Problem an der Sache: „Keiner weiß, wo diese Liste in Diepholz liegt.“ Wladimir Krygier hat sowohl beim Landkreis, bei der Stadt Diepholz und auch beim Gesundheitsamt vor einigen Tagen nachgefragt und bis heute keine Antwort erhalten. Er werde vertröstet oder bekomme gesagt, dass die Behörden selbst nicht wissen, wo diese Liste ist. „Wir bekommen einfach keine Infos, das ist frech“, klagt er. „Von uns verlangen sie Notfallpläne, aber das ergibt keinen Sinn, wenn das Material für diese Pläne fehlt. Kein Mensch weiß, was zu tun ist.“ Krygier hätte sich gewünscht, dass gleich zu Beginn der Krise eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden wäre, mit Leuten, die direkt aus der Pflege kommen und wissen, wo die Probleme liegen.

Deswegen möchte „B&K“ jetzt eigenes Desinfektionsmittel herstellen. Die Produktion sei nicht schwer, so Wladimir Krygier, die Beschaffung der Materialien aber schon. Zum einen kann er nicht genau sagen, wann alles für die Herstellung bei ihm ankommt, zum anderen seien die Kosten für die Eigenherstellung deutlich höher: „Statt 20 Euro zahle ich jetzt 120 Euro für die gleiche Menge.“ Generell sei der Preis für Desinfektionsmittel enorm gestiegen. Ein 500 Milliliter-Desinfektionsspender habe vor der Corona-Krise etwa drei bis vier Euro gekostet, jetzt liege der Preis bei 20 Euro. „Auch in Apotheken wird es immer teurer. Ein 50 Milliliter-Fläschchen kostet dort zehn Euro. Das ist einfach zu viel“, so Krygier.

Sollten die nötigen Materialien für die Eigenherstellung von Desinfektionsmittel nicht rechtzeitig ankommen, sieht der Leiter von „B&K“ schwarz: „Unsere Mitarbeiter haben ständig Kontakt mit Menschen, die zur Risikogruppe gehören.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, dass sich ambulante Pflegekräfte mit dem Coronavirus anstecken, wenn es nicht ausreichend Schutzausrüstung gibt. „Keiner weiß, was dann passiert. Dann fangen die richtigen Probleme an. Wer soll pflegebedürftige Menschen dann noch zuhause versorgen?“, fragt Wladimir Krygier besorgt.

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