Computerspiele schaffen Anreize 

Gaming-Ecke soll Kinder und Jugendliche in die Bibliothek locken

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Bei Turnieren wird eine große Leinwand installiert. Hier fahren Alexander, Mads und Anthony (v.l.) ihre virtuellen Rennen. Bibliothekarin Christiane Roth und Jugendpfleger Ole Sterzik begleiten das Spielvergnügen.

Barnstorf - Mads und Alexander liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. In vollem Tempo rasen die beiden Jungen über die Strecke. Sie fahren im Windschatten, nehmen versteckte Abkürzungen und verschaffen sich somit entscheidende Vorteile gegenüber ihrer Konkurrenz. Nach der letzten Kurve geht es auf die Zielgerade. Mads streckt die Hände in die Höhe: „Ich bin Erster“, ruft der Zehnjährige. Dann eine kurze Verschnaufpause, und schon geht es weiter, auf in die nächste Runde.

Die neun Jungen und Mädchen in der Barnstorfer Bibliothek sind an diesem Nachmittag nicht zu bremsen. Das Computerspiel hält sie in Atem. Es heißt „Mario Kart 8 Deluxe“ und ist äußert beliebt bei jungen Leuten. „Ich habe das Spiel mittlerweile auch selbst“, räumt Jugendpfleger Ole Sterzik schmunzelnd ein. Aber er hält sich diesmal zurück, spielt stattdessen den Rennleiter, unterstützt von Bibliothekarin Christiane Roth, die sich ebenfalls für das Spielvergnügen in ihrer Einrichtung stark macht.

Seit April dieses Jahres können Kinder und Jugendliche in der Bibliothek nicht nur normale Gesellschaftsspiele nutzen, sondern auch Computerspiele. Die eigens eingerichtete Gaming-Ecke ist Teil eines neuen Konzeptes, das aufgrund der rückläufigen Besucher- und Ausleihzahlen angestoßen wurde. Ziel ist es, mehr Leben in die kommunale Einrichtung zu bringen und dabei auch auf die Interessen der jungen Menschen einzugehen.

Nach Angaben der Einrichtungsleiterin gibt es in Deutschland mittlerweile viele Bibliotheken, die neben dem üblichen Angebot an Büchern, Zeitschriften, Filmen und CDs auch digitale Medien anbieten. „Solche Spiele gehören heutzutage zum Medienmarkt dazu. Sie sind praktisch eine Weiterentwicklung der Gesellschaftsspiele, die es schon immer gegeben hat“, erläutert Roth den Wandel der Zeit.

Auch Sterzik verweist auf die zunehmende Bedeutung von Computerspielen. „Es existiert eine Gaming-Kultur, die bei immer mehr Menschen zur eigenen kulturellen Identität zählt“, sagt er. Allerdings würden viele Leute nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, um sich die Ausstattung leisten und an dieser Kultur teilhaben zu können. Vor diesem Hintergrund habe das öffentliche Angebot in der Bibliothek auch eine soziale Komponente.

Nach Angaben des Jugendpflegers fördern Computerspiele nicht nur das soziale Miteinander, sondern haben durchaus auch einen Lerneffekt, etwa beim Landwirtschafts-Simulator oder „Minecraft“. Sportlich geht es unterdessen bei dem Spiel „Just Dance“ zu, wo die Teilnehmer mit Hilfe der Konsole auch Tanzschritte zu ihren Lieblingssongs machen können. „Wir decken viele Genres ab. Bei Neuanschaffungen können die Kinder und Jugendlichen auch gerne ihre Wünsche äußern“, so Sterzik weiter.

Trotz der gemeinsamen Bemühungen hält sich das Interesse allerdings noch in Grenzen. „Wir hatten gedacht, dass es deutlich mehr Kinder sind, die nachmittags spielen wollen“, sagt Roth. Meistens kämen nur zwei oder drei Personen, manchmal auch niemand. Um dem Nachwuchs entgegenzukommen, seien die Öffnungszeiten zu Beginn der Herbstferien ausgedehnt worden. In Zukunft stehe die Gaming-Ecke während der kompletten Öffnungszeiten der Bibliothek zur Verfügung.

Ein zusätzlicher Anreiz ist das Turnier, gesponsert vom Spielehersteller Nintendo, der kleine Preise für die Gewinner stiftet. Für Mads ist die Teilnahme eine Premiere. „Ich habe das Spiel auch zuhause, aber mit mehreren Leuten macht es mehr Spaß“, stellt der Zehnjährige bei der Gemeinschaftsaktion vor der großen Leinwand fest. Er kann sich vorstellen, demnächst häufiger das Angebot zu nutzen, zumal er ohnehin hin und wieder in der Bibliothek ist, um sich Bücher auszuleihen.

Für Christiane Roth und ihr Team wäre es ein Gewinn, wenn die jungen Leute das Spielen mit dem Stöbern in den Regalen verbinden. Bei Alexander ist das offenbar schon der Fall. Er und sein Bruder Anthony kämen häufiger mit Freunden, um in der Gaming-Ecke zu spielen. In der Wartezeit schaue er sich in der Bibliothek um, leihe sich hin und wieder Bücher und Filme aus, berichtet der Zehnjährige.

Eine Ausleihe der Computerspiele ist bisher nicht möglich, aber auch das soll sich durch die Aufstockung des Angebotes auf mehr als 20 Stück nach den Herbstferien ändern. „Ab dem 19. Oktober dürfen alle Spiele auch für eine Woche mit nach Hause genommen werden“, kündigt Roth eine weitere Neuerung an. Sie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sämtliche Spiele gewaltfrei seien.

Zur Aufklärung rund um das neue Medienangebot soll ein Elternabend in der Bibliothek beitragen. Am 28. November wird ein Vertreter der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen über Konsolen- und PC-Spiele referieren. Nach dem Erfahrungsaustausch können Erwachsene auch selbst aktiv werden: Ende des Jahres fndet ein Tetris-Turnier für Jung und Alt statt. „Mal gucken, wer dann besser ist“, freuen sich Roth und Sterzik auf den generationsübergreifenden Wettstreit.

Weitere Informationen

Die Nutzer der Gaming-Ecke benötigen einen Bibliotheksausweis. Öffnungszeiten: Montag 15 bis 18 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Freitag, jeweils von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Sonnabend, 10 bis 13 Uhr. Telefon 05442/809114 oder E-Mail: barnstorf.bibliothek@t-online.de.

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