Chuck Plaisance singt im „Liberty’s“

Espressomaschine sorgt für unfreiwilligen Sphärensound

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Regina Mudrich, Tjard Cassens, Chuck Plaisance und Martin Zemke (links im Bild, v.l.) gelingt es mit anscheinend spielerischer Leichtigkeit, den Funken zum Publikum überspringen zu lassen.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die Schweißperlen rinnen ihm von der Stirn herab, als er mit höchster Intensität dem wohl berühmtesten Bordell der Musikgeschichte huldigt –dem „House of the Rising Sun“. Chuck Plainsance singt sich in Ekstase.

Währenddessen brennen seine drei Begleitmusiker ein instrumentales Feuerwerk ab, allen voran Regina Mudrich auf ihrer Violine. Kraftvoll, unbändig, urwüchsig – mehr geht nicht.

Wandlungsfähige Stimme

Die Zuhörer im rappelvollen „Liberty’s“ werden Zeuge eines Phänomens: Mal klingt Chuck Plaisance wie Johnny Cash, mal wie Roger Waters. Seine „Röhre“ ist sein eigentliches Kapital, die Gitarre wohl eher Beiwerk.

Die Anstrengung beim Singen ist Chuck Plaisance anzumerken.

Der in Deutschland lebende Künstler mit US-Südstaaten-Wurzeln baut einen atemberaubenden Spannungsbogen auf, zunächst noch solo und leise – mit der Cat-Stevens-Folknummer „Where do the children play“. Gegen Ende des Titels lässt er erstmals seine Wandlungsfähigkeit erahnen, als seine Stimme urplötzlich anschwillt und eine enorme Power entfaltet.

Regina Mudrich gesellt sich mit ihrer Geige bei „Hurt“ hinzu. Der Song stammt eigentlich aus der Feder von Nine Inch Nails. Plaisance aber gefällt die puristische Fassung aus Johnny Cashs „American Recordings“-Zyklus besser, und er empfindet sie höchst authentisch und präzise nach. Der Weltschmerz rinnt aus jedem Vers.

Zwei ganz unterschiedliche Hälften

Als die ersten Takte von „Johnny B. Goode“ in Gedenken an den am 18. März verstorbenen Chuck Berry erklingen, hat sich das Begleittrio komplettiert. Nun bringen zusätzlich zur Geigerin auch Bassist Martin Zemke und Tjard Cassens (Cajon, Hi-Hat) die Zuhörer in Wallung. In den Song mischt sich eine Prise „Shake, rattle and roll“ in Bill-Haley-Manier. „Let it ring!“, ruft Plaisance einen Bandkollegen sodann zu. Die wissen, worauf er hinaus will. Wenig später stimmt das ganze „Liberty’s“, anfangs zaghaft, in „Ring of fire“ ein, ehe bei dem Hank-Williams-Oldie „Jambalaya on the bayou“ und den unzählige Male gecoverten „Country roads“ die redensartlichen Dämme brechen. Mit David Bowies „Major Tom“ entlässt Plaisance seine Fans in die Pause.

Nach einem etwas countrylastigen ersten Teil kehrt der Sänger die schwarze Seite seiner Stimme in Eric Claptons bluesigem „Before you accuse me“ nach außen. Ebenso in „Happy Hooker“. Dieses Black-Oak-Arkansas-Stück ermuntert den sich ansonsten zumeist dezent im Hintergrund haltenden Bassmann, mal richtig aus sich herauszukommen.

Die Gänsehautmomente reihen sich aneinander

Mehrfach im Verlauf des Abends „duellieren“ sich Mudrich und Zemke in Soli; bisweilen münden die instrumentalen Zwei- sogar mit Beteiligung von Plaisances Gitarre in Dreikämpfe. Ein anderes „Instrument“, die Espressomaschine des „Liberty’s“, lässt „Wish you were here“ zischend-gurgelnd im Stile pink-floydscher Geräuschteppiche ausklingen. Regina Mudrich braucht eine geschlagene Minute, bis sie sich von ihrem Lachanfall als Folge dieses unfreiwillig komischen „Schlussakkords“ erholt hat.

Ausschließlich mit Titeln aus fremder Feder reiht Plaisance einen Gänsehautmoment an den anderen. Bei „Sweet home Alabama“ (Lynyrd Skynyrd), dem „Folsom Prison Blues“ (Johnny Cash) und „Knockin’ on heaven’s door“ (Bob Dylan) nimmt die Mitsinglaune merklich zu.

Als schließlich die „Ekstase“ im „House of the Rising Sun“ (The Animals) abgeebbt ist, will das Publikum mehr davon. Plaisance legt mit „Nights in white satin“ nach. Er packt derart viel Gefühl in seine Stimme, dass sein „Plagiat“ die Fassung der Band „The Moody Blues“ fast noch in den Schatten stellt.

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