Profis ergänzen und glänzen

Chöre präsentieren Händel-Oratorium „Messias“ in Barnstorf

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Ralf Grobe (Bass) sang nicht zum ersten Mal in Barnstorf. Er war einer der vier brillanten Solisten.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Wie es Meike Voss-Harzmeier, Kantorin und Leiterin diverser Chöre in Diepholz und Barnstorf, immer gelingt, musikalische Höhepunkte zu präsentieren, bleibt wohl das Geheimnis der ruhigen, konzentriert arbeiteten Musikerin. 

Dass sie es mit dem Oratorium von Georg Friedrich Händel „Messias“ wieder einmal geschafft hat, Stoff, den sonst die Metropolen auf dem Spielplan haben, im Hunteflecken und gestern noch einmal in Diepholz zu präsentieren, ist Tatsache.

Mit Unterstützung des Flecken Barnstorf, der Stadt und dem Kirchenkreis Grafschaft Diepholz, dem Sprengel Osnabrück, zwei Stiftungen aus Barnstorf, Fördervereinen der zwei Kirchen St. Veit zu Barnstorf und St. Nicolai zu Diepholz und der Hannoverscher Landeskirche war es möglich. 

Sie engagierte, neben den Lokalmatadoren der Diepholzer Kantorei und Jugendkantorei und der St. Veit-Kantorei und Großen Kurrende Barnstorf, vier brillante Solisten und das Hamburger Barockorchester. An dem musikalischen Marathon mit seinen drei Teilen, die Händel in nur 24 Tagen schrieb, hatte sie sich mit ihren Chören gewagt, den Sängern viel abverlangt und gesiegt.

Gichtkranker Händel zu Werk überredet

Was dem Publikum mit dem „Messias“ entgegenschlug, war wohl eines der größten Themen, die Händel bearbeitet hatte: „Verheißung des Messias und Geburt Jesu“, „Passion und Auferstehung“ und „Erlösung“, ergo Grund und Quell christlichen Glaubens. Insgesamt umfasst das Werk, das der damals 56-jährige, an Gicht erkrankte Händel schrieb, 53 Musiknummern. 

Sein Librettist Charles Jennens hatte ihn zu dem Projekt überredet und es entstand ein Oratorium, dass sich auf ausschließlich alttestamentarische Bibelstellen bezieht. Meike Voss-Harzmeier hatte jedoch ein „Einsehen“ mit ihren Chören und verkürzte auf 47 Musiknummern.

Die Arien der vier Solisten Veronika Winter (Sopran), Alex Potter (Countertenor), Holger Marks (Tenor) und Ralf Grobe (Bass) erinnerten sehr an große dramatische Opern, die Musiker füllten sie einfühlsam, differenziert und mitnehmend. Die Chöre haben den jubilierenden Part, sie verkünden frohe Botschaften, dürfen laut hinaus schallen. 

Kraftvoll musikalische Klangbild des Gottessohnes

Bis auf die Szenerie der Kreuzespein und der Opfertod des Messias, obliegt ihnen das Halleluja der Verkündigung der Geburt des Heilsbringers, der Erlösung, der Auferstehung und das Amen. Händels Werk ist das kraftvoll musikalische Klangbild des Gottessohnes. Für einige Hörer ist das Werk immer auch ein Stück Weg gen Weihnacht, für andere eine einfach geniale Musik, für andere Gottesdienst und wieder andere eine Art Meditation über das Leben Jesu. 

Was alle lieben, sind die musikalisch-theologische Gesamtarchitektur und das geniale Portrait der biblischen Person. Zu den vielen, die auch von den Klängen tief berührt waren, gehörte der Schriftsteller Stefan Zweig. Er widmete Händels Messias in seinem Buch „Sternstunden der Menschheit“ ein literarisches Denkmal.

Auffällig ist die Vielgestaltigkeit in der Ausführung: Chor, Solisten und Orchester bedingen sich zwar, ergänzen sich nahtlos, wirken aber auch wie eigenständig. Sie wirken wie die Übertragung der Trilogie-Idee von Händels Werk.

Zum Schluss das Versprechen der Auferstehung

Voss-Harzmeier versteht es, den Solisten die opernhafte Dramatik, die Händel sich so wünschte, die Kraft der Chöre und die narrative Technik des Orchesters zu entlocken.

Am Ende bleibt hoffnungsvoll das Versprechen der Auferstehung: Die beschreibt Librettist Jennens als ein Geheimnis, das er verrät: „Wir werden nicht alle entschlafen, sondern wir werden alle verwandelt werden in einem Augenblick eines Wimpernschlages“. Das ist auch der Erfolg des Rezeptes von Händel: Er entlässt sein Zuhörerpublikum nach tiefem Tal in ekstatische und szenische Höhe. Das geistliche Erfolgsdrama gab es jetzt für Barnstorf und Diepholz exklusiv.

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